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Physiotherapiestudierende üben in einer Hochschule an einer Patientin, die sich als Freiwillige zur Verfügung gestellt hat. Foto: imago/Rainer Weisflog
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Duales Studium wächst Gute Jobperspektiven, ausbaufähiger Praxisanteil

Ein dualer Studiengang ist eine gute Alternative zur rein betrieblichen Berufsausbildung. Wo Stärken und Schwächen liegen, zeigt eine neue Studie.

Ausgerechnet bei der Qualität der Praxisphasen in den Unternehmen muss das Duale Studium noch besser werden. Diese Forderung, die Forschende aus der bislang umfangreichsten Standortbestimmung des Dualen Studiums in Deutschland ableiten, betrifft das Herzstück der in den 1970er Jahren eingeführten Studienform.

Die "gute berufliche Perspektive", nach einem Studium zumeist an einer Fachhochschule, das mit einer Berufsausbildung oder mit umfangreichen Praxisphasen in einem Betrieb verbunden ist, nennen drei Viertel der befragten Studierenden als sehr wichtigen Entscheidungsgrund für ein duales Programm. Gleichwohl hat ein Viertel von ihnen schon einmal über einen Wechsel des Unternehmens oder des Studiengangs nachgedacht.

Für die Studie des CHE Centrums für Hochschulentwicklung und des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurden von Oktober 2020 bis April 2022 rund 3500 Studierende befragt.

Verbesserungsbedürftig sei insbesondere die Theorie-Praxis-Verzahnung im Dualen Studium, erklärt Sigrun Nickel, eine der beiden Projektleiterinnen der Studie. "Hier kommt auch den betrieblichen Ausbildungs- und Studienplänen ein hoher Stellenwert zu", so die Leiterin Hochschulforschung beim CHE.

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Gefordert sind also vor allem die Unternehmen, die sich schließlich auch viel von den dual Studierenden versprechen - und bereits großen Wert auf die Praxisnähe des Studiums legen (78,7 Prozent). Die Befragung von rund 1700 Unternehmensbeteiligten ergab, dass sie sich an solchen Programmen beteiligen, weil sie potenzielle Mitarbeitende frühzeitig an sich binden können (67,2 Prozent) und entsprechend einen großen Vorteil in der betrieblichen Einarbeitung der Studierenden bereits vor dem Studienabschluss sehen (65,6 Prozent).

Studierendenanteil in Berlin bei 6,8 Prozent

Wie ausbaufähig das Duale Studium in Deutschland noch ist, zeigen auch diese Zahlen: Zwar studierten 2019 mit 122.000 Personen bundesweit vier Mal so viele wie 2004 gleichzeitig an Hochschulen und in Betrieben. Der Anteil der rund 2000 dualen Studiengänge macht mittlerweile 18,1 Prozent der Studienangebote im Bachelorbereich aus (und 9,6 Prozent im Master).

Balkendiagramme für 16 Bundesländer, führend ist das Saarland, Schlusslicht ist Bremen. Foto: dpa/Grafik: J. Reschke, Redaktion: J. Schneider Vergrößern
Eine Grafik zu Studierendenanteilen im dualen Studium in Deutschland. © dpa/Grafik: J. Reschke, Redaktion: J. Schneider

Weil es sich jedoch zumeist um kleine Programme mit vergleichsweise wenigen Studierenden handelt, liegt ihr Anteil an der bundesweiten Studierendenschaft im Schnitt bei nur 4,2 Prozent (Erstsemesteranteil: 4,6 Prozent). Dabei ermittelten CHE und f-bb große regionale Unterschiede: Im Saarland sind fast 30 Prozent der Studierenden in einem dualen Studiengang eingeschrieben, in Bayern sind es nur 2,6 Prozent und in Bremen sogar nur 0,6 Prozent.

[Lesen Sie auch unseren Bericht über eine DZHW-Studie von 2018: Dual Studierende bringen gute Noten mit. Ein aktuelles Beispiel für den geplanten Ausbau dualer Studiengänge in Berlin finden Sie hier]

Berlin liegt mit einem Anteil von 6,8 Prozent im bundesweiten Vergleich der Studierendenanteile auf Platz drei. Führend ist hier die Fächergruppe der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit einem dualen Anteil von 26,7, Prozent, gefolgt von den Gesundheitswissenschaften mit 12,4 Prozent.

Potenziale für mehr duale Studiengebote sehen die Autor:innen von CHE und f-bb etwa im Bereich Gesundheit und Pflege. "Der sich abzeichnende Bedarf an Fachkräften in diesem Bereich könnte durch vermehrte Angebote des dualen Studiums in dieser Fachrichtung teilweise gedeckt werden", heißt es.

Kritik gibt es auch an der vertraglichen Absicherung und an der sozialen Situation dual Studierender. Ihre Vergütung ist höchst unterschiedlich geregelt: Im Schnitt erhalten sie von den kooperierenden Unternehmen monatlich 1018 Euro. Im Saarland, wo tatsächlich von einem Boom des dualen Studiums gesprochen werden kann, sind es aber nur 627 Euro (Stand 2021).

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