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Leistung ist wichtig - das richtige Auftreten aber auch

Exzellente Oberschicht Die Ultra-Elite stammt aus bestem Hause

Auch Frau zu sein mindert die Chancen, zu Deutschlands Ultra-Elite zu gehören, erheblich. Nur zwei Mal haben Frauen seit 1945 eine wissenschaftspolitische Organisation geleitet: Dagmar Schipanski war Vorsitzende des Wissenschaftsrats (von 1996 bis 1998), Margret Wintermantel, heute Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, leitete die Hochschulrektorenkonferenz (von 2006 bis 2012). Seit 1945 hat sich der Anteil von Frauen an der Wissenschaftsspitze nur von acht auf zehn Prozent erhöht. Bis heute war noch keine Frau Präsidentin einer außeruniversitären Forschungsorganisation.

Graf will keineswegs in Abrede stellen, dass die Voraussetzung für den Aufstieg auf eine Spitzenposition in der deutschen Wissenschaft Leistung ist. Doch wissenschaftliche Leistung sei ein soziales Konstrukt. Was als Leistung gilt, bestimmen andere Personen, insbesondere solche, die für ihre Leistung in der Wissenschaft anerkannt sind („legitime Feldmitglieder“). Ob jemandem eine hohe Leistungsfähigkeit zugeschrieben wird, hänge dabei nicht zuletzt von seinem sozialen Habitus ab – von der Art, wie er seine „wissenschaftlichen Produkte“, etwa Schriftstücke oder Vorträge, „vermarktet“, in dem er etwa die „richtige“ Sprache und das „richtige“ Publikationsorgan wählt und „souverän“ auftritt.

Es öffnet sich ein Einfallstor für nichtmeritokratische Faktoren

Erst die Kombination von „faktischer Leistung“ und „persönlichem Vermarkten“ stellt demnach die Qualifikation dar, die der Selektion durch die etablierten Wissenschaftler zugrunde liegt. Und so öffnet sich laut Graf „ein Einfallstor für nichtmeritokratische Faktoren“, also für den Einfluss der sozialen Herkunft: „Wissenschaftliche Leistung alleine ist nicht ausreichend, um es an die Spitze des Wissenschaftsfeldes zu schaffen“, folgert Graf.

Die Nachkommen aus dem Großbürgertum, besonders die Kinder von Professoren, würden davon profitieren, dass sie die Regeln in der Wissenschaft besser kennen. Und weil sie meist durch ihre Herkunftsfamilie finanziell gut abgesichert seien, könnten sie beruflich auch „risikoreichere Strategien gefahrlos wählen“. So würden sie über „deutlich größere Handlungsspielräume“ verfügen als Abkommen aus anderen Schichten.

Entsprechend vermittelten die Werdegänge von Großbürgerkindern „den Eindruck von Ungezwungenheit und Selbstverwirklichung“. Auffällig häufig würden sie zwischen Uni und Wirtschaft hin und her wechseln. Auch wiesen sie insgesamt eine größere Anzahl von Karrierestationen auf, sie seien also weniger abhängig von der Bindung an Personen oder Institutionen.

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