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Der Doppelstern b Centauri (links oben) ist sechs mal so massiv wie die Sonne und so heiß, dass es nach gängiger Theorie zur Planetenentstehung eigentlich gar keinen Planeten in seiner Nähe (rechts unten) geben dürfte. Foto: European Southern Observatory/AFP
© European Southern Observatory/AFP

Entstehen Planeten ganz anders als gedacht? Ein eigentlich unmöglicher Riese

Je massiger die Sonne, umso weniger Planeten kreisen darum? Ein spektakulärer Fund widerlegt diese Annahme von Astronomen zur Planetenenstehung nun.

Planeten gibt es nicht nur in unserem Sonnensystem, sondern auch bei anderen Sternen. Rund 5000 solcher Exoplanete sind bislang nachgewiesen. Ein neu entdecktes Exemplar dürfte es nach bisheriger Überzeugung von Astronomen eigentlich gar nicht geben.

Ein internationales Forscherteam hat einen Riesenplaneten in einer weiten Umlaufbahn um einen massereichen Doppelstern aufgespürt. Solche Sterne sind sehr heiß, und ihre Strahlung sollte die Bildung von Planeten normalerweise verhindern. Der neu entdeckte Himmelskörper müsse daher auf andere Art und Weise entstanden sein als beispielsweise die Planeten in unserem Sonnensystem, so die Forscher im Fachblatt „Nature“.

Planeten entstehen um Sterne mit sehr unterschiedlichen Massen. Doch werden sie mehr als doppelt so massereich wie unsere Sonne, beobachten Forscher immer weniger Planeten in ihrer Umgebung. Bei Sternen mit mehr als der dreifachen Sonnenmasse hat man bislang keinen einzigen Planet gefunden. Doch die meisten Methoden, mit denen die Himmelsforscher nach Exoplaneten suchen, sind besonders empfindlich für Planeten auf sehr engen Umlaufbahnen. Daher war es bislang offen, ob es bei massereichen Sternen Planeten auf weiten Umlaufbahnen gibt.

Ein außergewöhnlicher Planet beim Doppelstern b Centauri

Markus Janson von der Universität Stockholm und sein Team haben deshalb im Rahmen des „B-Star Exoplanet Abundance“-Projekts nach Planeten in größerem Abstand um massereiche, heiße Sterne gesucht. Dazu verwendeten die Forscher „Sphere“, ein neues Zusatzgerät am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile. Es blendet das helle Licht des untersuchten Sterns aus und ermöglicht es so, wesentlich leuchtschwächere Objekte in der Umgebung zu erkennen.

So könnte der schwergewichtige Planet, der das Doppelsternsystem b Centauri umkreist, aussehen. Illustration: ESO/L. Calçada Vergrößern
So könnte der schwergewichtige Planet, der das Doppelsternsystem b Centauri umkreist, aussehen. © Illustration: ESO/L. Calçada

Bei dem 325 Lichtjahre entfernten Doppelstern b Centauri wurden die Wissenschaftler fündig: Sie stießen auf einen Planeten mit der elffachen Masse Jupiters, der sich auf einer Bahn bewegt, die etwa hundert Mal weiter von seinem Stern entfernt ist als Jupiter von der Sonne. Die Gesamtmasse von b Centauri liegt zwischen 6 und 10 Sonnenmassen – also deutlich über dem bisherigen Limit. Der Hauptstern des Systems ist dreimal so heiß wie unsere Sonne und sendet daher große Mengen an ultravioletter und Röntgenstrahlung aus.

„Solche Sterne gelten als ziemlich zerstörerische und gefährliche Umgebungen“, so Janson und seine Kollegen. „Deshalb ging man bislang davon aus, dass die Entstehung großer Planeten dort äußerst schwierig ist.“

Bislang dachten Astronomen, dass Planeten aus rotierenden Scheiben aus Gas und Staub entstehen, die sich um junge Sterne bilden. Doch bei heißen Sternen wie b Centauri zerstört die Strahlung des Sterns die Scheibe viel zu schnell für diesen Prozess.

Möglicherweise gab es in der großen Gaswolke, aus der b Centauri sich gebildet hat, jedoch eine zusätzliche dichte Region, aus der der Planet entstehen konnte, spekulieren Janson und seine Kollegen. „Es wird eine faszinierende Aufgabe sein, zu erforschen, wie sich dieser Planet gebildet hat“, so Janson. Denn das sei momentan noch ein großes Rätsel. (dpa)

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