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Heyo Kroemer, der neue Vorstandsvorsitzende der Charité. Foto: imago/spfimages
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Aufsichtsrat entscheidet einstimmig Heyo Kroemer wird neuer Chef der Charité

Der Pharmakologe übernimmt im September 2019 den Vorstandsvorsitz und soll Berlin zum europaweit führenden Gesundheitsstandort machen.

Der Pharmakologe Heyo Kroemer, noch Chef der Universitätsmedizin in Göttingen, wird neuer Vorstandsvorsitzender der Charité. Das gab der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller am Montag nach einem einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrats bekannt. Kroemer folgt auf den 71-jährigen Neurologen Karl Max Einhäupl, der seinen Posten nach mehr als zehn Jahren an der Spitze im kommenden Jahr räumen wird.

Der 58-jährige Kroemer war der Wunschkandidat von Michael Müller und wurde bereits im August einstimmig von der Auswahlkommission für den Posten vorgeschlagen. Nachdem die Verhandlungen abgeschlossen waren, galt die Zustimmung des Aufsichtsrats, dem neben Müller unter anderem auch Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) angehört, nur noch als Formsache. Kroemer soll die Leitung der Charité im September 2019 übernehmen. "Ich freue mich über das Vertrauen, das mir der Aufsichtsrat entgegengebracht hat", sagte Kroemer dem Tagesspiegel. Gleichzeitig habe er Respekt vor der Aufgabe, die Charité zu leiten: "Natürlich stehe ich beeindruckt vor dem, was hier bisher geleistet wurde."

Als Dekan und Vorsitzender der Universitätsmedizin Göttingen hatte sich Kroemer bei der niedersächsischen Landesregierung für Millioneninvestitionen eingesetzt. Die dortige Uniklinik wird nächstes Jahr massiv ausgebaut. Bis zuletzt hatte man versucht, ihn in Göttingen zu halten. Umso größer ist die Freude in Berlin, dass es gelang, ihn in die Hauptstadt zu holen. "Herr Kroemer hat bundesweit eine hervorragende Reputation und ist bestens vernetzt", sagte Michael Müller dem Tagesspiegel. "Wir wollten die besten Persönlichkeit für den Vorstandsvorsitz gewinnen, das ist uns auch gelungen. Wir sind überzeugt, dass er die Charité genauso erfolgreich leitet wie Karl Max Einhäupl in den vergangenen zehn Jahren."

Berlin soll bis 2030 bei Gesundheit europaweit führen

Der Berliner Senat erwartet von Kroemer nun die Weiterentwicklung des strategischen Gesamtkonzepts. Dieses soll die Charité enger mit dem bundesweit größten kommunalen Krankenhauskonzern Vivantes verbinden sowie das Deutsche Herzzentrum und das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) in die Charité integrieren. "Das ist keine leichte Aufgabe, aber die Voraussetzungen sind gut", sagte Müller. Denn nach Jahren mit Sparrunden bekomme die Charité inzwischen jährlich um 3,5 Prozent steigende Mittel. Außerdem verweist Müller auf die stark steigenden Zuschüsse für Bau und Sanierung. Nicht zuletzt würde das BIG zur weiteren Stärkung der Forschung beitragen.

Das große Ziel des Senats ist es, Berlin bis zum Jahr 2030 zum führenden Gesundheitsstandort in Europa zu entwickeln. Darüber, wie das gelingen soll, hat Kroemer schon seit einem halben Jahr nachgedacht: Er ist stellvertretender Leiter der Zukunftskommission "Gesundheitsstadt Berlin 2030", die im Auftrag des Senats im Januar ein Konzept vorlegen soll. Die Leitung hat der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach inne. Die Kommission soll Empfehlungen dafür abgeben, welche Forschungs- und Versorgungsschwerpunkte in der boomenden Gesundheitsbranche sinnvoll sind und wie sich Hochschulen, Krankenhäuser und Firmen besser vernetzen können.
Über seine Pläne für die Charité hält sich Kroemer noch bedeckt. Eine generelle Aufgabe sei es, "einen Beitrag zu dem schnellen medizinischen Fortschritt in fast allen Fächern zu leisten", sagt Kroember. Außerdem müsse sich die Charité den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen: Dazu gehört die wachsende Zahl älterer Patienten wie auch der Fachkräftemangel. Konkret äußern will Kroemer sich aber erst, wenn er vor Ort ist und sich intensiv mit der Charité beschäftigt hat.

Die Aufregung um seine Person mag er nicht

Angst, dass die Aufgabe zu groß für ihn sein könnte, hat Kroemer aber nicht: "Wenn man Angst vor so etwas hat, dann lässt man es besser bleiben. Ich glaube, dass man mit Respekt, Bescheidenheit und der Einstellung, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, an die Aufgabe gehen sollte", sagt er. Er sei froh, wenn die Aufregung um seine Person wieder etwas abflaue und er sich den Sachfragen widmen könne. An die Aufregung könnte er sich allerdings gewöhnen müssen, schließlich wird er als Chef einer der größten Unikliniken Europas medial viel stärker als in Göttingen im Fokus stehen.

Kroemer hat in Braunschweig Pharmazie studiert. Bevor er die Leitung der Göttinger Klinik übernahm, arbeitete er 14 Jahre als Professor an der Universität Greifswald. Sein Forschungsinteresse galt vor allem Transportprozessen und Wechselwirkungen von Arzneimitteln im Körper. Außerdem ist ihm die Digitalisierung ein Herzensthema: "Medizintechnologie und Digitalisierung werden in den nächsten Jahren Schlüsselaktivitäten sein", sagt Kroemer. In diesem Jahr wurde er in die Akademie der Wissenschaften Leopoldina berufen. Neben seiner Funktion in Göttingen ist er Präsident des Medizinischen Fakultätentags.

Kroemer ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Auf Berlin freut er sich sehr, sagt er: "Es ist einfach eine tolle Stadt.“ Eine Wohnung muss er zwar noch finden, aber zumindest kulinarisch hat sich der neue Charité-Chef schon auf die Hauptstadt eingestellt: Als er fürs Gespräch mit dem Tagesspiegel ans Telefon geht, steht er gerade in der Kantine und kauft sich eine Currywurst.

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