Ur-Haschpfeife. Den Analysen zufolge müssen die Menschen im Pamir-Gebirge schon vor 2500 Jahren Cannabinoid-reichen Hanf in hölzernen, mit Kieselsteinen versehenen Gefäßen verbrannt haben. Foto: Xinhua Wu
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Droge vom Dach der Welt Älteste Haschpfeifen auf 3000 Metern Höhe entdeckt

Aus den Gräbern eines 2500 Jahre alten Friedhofs im Pamirgebirge haben Archäologen Räuchergefäße geborgen. Sie enthalten Spuren Cannabinoid-reichen Hanfs.

Schon vor etwa 2500 Jahren haben Menschen im Pamir-Gebirge Haschisch geraucht. Das schließen Nicole Boivin, Robert Spengler und Yimin Yang vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und ihre Kollegen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking aus dem Fund eines Räuchergefäßes, in dem sie Reste von Cannabis nachweisen konnten.

Kein gewöhnlicher Hanf, sondern auf hohen Rauschmittelanteil gezüchtet

In zwei Grabungsexpeditionen untersuchten die Forscher 2013 und 2014 50 Hügelgräber des Jirzankal-Friedhofs, der in mehr als 3000 Metern Höhe in der Wüstenlandschaft am Taxkorgan-Fluss im Norden Chinas liegt und vor rund 2400 bis 2600 Jahren genutzt wurde. Sie fanden nicht nur die Überreste von Menschen, sondern auch Keramik-Gegenstände, Steinwerkzeuge, Hölzer und Woll-Textilien. In acht der Gräber befanden sich auch Gefäße aus Holz, in denen teils angekohlte Kieselsteine lagen. Um herauszubekommen, was damals in diesen Töpfchen verbrannt wurde, analysierten die Forscher Proben mit Hilfe der Gaschromatographie-Massenspektrometrie. Diese Methode liefert gewissermaßen „Fingerabdrücke“ der darin enthaltenen chemischen Verbindungen – darunter auch solche, wie sie in Hanfpflanzen vorkommen, aus deren Blüten Marihuana und aus deren Harz Haschisch gewonnen wird. Die Hanfspuren befanden sich auf den Innenseiten der Holzgefäße und im Ruß, der an den Kieselsteinen haftete.

Die Knochen in den 2400 bis 2600 Jahre alten Gräbern wiesen Spuren auf, die als Hinweis auf Menschenopfer gedeutet werden können. Welche Rolle die Wirkung von Cannabinoiden spielte, ist Spekulation. Foto: Xinhua Wu Vergrößern
Die Knochen in den 2400 bis 2600 Jahre alten Gräbern wiesen Spuren auf, die als Hinweis auf Menschenopfer gedeutet werden können. Welche Rolle die Wirkung von Cannabinoiden spielte, ist Spekulation. © Xinhua Wu

Hanf wird in Ostasien seit mehr als 6000 Jahren angebaut. Schon in der Steinzeit pressten Menschen aus den Samen Öl und nutzten die faserige Pflanze für Seile, Tücher und Kleidung. Allerdings enthält dieser Nutzhanf nur sehr geringe Mengen der „Cannabinoide“, der Stoffe, die als Arzneimittel oder als Droge verwendet werden. Für Joints taugen diese Pflanzen daher nicht. Die Max-Planck-Forscher fanden in den Räuchergefäßen des Jirzankal-Friedhofs allerdings Fingerabdrücke von deutlich größeren Cannabinoid-Mengen als sie in Nutzpflanzen für Fasern oder Hanföl normalerweise vorkommen. Offenbar hatten die Menschen im Pamir-Gebirge also bereits Pflanzen gesammelt oder angebaut, die als Psychopharmaka und als Droge verwendet werden konnten. Tatsächlich hatten Archäologen Reste solche Hanfsorten in China und im russischen Altai-Gebirge bereits zuvor in Gräbern gefunden, doch keine Spuren, die auf ein Rauchen der Pflanzenreste hingewiesen hätten.

Opferrituale mit Cannabis-Anteil

Ein Grund für die Menschen am Taxkorgan-Fluss, die Pflanze als Droge zu nutzen, könnten die extremen Lebensbedingungen in der Höhenlage des Pamir-Gebirges gewesen sein, vermuten die Forscher. Außerdem scheint der starke ultraviolette Anteil der Sonnenstrahlung dort oben die Produktion der Cannabinoide anzukurbeln. Möglicherweise wurden die Räuchergefäße auch bei Ritualen verwendet, bei denen Menschenopfer gebracht wurden. Die Archäologen fanden jedenfalls etliche Knochen mit Spuren tödlicher Verletzungen. Bei diesen Ritualen und eventuell auch bei Bestattungen könnten Haschisch und Marihuana dann verbrannt worden sein, um mit Verstorbenen oder Göttern in Verbindung zu treten.

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