Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
In einem PCR-Labor bereitet die Leiterin an der Sicherheitswerkbank Abstrichtupfer von Patienten für die SARS-CoV-2-Diagnostik vor. Foto: dpa/Waltraud Grubitzsch
© dpa/Waltraud Grubitzsch

Update Diskriminierung vermeiden Alpha, Beta, Gamma – WHO benennt Varianten des Coronavirus neu

Virusvarianten als„britisch“, „indisch“ oder „brasilianisch“ zu benennen ist geläufig aber irreführend. Ein neues Schema soll das jetzt ändern.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt neue Bezeichnungen für die als „Besorgnis erregend“ eingestuften Varianten des Coronavirus Sars-Cov-2 und seine Varianten „von Interesse“. Dazu gehören etwa die häufig als „britisch“, „südafrikanisch“ oder „brasilianisch“ bezeichneten Mutanten.
Diese Virustypen nach den Ländern zu benennen, in denen sie zuerst nachgewiesen wurden, sei „stigmatisierend und diskriminierend“ teilte die WHO mit und forderte nationale Gesundheitsbehörden, Medien und andere auf, ein neues Benennungsschema mit „einfachen, leicht auszusprechenden und einprägsamen“ Bezeichnungen zu übernehmen.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können]

Alpha, Beta, Gamma...

Danach sollen die Buchstaben des griechischen Alphabets verwendet werden. Für die zuerst in der Grafschaft Kent im Vereinigten Königreich entdeckte und als besorgniserregend eingestufte Variante B.1.1.7 ist der erste Buchstabe des griechischen Alphabets vorgesehen: Alpha.

Es folgen „Beta“ für die zuerst in Südafrika nachgewiesene Variante B.1.351, „Gamma“ für die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1 und „Delta“ für die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2. Die Variante, die jüngst in Vietnam entdeckt wurde, stand bis Dienstag nicht auf der WHO-Liste.
Die weiteren griechischen Buchstaben vergibt die WHO auf ihrer Website für Varianten, die bislang nur unter Beobachtung stehen: „Epsilon“ für eine Variante aus den USA, „Zeta“ für eine weitere Variante, die zuerst in Brasilien beschrieben wurde, und als zehnte und bislang letzte aufgeführte Variante „Kappa“, für eine weitere in Indien beschriebene Variante. Das griechische Alphabet umfasst heute 24 Buchstaben.

[Mehr zum Thema:Angst vor Corona-Mutanten - was man jetzt über die neuen Virusvarianten wissen muss]

Als „Varianten von Interesse“ werden Virustypen eingestuft, die sich durch Mutationen von der ursprünglichen Variante unterscheiden und bei denen nachgewiesen werden konnte oder vermutet wird, dass diese Mutationen Eigenschaften des Virus verändern. Zudem müssen diese Varianten nachweislich an Ausbrüchen beteiligt sein oder in mehreren Ländern vorkommen.
Als „Besorgnis erregend“ werden solche Varianten eingestuft, wenn ihre Veränderungen „von globaler Bedeutung für die öffentliche Gesundheit“ sind. Dazu gehören Mutationen, die das Virus leichter übertragbar machen, wie es etwa für die Alpha-Variante B.1.1.7 nachgewiesen ist, die zu schwereren Verläufen der Erkrankung führen oder vor denen vorhandene Impfstoffe weniger gut schützen.

Die "Spanische" Grippe kam wohl aus den USA

Hintergrund der Initiative zur Umbenennung dieser Varianten ist, dass das Land, in dem ein neuer Virustyp erstmals beschrieben wird, nicht das Land sein muss, in dem die Variante entstanden ist. Die Abstammung der Virusvarianten lässt sich zwar genetisch zurückverfolgen, ihr Entstehungsort kann so aber nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Indem Phänomene wie Viren nach Orten benannt werden, distanzierten sich Menschen davon, sagte Nilu Ahmed, Psychologin an der Universität Bristol. „Das überträgt Schuld auf die anderen und erlaubt denen, die das Narrativ nutzen, sich als Opfer zu inszenieren.“ So etwas könne auch falsche Annahmen fördern: So sei die Spanische Grippe in den USA aufgekommen, aber erst in Spanien ausführlich dokumentiert worden.

Abstammung und Verwandtschaft unter Viren

Die neuen Bezeichnungen der WHO sollen nicht die bestehenden Namen ersetzen, die in der Forschung verwendet werden und die zum Teil auf den genetischen Eigenschaften der Varianten beruhen. Die griechischen Buchstaben sollen als leichter kommunizierbare Alternativen helfen, Falschmeldungen zu vermeiden.
Die Kombinationen von Buchstaben und Ziffern geben Informationen über die Abstammung der Virusvarianten. Der Buchstabe steht für eine Stammlinie des Virus und die durch Punkte getrennten Ziffern geben an, wie nahe die bezeichnete Variante mit ihr verwandt ist. Die Variante B.1.1.7 ist die siebte bekannte Variante der Stammlinie B.1.1, die die erste bekannte Variante der Stammlinie B.1 ist. Die Beta-Variante des Virus mit dem wissenschaftlichen Namen B.1.351 ist die 351. bekannte Variante der Stammlinie B.1. (mit dpa)

Zur Startseite