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Menschen tragen Maske in der Innenstadt, Symbolbild. (Archivbild, 13.10.2020) Foto: C. Hardt/imago images/Future Image
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„Den schwedischen Weg gewählt“ Experte spricht von „unkontrollierter Durchseuchung“ in Sachsen

In Sachsen rasen die Infektionszahlen in die Höhe. Das erinnert an den Pandemieverlauf in Schweden. Doch in Sachsen ist die Lage viel dramatischer.

Im Freistaat Sachsen haben sich nach offiziellen Angaben mehr als 400.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Im Dezember könnte die Marke von 500.000 überschritten werden. Trotz der Corona-Maßnahmen scheint das Infektionsgeschehen in Sachsen unaufhaltsam noch dramatischer zu werden.

„Sachsen hat durch die Tatenlosigkeit der letzten Monate im Prinzip nachträglich den schwedischen Weg gewählt“, sagte der Epidemiologe Markus Scholz von der Uni Leipzig der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ).

In Schweden infizierten sich mehr als eine Million Einwohner:innen. Schutzmaßnahmen waren lax, man setzte auf Freiwilligkeit. Die Dunkelziffer der Infektionen liegt in dem Land wahrscheinlich höher, denn ausreichende und flächendeckende Testangebote gab es erst im September 2020. Etwa zehn Prozent der Schwed:innen waren infiziert, das Durchrauschen der Pandemie-Welle hatte eine höhere Todesstatistik als in Deutschland zur Folge.

Im direkten Vergleich der sächsischen Zahlen mit der schwedischen Corona-Statistik fällt auf, dass der Anteil der Infizierten in Sachsen auch bei mehr als zehn Prozent beträgt.

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Scholz und sein Team prognostizieren in der „LVZ“ für Dezember eine 1.800er-Inzidenz in Sachsen – derzeit Zeit liegt sie bei 969. In Schweden liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 73,5, im ganzen Land sind 22 Covid-19 Patient:innen auf der Intensivstation (Stand vom Mittwoch).

Schweden glänzt im Gegensatz zu Sachsen mit seiner Impfquote: 82 Prozent der über 16-Jährigen sind geimpft, bald werden es 85 Prozent sein. Bei den über 60-Jährigen sind mehr als 90 Prozent vollständig geimpft. Von Impfmüdigkeit ist in Schweden nichts zu spüren.

Sachsen dagegen meldet auch beim Impfen einen traurigen bundesweiten Rekord. Mit 57,8 Prozent ist das Bundesland das Schlusslicht im Impfquoten-Ranking. 533 Covid-19 Patient:innen brauchen in Sachsen intensivmedizinische Betreuung.

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Der Epidemiologe Scholz warnt vor den Folgen des Infektionsverlaufs. „Selbst bei einem optimalem Verlauf der Boosterkampagne und deutlicher Erhöhung der Impfquote rechnen wir noch mit mindestens 2.500 weiteren Todesopfern in Sachsen. Die Zahl könnte noch deutlich höher ausfallen, wenn die Boosterkampagne nicht sehr schnell realisiert werden kann oder die Impfquote stagniert.“

Beschränkungen in Gastronomie und bei Veranstaltung beurteilt Scholz als wenig aussichtsreich: „Die jetzt ergriffenen Maßnahmen zur Kontaktreduktion ändern an diesem Szenario wenig, da deren Effekt erwartbar klein ist und voraussichtlich nicht zu einer wesentlichen Reduktion des Infektionsgeschehens beiträgt – erst recht nicht in kurzer Zeit“, sagte er der „LVZ“. „Bei derart hohen Zahlen wären kurzfristige Effekte nur bei einem totalen Lockdown zu erwarten.“

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