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Eine junge Frau in einem grünen Schutzanzug geht durch das Foyer eines Unigebäudes, rechts davon sitzen Studierende in einem Wartebereich. Foto: Burchard/Tsp
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Impfstart für Studierende in Berlin „Das ist für uns der Weg zurück in die Präsenz“

„Moderna“ in der Impfstelle: Studierende hoffen auf Campus-Leben und Auslandssemester. Und der Regierende mahnt die Unis, sich auch ohne Durchimpfung zu öffnen.

"Einen Festtag für die Universität" nennt Günter M. Ziegler, Präsident der FU Berlin, den Impfstart für Studierende am Mittwochmorgen. "Weil das für uns der Weg zurück in die Präsenz ist und weil die Impfstoffentwicklung ein Triumph der universitären Grundlangenforschung ist", sagt Ziegler.

Vor dem Institut für Pflanzenphysiologie der Freien Universität in der Königin-Luise-Straße in Dahlem stehen schon um halb neun gut 20 Studentinnen und Studenten Schlange, drinnen ist der Wartebereich voll. Foyer und Nebenräume im Erdgeschoss sind ausgebaut zur Impfstelle der FU, einer Nebenstelle des Impfzentrums der Universitätsmedizin Charité.

Die 1000 Termine, die seit Dienstag über das Buchungssystem des Hochschulsports vergeben wurden, waren in kürzester Zeit ausgebucht. Sophie, 26, Studentin für Deutsch als Fremdsprache, freut sich, "dass mit der Impfung vielleicht mein Auslandssemester in China möglich wird", das sie seit langem für dieses Wintersemester geplant hatte. Noch schotte sich China wegen Corona stark ab, erteile keine Visa für Studierende.

Endlich wieder Party? Nein, es geht ums Studieren und um Sicherheit

Bedeutet die Impfung für sie und ihre Freund:innen auch, endlich wieder zusammen feiern zu können? Das sei für ihre Generation keineswegs das Wichtigste, protestiert Sophie, es gehe vielmehr darum, "andere zu schützen, persönlich wieder ein Sicherheitsgefühl zu bekommen - und langfristig mehr Freiheit, wenn wir zum zweiten Mal geimpft sind".

Jurastudent Peter, 25, verbindet die "angenehme Überraschung, dass es nach der Aufhebung der Priorisierung für uns Studierende doch so schnell geht" mit einer politischen Botschaft: Der Impfstart auch für Studierende bedeute für ihn "vor allem ein Ende der Einschränkung der Grundrechte".

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Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie seien "teilweise unverhältnismäßig gewesen". Trotzdem ist Peter einer der wenigen, die beim Schlange stehen draußen noch Maske tragen, drinnen beim Warten auf den Pieks ist der Mund-Nasen-Schutz dann für alle selbstverständlich.

Michael Müller: Nicht warten, bis alle geimpft sind

Auch für Michael Müller (SPD), den Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator, der die Impfstelle am Morgen besucht. An die Studierenden wird Moderna verimpft und als Charité-Arzt Markus Meissner dem Regierenden versichert, dies sei ein ebenso hochwertiger Impfstoff wie Biotech, der in der vergangenen Woche an Mitarbeitende der FU verimpft wurde, freut sich Müller: "Gut, dass Sie das sagen. Moderna habe ich auch bekommen."

Drei Männer im Gespräch in einem Impfzentrum. Foto: Burchard/Tsp Vergrößern
Visite: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (re.) im Gespräch mit einem Impf-Arzt (li.) und Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität. © Burchard/Tsp

FU-Kanzlerin Andrea Bör nutzt die Begegnung mit Müller, um ein bisschen Druck zu machen: "Wir können hier pro Woche 1000 Impfstoffe verimpfen - und hoffen, dass wir schnell Nachschub bekommen." Müller verspricht, die Hochschulen würden "mitbedacht", wenn es neue Lieferungen gibt. Und mahnt erneut, die Universität dürfe mit den versprochenen Präsenzangeboten "nicht warten, bis alle geimpft sind".

Die Studierenden würden jetzt seit einem guten Jahr und im dritten Semester auf den direkten Kontakt zu den Lehrenden und zu ihren Kommilitonen warten, sagt Müller. Sie seien "zu Unrecht vergessen worden".

Für die Uni hat Arbeit in Bibliotheken und Laboren Priorität

"Wir tun alles, damit die Studierenden zurückkehren", versichert ihm Hauke Heekeren, FU-Vizepräsident für Studium und Lehre. Auf Nachfrage des Tagesspiegels schränkte er allerdings ein, im laufenden Sommersemester liege der Fokus darauf, "den Studierenden die Chance zu geben, auf dem Campus zu arbeiten - in Bibliotheken und in Laboren". Die Rückkehr auch zur Präsenzlehre sei dann ab Herbst geplant. Doch schon jetzt gebe es "sehr gute neue Formate" mit Seminargruppen, die sich erstmals wieder im Garten ihrer Institutsvilla treffen.

Auch andere Hochschulen erhalten in diesen Tagen Kontingente, um ihre Studierenden zu impfen, erklärte die Senatskanzlei Wissenschaft zum Impfstart an der FU. Aus der Technischen Universität hieß es am Mittwoch auf Anfrage: "Unsere Studierenden impfen wir ab 18. Juni." Die TU könne "in einer ersten Welle 944 Impfungen mit Moderna anbieten".

Die TU lässt beim "Diagnostikum Berlin" in Britz impfen

Das Impfzentrum der TU liegt in Britz und werde gemeinsam mit dem Diagnostikum Berlin betrieben. Von den Studierenden werde "insbesondere denjenigen die Impfung empfohlen, die in Praxisseminaren und Laborpraktika tätig sind", erklärte TU-Sprecherin Stefanie Terp.

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Studierende der Humboldt-Universität können sich seit Dienstag im Arbeitsmedizinischen Zentrum der Charité auf dem Campus Virchow impfen lassen, teilte Sprecher Hans-Christoph Keller mit. Auch an der HU richte sich das Angebot vorrangig an Studierende, "die in zwingend notwendigen Präsenzveranstaltungen eingebunden sind".

Aber auch alle anderen würden seit Beginn dieser Woche ein Impfangebot erhalten - "im Rahmen der ressourcenbedingten Möglichkeiten". Die buchbaren Terminslots seien jeweils "umgehend und stark nachgefragt".

Nur 90 Impfdosen für die HWR

Von Hochschule zu Hochschule wird das Impfen also unterschiedlich organisiert, teilweise auch mit hausärztlichen Praxen, wie etwa an der Beuth-Hochschule und an der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW). Auch das Studierendenwerk Berlin will aktiv werden und laut Senatskanzlei "Bewohnerinnen sowie Bewohner von Studierendenwohnheimen ansprechen, da diese oftmals neu in Berlin sind und über keine Hausärztinnen und Hausärzte verfügen".

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) habe - wie die anderen Fachhochschulen auch - zunächst die Zusage für ein Kontingent von elf Vials zu je zehn bis elf Impfdosen erhalten, also etwa 110, teilte die Pressestelle mit. Die Hochschule habe ihren Studierenden entsprechend ein Impfangebot gemacht. Die Impfung finde in einer Arztpraxis statt.

Die Beschäftigten der Hochschulen werden seit dem 7. Juni geimpft. An der Freien Universität sei das Interesse der Mitarbeitenden allerdings nach einer guten Woche und rund 1050 Impfungen in der Dahlemer Charité-Filiale erlahmt, berichtet FU-Präsident Ziegler. Viele hätten sich schon vorher extern impfen lassen. "Und jetzt sind endlich die Studierenden dran."

Anmerkung der Redaktion: Der vorletzte Absatz zur HWR wurde aufgrund neuer Angaben der Hochschule nachträglich inhaltlich präzisiert. Zuvor war von nur 90 Impfdosen für die HWR die Rede.

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