Christian Drosten, Virologe vom Berliner Universitätsklinikum Charité. Foto: Tobias Schwarz/AFP
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Drosten-Studie überarbeitet Neue statistische Auswertung bestätigt alten Verdacht

Eine Studie des Teams um den Virologen Christian Drosten zur Coronavirus-Belastung von Kindern war wegen statistischer Fehler kritisiert worden. Nun gibt es eine neue Version.

Der entscheidende Satz steht am Ende der Zusammenfassung: „Insbesondere ergibt die vorliegende Studie keine Belege für die Annahme, dass Kinder möglicherweise nicht so ansteckend sind wie Erwachsene.“

Dies schreibt das Team um den Berliner Virologen Christian Drosten in einer aktualisierten Vorabversion einer Studie, die auf einem Preprint-Server einsehbar ist.

Am Punkt der Infektiösität von Kindern hatte sich eine Debatte um die vorherige Version der Studie entzündet, die ebenfalls vorab veröffentlicht worden war: Drostens Team von der Berliner Charité hatte darin Vorsicht bei der vollständigen Öffnung von Schulen und Kitas angemahnt, da „Kinder so ansteckend sein könnten, wie Erwachsene“ – so die vorherige Version.

Der Vergleich der Virenlast von Patienten in unterschiedlichen Altersgruppen sei jedoch fehlerhaft und daher rechtfertige die Studie diese Aussage nicht. „Spätestens eine Woche nach der Veröffentlichung war in der Fachwelt klar, dass Drosten sich geirrt hatte“, schrieb der Biochemiker Alexander Kekulé in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel.

Keine oder nur geringe Unterschiede

Die neue statistische Analyse liefert jedoch erneut Hinweise auf eine erhebliche Virenlast bei Kindern.

[Mehr zum Thema: Was man zur Debatte um die Drosten-Studie wissen sollte – die wichtigsten Fragen und Antworten]

„Wir kommen zu dem Schluss, dass ein beträchtlicher Prozentsatz der Infizierten in allen Altersgruppen, einschließlich von Patienten die nur milde oder noch gar keine Symptome zeigen, eine Viruslast trägt, die wahrscheinlich bedeutet dass sie ansteckend sind“, schreibt das Forscherteam, das seit der ersten Version um den Statistiker Guido Biele von der norwegischen Gesundheitsbehörde erweitert wurde.

Hintergründe zum Streit zwischen "Bild" und Drosten:

Die Forschenden haben die Patienten in drei Altersgruppen eingeteilt und verglichen, wie viel Virus in Rachenabstrichen nachgewiesen worden war. Anders als in der ersten Version werden nun die Befunde der Altersgruppe null bis neun Jahre den Befunden der Altersgruppe zehn bis 99 Jahre gegenübergestellt. Weitere Vergleiche sind null bis neun Jahre gegenüber 19 bis 99 Jahre und null bis 19 Jahre gegenüber 20 bis 99 Jahre.

Kinder und Corona: Auf dem Spielplatz einer Kita markieren Absperrbänder den Abstand zwischen Untergruppen. Foto: dpa Vergrößern
Kinder und Corona: Auf dem Spielplatz einer Kita markieren Absperrbänder den Abstand zwischen Untergruppen. © dpa

Ergebnis: Zwar liefern zwei unterschiedliche Verfahren zum Nachweis der Virenlast in Rachenabstrichen unterschiedliche Ergebnisse für die verschiedenen Altersgruppen, aber es können keine großen Unterschiede nachgewiesen werden. Die Auswertung der Ergebnisse eines vor allem zu Beginn der Testphase eingesetzten Tests zeigt keine Unterschiede.

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Ein ab Mitte März häufiger eingesetztes Verfahren deutet auf eine geringfügig höhere Virenlast bei älteren Patienten. Dies könne aber auch auf den Einsatz der Testverfahren zurückzuführen sein, vermutet Drostens Team. Zu Beginn der Pandemie wurden mehr symptomfreie Kontaktpersonen von Infizierten getestet, später wurde dies eingeschränkt.

Kritik berücksichtigt

Zudem haben sie eine Regressionsanalyse durchgeführt, wie der Statistiker Jörg Stoye von der Cornell University in den USA empfohlen hatte. Darin wird berechnet, wie gut die Virenlast anhand der Daten auf das Alter bezogen werden kann. „Überzeugende Neuanalyse, die meine Bedenken zu statistischer Methodik vollständig ausräumt“, twitterte Stoye am heutigen Mittwoch.

Dominik Liebl, Statistiker von der Universität Bonn, hatte die erste Version der Studie ebenfalls kritisiert. Er twitterte: „Die Statistik wurde deutlich verbessert. Drosten und sein Team haben die Kritik berücksichtigt.“

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