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Das Bettenhaus der Charité in Berlin Mitte. Foto: picture alliance / Jens Kalaene/
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Berliner Institut für Gesundheitsforschung Das BIG soll in die Charité integriert werden

Richtungswechsel am Berliner Institut für Gesundheitsforschung: Das Prestieprojekt der Berliner Wissenschaft soll komplett in die Charité integriert werden.

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) ist eines der Prestigeprojekte der Berliner Wissenschaft. Eine „Einrichtung von Weltrang“ soll es werden, wie die damalige Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan sagte, als das Institut im Jahr 2012 angeschoben wurde. Der Bund fördert das BIG mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Doch der Aufbau ging seitdem nicht gerade reibungslos voran. Im vergangenen Jahr stürzte der Wechsel des damaligen Vorstandsvorsitzenden nach Potsdam das Institut in eine Krise. Es gab Konflikte um die inhaltliche Ausrichtung. Das BIG sowie die Charité und das Max-Delbrück-Centrum, die das Institut gemeinsam tragen, sollen sich in zentralen Fragen uneins gewesen sein.

Nun wird es offenbar einen radikalen Neuanfang für das BIG geben. Es soll in die Charité eingegliedert werden, um die komplizierte Struktur des Instituts zu entschlacken. Das empfiehlt nicht nur ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PWC), das die Integration als "Vorzugsmodell" bezeichnet. Eine entsprechende Neuordnung hat auch der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am vergangenen Freitag in die Wege geleitet. „Der Aufsichtsrat bittet die Zuwendungsgeber, die Möglichkeit einer Integration in die Charité strukturell und inhaltlich zu konkretisieren“, heißt es in der dort verabschiedeten Beschlussvorlage, die dem Tagesspiegel vorliegt. Ein entsprechender Entwurf einer Verwaltungsvereinbarung soll bis zur kommenden Aufsichtsratssitzung vorgelegt werden. Darüber hatte zuerst der Bildungsjournalist Jan-Martin Wiarda auf seinem Blog berichtet.

Bundesministerin Karliczek will eine weitere Option prüfen lassen

Ganz sicher ist der Plan allerdings noch nicht: Auf Drängen von Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek soll parallel auch eine Entkopplung des Instituts von Charité und MDC geprüft werden. Beide Vorschläge, Integration und Entkopplung, wurden vom Aufsichtsrat einstimmig angenommen.

Dem Vernehmen nach bevorzugt der Vorstand des BIG aber eine Vollintegration, wie sie auch von den Wirtschaftsprüfern in ihrem mehr als 300-seitigen Gutachten empfohlen wird. Eine Vollintegration des BIG war zwischen dem Bund, der 90 Prozent der Mittel zahlt, und dem Land Berlin, dem Vernehmen nach auch schon weitgehend verhandelt worden. Doch offenbar setzte Karliczek eine weitere Option in den letzten Tagen vor der Aufsichtsratssitzung ebenfalls auf die Tagesordnung.

Sollte das BIG vollständig in die Charité eingegliedert werden, dürfe es auf jeden Fall einen eigenen Vorstand und einen eigenen Finanzplan behalten – schon allein um Sorgen des Bundes zu zerstreuen, die Charité könnte BIG-Mittel zweckentfremden. Der Bund soll im Gegenzug einen Sitz im Aufsichtsrat der Charité erhalten. Es wäre das erste Mal, dass der Bund diese Rolle in einer Landeseinrichtung übernimmt. Das Max-Delbrück-Centrum würde künftig zwar nicht komplett außen vor sein. Seine Rolle soll aber auf eine „privilegierte Partnerschaft“ reduziert werden, wie es in dem Aufsichtsratsbeschluss heißt.

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