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Wo man jetzt noch trockenen Fußes auf der Nordseeinsel Norderney stehen kann, könnte schon 2100 nur noch Meer sein. Bis zu 246 Meter Küstenlinie könnte sich die See dann klimawandelbedingt geholt haben. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
© Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Dramatische Küstenveränderungen durch Klimawandel Hälfte der Strände verschwindet bis 2100

Schon jetzt hat der globale Temperaturanstieg die Küste verändert. Doch bis zum Ende des Jahrhunderts könnten viele Strände verschwinden – auch in Mitteleuropa.

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten im Zuge des Klimawandels etwa die Hälfte der Sandstrände weltweit verschwinden.

Das berichten Wissenschaftler um Michalis Vousdoukas von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission in Ispra (Italien) im Fachjournal «Nature Climate Change».

Als Grundlage für ihre Prognose nahmen die Forscher die Veränderungen der Küstenlinien, die sich erkennbar auf Satellitenaufnahmen zwischen 1984 bis 2015 an vielen Stränden der Welt ergeben haben. Auf dieser Basis berechneten Vousdoukas und Kollegen die Veränderungen bis zu den Jahren 2050 und 2100.

Dabei bezogen sie sich auf zwei Entwicklungsszenarien des Weltklimarats (IPCC): Eines mit einer globalen Erwärmung von 2,6 Grad Celsius bis zum Jahr 2100, und eines mit einer Erwärmung um 4,8 Grad.

Strände weichen bis zu 246 Meter zurück bei einer Erwärmung um 4,8 Grad Celsius

Nach dem ersten Szenario könnten die Küstenlinien an den Stränden bis 2050 um 2,2 bis 79,2 Meter zurückweichen, bis 2100 um 21,7 bis 171,1 Meter. Das zweite, wärmere Szenario wäre noch dramatischer: Rückgänge bis zu 99,2 Meter (2050) und bis zu 246,9 Meter (2100).

Schon eine moderate Begrenzung der Treibhausgase könnte demzufolge das Zurückweichen der Strände um 40 Prozent reduzieren. Denn der Anstieg des Meeresspiegels ist bis 2050 für 71 bis 75 Prozent - je nach Klimaszenario - und bis 2100 für 77 bis 86 Prozent des Strandrückzugs verantwortlich.

Die Gefährdung der Strände ist allerdings weltweit sehr unterschiedlich verteilt. In einigen Regionen, wie in Ostasien oder im Nordosten Brasiliens, ist wegen geologischer Besonderheiten mit einem Zuwachs der Sandstrände zu rechnen – trotz des Meeresspiegelanstiegs.

Die am stärksten gefährdeten Sandstrände liegen demnach in Mitteleuropa, im östlichen Nordamerika, in Süd- und Westasien, Nordaustralien und auf etlichen Karibikinseln. Bis 2100 sind in Nordaustralien - je nach Szenario - 12 324 Kilometer bis 15 439 Kilometer Sandstrandküste von Erosion bedroht.

Starke Stürme könnten zusätzlich zum Schwund beitragen

Nicht in die Berechnungen eingegangen ist die Küstenerosion durch Einzelereignisse wie starke Stürme. Davon sind nach Angaben der Forscher besonders die deutsche Nordseeküste sowie die Südostküste Großbritanniens, Nord-Queensland (Australien) und Acapulco an der mexikanischen Pazifikküste betroffen.

Doch der Mensch habe Handlungsmöglichkeiten, schreiben die Forscher: «Die Erfahrung der Vergangenheit hat gezeigt, dass eine effektive standortspezifische Küstenplanung die Stranderosion mildern und letztendlich zu einer stabilen Küste führen kann. Das bekannteste Beispiel ist die niederländische Küste.» Stefan Parsch (dpa)

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