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Die Inzidenz steigt - auch bei Kindern zwischen 5 und 14 Jahren. Experten führen das auf vermehrte Tests zurück. Foto: dpa/Rainer Jensen
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Infektionsgeschehen bei den Jüngsten Wie ein Kindermediziner den Anstieg der Corona-Inzidenz erklärt

Die Zahl der Corona-Fälle bei Kindern im Kita- und Schulalter steigt deutlich. Das ist aus Sicht von Experten aber kein Grund zur Panik.

Die Corona-Inzidenzen in den jüngeren Gruppen der Kinder im Kita- und Schulalter nehmen in Deutschland zu. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge liegt die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner unter den 5- bis 14-Jährigen derzeit bei rund 119 – und damit über dem Gesamtdurchschnitt vom Mittwoch, der bei 114 liegt.

Anfang März lag die Inzidenz in der Altersgruppe noch bei unter 70. Heißt das, dass das Infektionsgeschehen in diesem Bereich zunimmt und womöglich auch Krankheitsverläufe schwerwiegender werden?

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Dem widerspricht Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum der Technischen Universität Dresden, gegenüber dem Tagesspiegel.

„Was sich verändert hat, ist die Zahl der Tests“, sagt Berner. „Von Mitte Februar bis März hat sich die Zahl der durchgeführten Testungen bei den 0- bis 4-Jährigen und 5- bis 15-Jährigen verdoppelt. Die Rate der positiven Tests ist dabei aber leicht zurückgegangen.“

Die Öffnungen von Schulen und Kitas seien natürlich Anlässe für Eltern, ihre Kinder testen zu lassen. „Das ist vorher einfach oft nicht geschehen, wenn das Kind zuhause im Lockdown gehockt hat und Schnupfen hatte“, so Berner.

Zudem hätten auch die Möglichkeiten gefehlt, weil zum Beispiel auch Ärzte die Kinder nicht in den Praxen haben wollten. „In dem Moment, wo aber der Schulbesuch ansteht, werden die Kinder beim Arzt vorgestellt und es wird getestet“, sagte Berner, der auch Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist. „Das ist natürlich keine empirische Forschung, sondern eine plausible Erklärung für die Zunahme der Tests.“

Keinen Anstieg der Klinikfälle bei den Jüngsten

Aussagen wie die des Dortmunder Oberbürgermeisters Thomas Westphal könne er nicht nachvollziehen oder bestätigen. Westphal hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass seine Stadt die Schulen so schnell wie möglich wieder schließen wolle.

Die Übertragungsrate der Kinder in den Familien liege bei 100 Prozent, sagte er. „Wir sehen jetzt: Kinder sind das größte Ansteckungsrisiko“, so der Oberbürgermeister.

„Das mag in Dortmund so sein“, sagte Berner. „In unserer Schulstudie ist die sekundäre Erkrankungsrate bei Haushalten mit Personen unter 18 Jahren halb so hoch.“ Berner betonte, diese Daten bezögen sich allerdings auf einen Zeitpunkt noch vor Weihnachten. „Unsere Ergebnisse entsprechen aber auch der Literaturlage.“

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Es sei natürlich davon auszugehen, dass sich die britische Corona-Virusvariante B.1.1.7 auch unter Kindern stärker verbreite als die alte Variante, wenn Schulen und Kitas geöffnet seien.

„Aber auch die englischen Daten haben gezeigt, dass Kinder zunächst stärker betroffen, später aber die Ansteckungsrate über alle Altersgruppen gleich war“, sagte Berner. „Und es gibt auch aus Deutschland bisher keine Hinweise, dass es hier anders ist.“

Berner sagte weiter, auch das Register seiner Klinik, an das rund zwei Drittel aller 350 deutschen Kinderklinik melden, verzeichne bei den Einlieferungen von Mädchen und Jungen mit einer Corona-Infektion keinen Anstieg. „Das Register hat zwar einen leichten Meldeverzug. Aber wir sehen auch keine Veränderung der Fälle mit schweren Verläufen.“

Keine Kinder wegen Corona auf Intensivstationen

Gleiches berichten Intensivmediziner aus München und Hamburg. Sie können von keiner Zunahme von schweren Covid-19-Krankheitsverläufen bei Kindern durch die Virus-Varianten berichten.

„Wenn es Fälle gab, hatten Kinder oft schwere Vorerkrankungen“, sagt Stefan Kluge, Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) dem Tagesspiegel. Derzeit gebe es keine Corona-Intensivpatienten auf der Kinderstation.

Das berichtet auch Florian Hoffmann, Pädiatrischer Intensiv- und Notfallmediziner am Haunerschen Kinderklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). In keiner Münchner Klinik habe die Zahl der klinisch zu behandelnden Kinderpatienten zugenommen, sagte er dem Münchner „Merkur“.

Seit Ausbruch der Pandemie wurden „etwa zehn Kinder stationär wegen Corona bei uns behandelt, drei davon auf der Intensivstation“, so Hoffmann. Alle hätten überlebt. „Das ist immer noch eine Rarität, wenn man bedenkt, dass die Mortalitätsrate bei intensivpflichtigen, erwachsenen Covid-Patienten bei 20-30 Prozent liegt“, sagt Hoffmann.

Für den Dresdner Kinderarzt Berner spricht das eine klare Sprache. Mit Blick auf die Corona-Beschlüsse sagt er deshalb: „Wir als Kinderärzte haben immer wieder gesagt, dass offene Kitas und Schulen für Kinder systemrelevant sind.“

Wenn man das als eine hohe Priorität anerkennt, „dann kann man die Einrichtungen unter Einhaltung der entsprechenden Hygienemaßnahmen offenhalten“. Wenn es nicht zu einer explosionsartigen Steigerung der Neuinfektionen käme, sei es nicht sinnvoll, diese Entscheidung jede Woche neu zu fällen. „Unter den Bedingungen, die wir jetzt haben, sollten uns offene Schulen so viel wert sein, dass wir dies nicht von schwankenden Inzidenzzahlen abhängig machen.“

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