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Scharf. Wen diese Zähne erwischten, dem tat bald kein Zahn mehr weh. Der Kleine ist, zum Größenvergleich, übrigens ein Vorfahr von T. rex. Illustration.: Univ. of Tsukuba
© Illustration.: Univ. of Tsukuba

Ein Raub-Dino, der die Ahnen von T. rex überragte Das große Großmaul aus dem Schrank

Das geht alles seinen sozialistischen Gang: Ein in den achtziger Jahren von Forschern der Sowjetunion ausgegrabenes Fossil gibt erst jetzt sein Geheimnis preis.

Es ist nur ein Kiefer. Aber der ist groß. Paläontologen haben den Knochen in der Kysylkum – einer Sand- und Kieswüste in Usbekistan – gefunden. Oder besser gesagt: im Schrank. In einem solchen lag das Stück jedenfalls seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, einst ausgebuddelt von Sowjet-Paläontologen.

Jetzt wiederentdeckt, ist es auf ein Alter von etwa 90 Millionen Jahren datiert worden – und gilt als bedeutender Fund.

Scharfzahnechse

Das Tier, zu dem der Kieferknochen gehört, war nach Angaben der beteiligten Forscherinnen und Forscher ein Carcharodontosaurier, was so viel wie „Scharfzahnechse“ bedeutet.

Die namensgebende Gattung Carcharodontosaurus ist bisher vor allem aus noch ein paar Millionen Jahre älteren Funden in Afrika bekannt. Im Fachjournal „Royal Society Open Science“ stellt das aus japanischen, kanadischen und usbekischen Forscherinnen und Forschern bestehende Team die neu entdeckte Art namens Ulughbegsaurus uzbekistanensis jetzt vor.

Der Top-Prädator

Obwohl bislang nur dieser eine Knochen gefunden wurde, sind allein aufgrund seiner Größe und Details – und per Abgleich mit bekannten Carcharodontosauriern – viele Rückschlüsse möglich. Das Individuum dürfte etwa acht Meter lang gewesen sein. In ihrem Ökosystem seien die Tiere zu ihrer Zeit wohl mit Abstand die größten Räuber gewesen, heißt es in dem Fachartikel.

Interessant ist auch, dass dort zeitgleich andere, deutlich kleinere Raubsaurier lebten. Es waren Mitglieder einer Tiergruppe namens „Tyrannosauroiden“. Aus einer dieser Arten entwickelte sich später der populär wohl bekannteste Dinosaurier überhaupt: T. rex. Und die bis dahin dominierenden Räuber verschwanden.

Wachablösung

Wie diese Wachablösung an der Spitze der Dino-Nahrungskette ablief, wie und warum Tyrannosaurier also die ökologische Nische dieser ihnen lange Zeit weit überlegenen Scharfzahnechsen übernahmen, ist eine Frage, die Paläontologen schon lange interessiert.

Darla Zelenitsky von der University of Calgary und ihre Kolleginnen und Kollegen glauben, dass der jetzige Fund hier eine wichtige Rolle spielen kann. Jedenfalls ist er die jüngste je im eurasischen Gebiet gefundene Carcharodontosaurier-Art. Und die Erwartung, in der als extrem fossilienreich bekannten Bissekty-Formation in der Kysylkum weitere aufschlussreiche Funde machen zu können, ist groß.

Reißen oder Beißen

Die jetzt identifizierte Art habe „mit klingenartigen Zähnen zerfetzende Bisse“ setzen können, „während T. rex’ Kiefer eher dafür gemacht waren, Knochen zu zertrümmern“, sagte Zelenitsky der Zeitung „Calgary Sun“.

Die Entdeckung zeige, „dass Carcharodontosaurier vor 90 Millionen Jahren noch die vorherrschenden Raubtiere in Asien waren“, zitiert das Magazin „Life Science“ das Teammitglied Kohei Tanaka von der University of Tsukuba in Japan.

Für Zelenitsky ist der Fund dieses Top-Räubers vor allem eine wichtige Vervollständigung des Bildes der regionalen Dino-Ökologie im Zeitraum vor der finalen Blüte der Riesenechsen – und ihrem Aussterben vor 66 Millionen Jahren. Auch Forscher, die an der Studie nicht beteiligt waren, teilen die Einschätzung. Peter Makovicky von der University of Minnesota sagte gegenüber „Life Science“, er „denke, dass dieser Knochen so groß ist, dass es ein sehr großer Raubdinosaurier und sehr wahrscheinlich der Spitzenräuber in seinem Ökosystem war“.

Aufstieg und Fall

Soweit es die Fossilien bislang vermuten lassen, war vielleicht schon eine Million Jahre nach der Phase, in der Ulughbegsaurus lebte, die große Zeit der großen Scharfzahnechsen vorbei. Warum, weiß niemand. Als wahrscheinlich gelten ökologische Veränderungen, die es den Großräubern immer schwerer machten, genügend zu fressen zu erbeuten. Sicher ist nur, dass aus ihrem Schatten dann unter anderem – und bald sehr erfolgreich – die Vorfahren von Tyrannosaurus rex traten. T. rex selbst erreichte dann auch wieder die Größe der bislang längsten bekannten Carcharodontosaurier: von der Nasen- bis zur Schwanzspitze etwa 13 Meter.

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