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Schüler und Schülerinnen sitzen mit ihrer studentischen Nachhilfelehrerin in einem Klassenraum. Foto: Clemens Bilan/ddp images/dapd
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Exklusiv Gegen Corona-Lernrückstände Esken will mit der Kanzlerin ein Milliarden-Paket für Schulen und Kitas schnüren

Die bisher geplante Corona-Nachhilfe für Schüler sei zu klein gedacht, findet SPD-Chefin Saskia Esken. Es müssten zusätzliche Kräfte mobilisiert werden.

"Schülerinnen und Schüler leiden unter schweren Belastungen während Corona, ihnen fehlt der soziale Kontakt zu Gleichaltrigen, es fehlen die schulischen und außerschulischen Erfahrungen, die für ihre soziale Entwicklung unersetzlich sind." So beschreibt SPD-Chefin Saskia Esken die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche in Deutschland - und begründet damit die Forderung nach einem großangelegten Bildungsprogramm.

Gemeinsam mit der SPD-Fraktion im Bundestag fordert Esken ein zusätzliches Zwei-Milliarden-Programm für eine Laufzeit von zwei bis drei Jahren, um Schülerinnen und Schülern zu helfen, ihre Lernrückstände, aber auch soziale Defizite aus der Zeit der Schulschließungen aufzuholen. Das geforderte Corona-Aufhol-Paket soll das von Bund und Ländern derzeit verhandelte Programm für die Corona-Nachhilfe ergänzen.

Dieses Programm ist aus der Sicht der SPD mit einer Milliarde Euro für zusätzliche Förderangebote in den Kernfächern nach den Sommerferien zu gering dimensioniert. Esken hat deshalb einen Aktionsplan für die "Generation Empowerment" aufgestellt.

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Dieser Plan, dessen Entwurf dem Tagesspiegel vorliegt, sieht neben schulischer Förderung auch den Aufbau von Sprachförder-Kitas vor und nimmt neben den Schulen auch Ausbildungsbetriebe, Hochschulen sowie außerschulische Stätten wie Jugendzentren und Mehrgenerationenhäuser in den Blick.

[Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte Ende März bereits ein eigenes, erweitertes Nachhilfe-Programm vorgestellt: Die Aufholjagd soll beginnen]

Am Donnerstag finde zu diesen Themen ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt statt, heißt es. Teilnehmen werden neben Esken auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Die SPD-Chefin und die Kanzlerin hatten sich bereits im Sommer bei zwei "Bildungsgipfeln" über Zusatzprogramme zum Digitalpakt geeinigt, um Pandemiefolgen auf die Bildung zu mildern.

Ein Porträtbild von Saskia Esken. Foto: Sebastian Gollnow/dpa Vergrößern
Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken hat sich schon im vergangenen Jahr mit Kanzlerin Merkel auf Bildungsprojekte in der Pandemie geeinigt. © Sebastian Gollnow/dpa

Aus der SPD-Parteizentrale ist zu hören, die Kanzlerin begrüße und unterstütze weiterführende Maßnahmen als die bislang vorgestellten. Auf die Ergebnisse des neuerlichen Gipfeltreffens zur Bildung in Zeiten der Pandemie darf man also gespannt sein.

Was die SPD nun zusätzlich zur Corona-Nachhilfe des Bundes vorschlägt, läuft darauf hinaus, mit deutlich mehr Geld eine größere Gruppe potenzieller Kräfte für die Nachhilfe zu mobilisieren. So könnten Freiwilligendienste wie das Freiwillige soziale Jahr oder der Bundesfreiwilligendienst junge Menschen, insbesondere Schulabsolventen, zur Unterstützung des Schulbetriebs einsetzen.

Jobs für Studierende auch ohne Lehramt

Zum Einsatz kommen könnten auch Studierende nichtpädagogischer Fachrichtungen, denen derzeit Nebenjobs etwa im Messebau oder in der Gastronomie fehlten. Lehramtsstudierende als Mentor:innen in der Corona-Nachhilfe zu gewinnen, ist ein Kerngedanke des von Bund und Ländern bereits verhandelten Programms. Nach den SPD-Plänen sollen Studierende pro Jahr 9400 Euro mit der Nachhilfe verdienen.

Esken schlägt in "Generation Empowerment" auch vor, das Programm Teach First, in dem Uni-Absolvent:innen für ein Jahr als Co-Lehrkräfte arbeiten, mit staatlichen Mitteln massiv auszubauen. Ebenso würden viele zusätzliche Kräfte in der Schulsozialarbeit gebraucht.

Schülerinnen und Schüler lernen bei einem Mathe-Camp. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Schule in den Ferien: Hier ein Mathe-Camp am Berliner Gottfried-Keller-Gymnasium (2016). © Kitty Kleist-Heinrich

"Einige Klassen haben seit Monaten keine Schule mehr betreten und nicht allen stehen ausreichend Technik, Raum und Unterstützung zur Verfügung, um wenigstens die inhaltlichen Defizite im Distanzunterricht auszugleichen", erklärt Esken. "Corona verstärkt auch hier eine Kluft, die wir ausgleichen müssen. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.“

Teil des Pakets soll es außerdem sein, die im Konjunkturpaket aufgelegte Ausbildungsprämie von 2000 Euro für jeden aufrechterhaltenen und von 3000 Euro für jeden zusätzlichen Ausbildungsplatz zu verdoppeln. Für die Hochschulen will Esken ein "Coaching für Studierwillige und Erstsemester", auch hierfür könnten Studierendenjobs geschaffen werden. Außerdem müsse das Bafög aufgestockt werden.

Mit einer Mischung aus Rückhalt und Freiheit

Zu den geplanten Angeboten erklärt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix: "Wir wollen zum Beispiel Sprach- und Bewegungsförderung an Kitas, Ferienförderungen wie die Projekte „Kinderstädte“ und spezielle Freiwilligendienst-Angebote zur Orientierung von Jugendlichen nach ihrem Schulabschluss unterstützten.“

Gerade auch in Pandemiezeiten bräuchten Kinder eine "Mischung aus Rückhalt und Freiheit". Dafür seien die Angebote in Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen zentral.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Oliver Kaczmarek begründet das Corona-Aufhol-Paket so: "Die vielen Wochen ohne Kita und Schule haben bei Kindern und Jugendlichen Spuren hinterlassen, die weit über mögliche Lernrückstände und Abschlussängste hinausgehen." Deshalb fordere die SPD eben nicht nur reine Förderangebote, "sondern auch eine begleitende Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die ihre Sorgen und Ängste auffängt".

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