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FU-Studierendenvertreter Janik Besendorf. Foto: privat
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FU-Studierendenvertreter will Vizepräsident werden „Ich bin näher an Studierenden, ich kenne die Probleme gut“

Mit Janik Besendorf will ein Studierendenvertreter Vizepräsident der Freien Universität werden. Er rechnet sich Chancen bei der Wahl aus.

Janik Besendorf studiert im Master Informatik an der Freien Universität. Er kandidiert als Vizepräsident für Lehre der FU. Namen von Gegenkandidaten sind noch nicht öffentlich. Nominiert wird am 27.4. im Akademischen Senat, die Wahl findet dann Mitte Juni statt.

Herr Besendorf, als Studierendenvertreter kandidieren Sie für das Amt des Vizepräsidenten für Lehre an der FU. Warum?
Im Akademischen Senat wird gesehen: Wir wollen nicht so weitermachen wie bisher. Das ist eine Folge des Konflikts um die Kanzlerin und auch der Präsidentenwahl, wo es eine neue Mehrheit für Herrn Ziegler gab. Dabei haben die nicht-professoralen Gruppen und Teile der professoralen Gruppen stärker zusammengearbeitet und gezeigt, dass wir Sachen anders machen wollen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit eines nicht-professoralen Vizepräsidenten, und die würde ich gerne ergreifen. Ich hoffe, dass man mir das Vertrauen schenkt.

Hatten Sie zu Präsident Günter M. Ziegler schon Kontakt wegen Ihrer Kandidatur?
Nein. Ich habe meine Bewerbung an alle Listen im Akademischen Senat geschickt, ob er das schon mitbekommen hat, weiß ich nicht. Es wird eine Gegenkandidatur geben. Man hat mir von anderen Listen und Statusgruppen gesagt, dass man meine Bewerbung unterstützen würde.

Was ist Ihr Programm?
Das Konzept Studium und Lehre 2030, das der Vorgänger Hauke Heekeren ausgearbeitet hat, muss weiterentwickelt und umgesetzt werden. Da ist vor allem ein Konzept zu integrieren, was wir aus den vergangenen Onlinesemestern lernen können. Es ist viel zu tun. Ich sehe gerade mit Sorge, dass wir alles beiseitelegen, was wir gelernt haben und wieder Lehre wie vor drei Jahre machen.

Gleichzeitig darf man dabei die gute Arbeit im akademischen Mittelbau und in der Verwaltung nicht vernachlässigen. Das muss zusammen funktionieren. Datenschutz für Beschäftigte und Studierende würde ich gerne stärken, da hat die FU zuletzt nicht so den Fokus daraufgelegt. Hier will ich meine Kompetenz aus der Informatik einbringen. Ansonsten würde ich demokratische Prozesse in den Gremien stärken wollen.

Der FU-Präsident hat betont, nach Corona solle es kein Zurück zur Lehre der Vorpandemiezeit geben. Sie sagen, genau das passiere aber. Woran machen Sie das fest?
Ich habe gerade meinen ersten Tag im neuen Semester erlebt und direkt eine E-Mail bekommen, in der der Dozent gesagt hat: Natürlich treffen wir uns in Präsenz, ein Onlineangebot gibt es nicht. Ich sehe ein großes Problem in der Umsetzung der digitalen Inhalte. Für mich als jemanden, der neben dem Studium berufstätig und hochschulpolitisch aktiv ist, war es deutlich einfacher, mit Onlineangeboten bestimmte Dinge miteinander zu vereinbaren.

Sich asynchron Vorlesungen anschauen zu können, war zum Beispiel ein großer Gewinn. Das scheint es jetzt nicht mehr zu geben. Ich halte es für einen Fehler, hybride Angebote nicht gleich mitzudenken – auch was die Unsicherheit der Coronasituation angeht.

An der FU wird wieder in Präsenz studiert - das aus der Onlinelehre Gelernte scheint schon wieder vergessen, kritisiert Janik Besendorf. Foto: Bernd Wannenmacher Vergrößern
An der FU wird wieder in Präsenz studiert - das aus der Onlinelehre Gelernte scheint schon wieder vergessen, kritisiert Janik Besendorf. © Bernd Wannenmacher

Ein Student als Vizepräsident wäre ungewöhnlich, so oft kommt das nicht vor.
Einspruch: Ich will das nicht als so ungewöhnlich dargestellt wissen. An der Hochschule in Friedrichshafen gibt es einen dezidierten studentischen Vizepräsidenten, die UdK hatte das diskutiert. An anderen Hochschulen ist es immer wieder vorgekommen. Auch an der FU gab es studentische Bewerbungen, allerdings wurde noch nie jemand gewählt.

Was könnte ein Student als Vizepräsident besser machen als ein Professor?
Eine Studentin oder ein Student ist genauso geeignet wie eine Person aus dem akademischen Mittelbau, aus der Verwaltung oder eben ein Prof. Dadurch dass ich näher an der Situation von Studierenden dran bin, kenne ich die Probleme gut. Das weiß ich auch aus der Hochschulberatung, die ich gemacht habe: Was sind die harten Fällen, wo müsste man an Satzungen und Ordnungen schrauben. Für die Hochschule wäre das ein Gewinn.

Ziegler hat bei seiner Wiederwahl einen Neuanfang versprochen. Merkt man das?
Das muss man differenziert sehen. Ja, das hat er versprochen, und das wurde gut angenommen. Dennoch bleibt Herr Ziegler dieselbe Person, und es gibt einige Punkte, wo wir Studierenden einen Dissens mit ihm haben, etwa was die Viertelparität im Akademischen Senat angeht oder das Thema Anwesenheitspflicht und das Begrenzen von Prüfungsversuchen.

Zusammenarbeiten müssten Sie mit ihm dennoch.
Darauf stelle ich mich konstruktiv ein und würde darauf setzen, dass man das vertrauensvoll kann und schaut, was gemeinsam möglich ist und was nicht. Positiv finde ich, dass er die Themen Personal und IT in die eigene Hand nehmen will. Da bin ich gespannt, wie er das umsetzen will. Klar ist für die Wahl des Vizepräsidenten jetzt: Ich meine das ernst. Ich stelle mich auf einen fairen Wettkampf mit dem anderen Bewerber ein.

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