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Alexander Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Foto: imago images/Müller-Stauffenberg
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„Er wird die Studie zurückziehen“ Kekulé legt in der Drosten-Debatte nach und bekräftigt Kritik

Die Debatte über eine Studie des Charité-Virologen Christian Drosten hält an. Nun hat sich erneut Alexander Kekulé zu Wort gemeldet – mit einer überraschenden Aussage.

Die Debatte um eine Studie des Charité-Virologen Christian Drosten geht in eine weitere Runde. Am Freitagmorgen nahm erneut der in Halle tätige Mikrobiologe Alexander Kekulé dazu in einem Interview Stellung. Im Deutschlandfunk sagte er: "Als ich die Studie das erste Mal auf den Tisch bekam, am 30. April, war sofort klar, dass auf der Auswertungsseite ein paar Fragezeichen da sind."

Er habe aber damals keinen Streit anfangen wollen, weil er glaubte, dass die Probleme des Papers im "Kreis der Kollegen" diskutiert würden. Das sei dann auch passiert, indem Statistiker Drosten auf die Schwächen der Studie im Bereich der Methodik hingewiesen hätten.

Warum er sich jetzt trotzdem zu Wort gemeldet habe? Kekulé sagt, er habe jetzt das Wort ergriffen, weil Drosten trotz dieser Einwände die Ergebnisse der Studie immer wieder verteidigt habe. Kekulé aber glaubt: "Die Studie ist nicht zu retten, wie sie dasteht."

Kekulé erneuert damit seine Kritik, die er am Donnerstag in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel (hier nachzulesen) geäußert hatte. Drosten hatte sich daraufhin auf Twitter gemeldet und Kekulé eine "tendenziöse Darstellung" vorgeworfen (hier nachzulesen). Außerdem schrieb Drosten: "Kekulé selbst könnte man nicht kritisieren, dazu müsste er erstmal etwas publizieren."

"Er wird ein neues, tolles Ergebnis haben"

Auch zu dieser Aussage nahm Kekulé im Deutschlandfunk Stellung. Er gab zu, dass er in den vergangenen Jahren wenig an wissenschaftlicher Fachliteratur veröffentlicht habe. Dafür beschäftige er sich mit Bevölkerungsschutz und fertige Pandemiepläne für Staaten und Unternehmen an und leite ein Institut mit drei Abteilungen.

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Interessant: Kekulé sagt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, dass er ebenso wie Drosten der Meinung ist, dass Kinder genauso ansteckend wie Erwachsene seien. Aber das liege derzeit noch im Bereich "des Glaubens". Kekulé zeigte sich aber zuversichtlich, dass Drosten "die Studie zurücknehmen und eine neue schreiben wird [...] er wird ein neues, tolles Ergebnis haben, denn die Daten, die er hat, sind hervorragend." Die Öffentlichkeit würde das honorieren, glaubt Kekulé.

Einen Seitenhieb auf Drosten kann sich Kekulé im Gespräch mit dem Deutschlandfunk allerdings nicht verkneifen. Zur Frage, warum er Anfangs nicht mit seinen Zweifeln an die Öffentlichkeit gegangen sei, erklärt er: "Ich wollte zu diesem Zeitpunkt keinen Streit anzetteln, denn Sie wissen, wie Drosten mit Streeck" umgegangen ist. Der Hintergrund: Drosten hatte schon kurz nach der Vorstellung einer Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck zum Infektionsgeschehen in Heinsberg Mitte April diese mit deutlichen Worten kritisiert.

Streeck hatte sich am Donnerstag der Kritik an der Drosten-Studie angeschlossen. „Die Methode ist von fünf Statistikern kritisiert worden, und diese Kritik kommt nicht von ungefähr“, sagte der Wissenschaftler im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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