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Der Berliner Virologe Christian Drosten mahnt, dass die Corona-Notbremse allein nicht ausreicht. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Charité-Virologe Drosten ist sich sicher „Wir werden um einen ernsthaften Lockdown nicht herumkommen“

Noch könne eine dramatische Entwicklung wie in London oder Paris hierzulande abgewendet werden, sagt Drosten. Dazu sei nicht nur politisches Handeln notwendig.

Charité-Virologe Christian Drosten sieht noch die Chance, eine Entwicklung wie in London oder Paris in Deutschland abzuwenden. „Dazu ist jetzt aber politisches Handeln und auch die Unterstützung möglichst vieler Menschen notwendig“, sagte Drosten dem „Spiegel“. Allerdings hält er deutlich strengere Maßnahmen in der Corona-Pandemie dafür unausweichlich. 

„Wir werden um einen ernsthaften Lockdown nicht herumkommen“, so Drosten. Man habe eben in London oder Paris gesehen, dass ein Teil-Lockdown mit abgestuftem Maßnahmenkatalog gegen diese aggressivere Variante nicht durchgreife, so der Leiter der Virologie an der Charité. „Die Inzidenz ist dort immer weiter gestiegen wie auch die Zahl der schweren und oft auch tödlichen Krankheitsverläufe.“

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Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis, berichtet von Kollegen aus Paris, dass dort auf den Intensivstationen mittlerweile Personal eingesetzt werden müsse, das gar nicht dafür ausgebildet sei - weil es inzwischen so viele Covid-19-Patienten gebe. Der normale OP-Betrieb sei weitgehend eingestellt. „Und die Ärzte bereiten sich ernsthaft auf eine Triage vor“, so Karagiannidis im „Spiegel“.

Vor wenigen Tagen hatte Drosten im Podcast „Coronavirus-Update“ im NDR bereits gesagt, dass Deutschland viele Gelegenheiten verpasst habe, die Werkzeuge zu optimieren. „Ich habe das Gefühl, dass wir eigentlich im Moment immer noch die gleichen Werkzeuge benutzen müssen, die wir schon in der ersten Welle benutzt haben“, sagte Drosten. Es bleibe nur noch der Holzhammer, der Lockdown.

„Es ist klar, es müssen die Kontakte reduziert werden.“ Dazu zählten der Privatbereich, der Erziehungs- und Bildungsbereich sowie die Arbeitsstätten. „Da gibt es viele wissenschaftliche Beiträge, die jetzt auch auf Deutschland bezogen sind.“ Es sei falsch, wenn gesagt werde, man wisse ja noch gar nicht, wo das Virus übertragen wird. (Tsp)

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