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Digital schon in der Grundschule. Foto: picture alliance/dpa
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Entwicklungssprung mit Haken Mühsam zur digitalen Schule

Die Digitalisierung der Schulen hat in der Pandemie einen „Entwicklungssprung" gemacht, sagt eine Studie - gespalten ist die Bildungsrepublik dabei dennoch.

Ist das Glas bei der Digitalisierung in den Schulen nun halb voll oder halb leer? Diese Frage warf Frank Mußmann von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen auf, als er am Mittwoch eine Studie zum Thema im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorstellte. Die Antwort, die aus der Studie hervorgeht, ist ein entschiedenes „Sowohl als auch“.

Zunächst zum Positiven. In der Pandemie habe es einen „Entwicklungssprung“ gegeben, sagte Mußmann: „Die Nutzung hat sich enorm verbessert.“ 68 Prozent der 2750 befragten Lehrkräfte sagten, sie benutzen digitale Medien, bei einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Umfrage waren es nur 39 Prozent.

Es handelt sich vor allem um Basislösungen

Der Anteil der Lehrkräfte, deren Schulen über eine „unterstützende“ digitale Infrastruktur und eine entsprechende Strategie verfügen, hat sich verdoppelt: auf jetzt 50 beziehungsweise 61 Prozent. Gerade schulinterne Fortbildungen haben während der Pandemie massiv zugenommen.

Allerdings würde es sich bei dem Sprung vor allem um digitale Basislösungen handeln, sagte Mußmann. Er machte das unter anderem an einer Zahl fest: Nur 16 Prozent der Lehrkräfte würden gute digitale Lehrbücher einsetzen.

Insgesamt fehlte es an pädagogischen Konzepten. Ein Drittel der Befragten gibt an, bei digitalen Medien schnell an die eigenen Grenzen zu kommen.

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„Digitale Spaltung“ der Schulen

Auch eine „digitale Spaltung“ der Schulen in Deutschland sei durch den Fernunterricht der Coronazeit allenfalls etwas gemindert, aber keineswegs behoben worden. Die Umfrage zählt 12 Prozent der Schulen zu „digitalen Vorreitern“, 26 Prozent zu „digital Orientierten“, 29 Prozent zum „digitalen Durchschnitt“ und 33 Prozent zu „digitalen Nachzüglern“. Seien Schulen digital gut aufgestellt, würden Lehrkräfte das auch als „persönliche Wertschätzung“ empfinden – und Schülerinnen und Schüler natürlich dementsprechend mehr lernen.

Insgesamt offenbart die Umfrage – wenig überraschend – eine große Belastung von Lehrkräften, die Anforderungen alle unter einen Hut zu bringen. Die Soll-Arbeitszeit pro Woche überschreiten Lehrkräfte demnach im Schnitt um drei Stunden, allein durch die pandemiegetriebene Digitalisierung sei eine Stunde dazugekommen. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich gestresst, weil sie Technikprobleme lösen müssen, statt sich um ihre eigentlichen Aufgaben zu kümmern.

Die Investitionen in die digitale Infrastruktur der Schulen seien „mit aller Mühe“ ins Rollen gekommen, resümierte Mußmann. „Jetzt geht es darum, in digitale Lehrkonzepte und Köpfe zu investieren.“

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