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Forschung Jungbrunnen gesucht

Resveratrol soll die Zellen vor Sauerstoffradikalen, aggressiven chemischen Verbindungen, schützen, Entzündungen hemmen, die Krebsentstehung verhindern und die negativen Folgen des Dickseins abmildern – ohne dass man dafür abnehmen muss. Eine Pille Resveratrol genügt.

Ähnlich sieht es mit der kalorischen Restriktion aus. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Tatsache, dass eine chronische leichte Unterernährung die Lebensspanne vieler Tiere deutlich verlängert. Bisher galt folgende Theorie: Infolge des Hungerns werden die Sirtuine aktiv, verordnen dem Stoffwechsel ein Sparprogramm und ermöglichen dadurch ein längeres Leben.

Wenn nun Resveratrol oder eine verwandte Substanz die Sirtuine anregt, dann könnte man vielleicht langsamer altern, ganz ohne den unangenehmen Verzicht auf Kalorien. Auch dieser Annahme gingen die Forscher auf den Grund. Sie stellten Taufliegen-Sirtuin her und versuchten, es mithilfe von Resveratrol zu aktivieren. Das schlug jedoch fehl. Dann unterwarfen sie genetisch veränderte Taufliegen, denen es an Erbanlagen für Sirtuin mangelte, einer Hungerkur. Es stellte sich heraus, dass auch diese Tiere länger lebten – ganz ohne Sirtuin. Offenbar ist das Enzym doch nicht das Bindeglied zwischen Kalorienverzicht und gesundem Altern. Die pharmazeutische Abkürzung zum längeren Leben ganz ohne Diät hat also einen Dämpfer bekommen.

„Wir haben die wesentlichen Experimente, die Sirtuin mit der Langlebigkeit von Tieren verknüpfen, erneut angestellt und mussten erkennen, dass keines von ihnen der Überprüfung standhielt“, kommentiert der Studienleiter David Gems. „Sirtuine sind weit davon entfernt, ein Schlüssel für Langlebigkeit zu sein. Sie sind nicht dazu imstande, das Leben zu verlängern.“ Er hofft, dass man sich nun den Prozessen zuwenden kann, die wirklich das Altern kontrollieren.

So weit wie Gems wollen andere Wissenschaftler nicht gehen. Die Hoffnung darauf, dass Sirtuine wie Sirt1 in strengem Sinne die Lebensspanne bestimmten, habe sich zwar als unbegründet erwiesen, schreiben Carles Cantó (Nestlé-Institut für Gesundheitswissenschaften, Lausanne) und Johan Auwerx (Ècole Polytechnique Féderalé, Lausanne) in einem Kommentar in „Nature“. Aber Sirt1 könne die „Gesundheitsspanne“ verlängern, weil es einen vitalen Stoffwechsel garantiere und den alterstypischen Verfall bremse. Als Objekt aufregender Forschung werde den Sirtuinen ein langes Leben garantiert sein.

Im gleichen „Nature“-Heft rudert noch ein weiterer Wissenschaftler zurück. Leonard Guarente vom Massachusetts Institute of Technology hatte vor zehn Jahren in „Nature“ behauptet, ein mit Sirtuin-Genen angereicherter Wurm habe eine um 15 bis 50 Prozent verlängerte Lebensspanne. Aber dieser Effekt geht, wie sich nun herausstellte, zu einem wesentlichen Teil auf eine genetische Veränderung zurück, die damals nicht bedacht wurde und die nichts mit Sirtuinen zu tun hat. Die Lebensverlängerung betrage nur zehn bis 14 Prozent. Angesichts der ernüchternden anderen Ergebnisse ist das zumindest ein Hoffnungsschimmer.

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