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Das Erfolgsrezept für hohe digitale Kompetenz der Schüler war gesucht. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Auch Lehrer müssen digital fit sein Was Schulen für eine gute Digitalisierung brauchen

Für eine aktuelle Studie wurde untersucht, warum auch an einigen nicht-gymnasialen Schulen die Digitalisierung ein Erfolg ist. 

Deutschland liegt laut der Pisa-Sonderstudie in Sachen digitale Schule weit hinten. Es fehlt nicht nur an der technischen Ausstattung, sondern auch an Weiterbildung für die Lehrer und einer inhaltlichen Begleitung der Digitalisierung im Schulunterricht, sagen Bildungsexpertinnen und -experten.

Bei der Ausstattung mit Geräten, Geschwindigkeit des Internets, der Lernsoftware und der technischen Unterstützung für Lehrkräfte liegt Deutschland unterhalb des OECD-Schnitts. Daher bräuchten die Schulen unbürokratisch und schnell eine digitale Grundausstattung. Allerdings sehen Bildungsforscher die Coronakrise als Schub für den nur zögerlich angelaufenen Digitalpakt Schule.

Eine aktuelle Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung hat nun den Versuch unternommen, die Erfolgsrezepte von Schulen herauszuarbeiten, an denen die Digitalisierung vorbildlich läuft. Birgit Eickelmann und Kerstin Drossel von der Universität Paderborn haben auf Basis der Daten der ICLIS-Studie von 2018 die Untersuchung zum digitalen Potenzial erstellt.

Untersucht wurden nicht-gymnasiale Schulen, deren Schüler der achten Klassen über ein überdurchschnittlich hohes Niveau an Digitalkompetenzen verfügen –  sogenannte digitalen Optimalschulen.

An deutschen Gymnasien verfügen Schüler über höhere Digitalkompetenzen als Gleichaltrige an den anderen Schulen. An etwa jedem zehnten Nicht-Gymnasium sieht das aber anders aus: Hier gibt es ein überdurchschnittliches Maß an digitaler Kompetenz.

Reflektierter Einsatz digitaler Medien

Die Expertinnen für Schulpädagogik Eickelmann und Drossel erklären nun auf Grundlage ihrer Untersuchung, wie das erreicht wird. Eine wichtige Erkenntnisse dabei ist, dass an diesen Schulen technische Ausstattung, Fortbildungen des Kollegiums sowie der reflektierte didaktische Einsatz digitaler Medien im Unterricht Hand in Hand gehen. Die Forscherinnen sehen das als eins der Erfolgsrezepte.

Technisch sind diese digitalen Optimalschulen zwar nicht besser ausgestattet als andere Schulen. Aber die Ausstattungskonzepte scheinen besser auf die pädagogischen Bedarfe zu passen und werden durch Lehrkräfte effektiver und vielfältiger genutzt, so die Wissenschaftlerinnen. 62 Prozent der Lehrkräfte an digitalen Optimalschulen gaben an, dass ihre Schule über ausreichende und pädagogisch passende IT-Ausstattung verfügt. Im Durchschnitt aller Schulen waren das nur 47 Prozent.

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Wichtig für den digitalen Erfolg ist laut der Studie auch, dass die Lehrerinnen und Lehrer an digitalen Optimalschulen digitale Medien häufiger zum Präsentieren von Informationen im Frontalunterricht (69 Prozent gegenüber 44 Prozent im Durchschnitt) oder zur Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler oder kleinerer Gruppen (24  Prozent gegenüber 15 Prozent im Durchschnitt) nutzen.

Fähigkeiten gezielt weiterentwickeln

Zudem würden Lehrkräfte an den digitalen Optimalschulen ihre Fähigkeiten für den Einsatz von digitalen Technologien besonders intensiv und gezielt weiterentwickeln: 48 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer hatte sich bereits vor der Erhebung der ICILS-2018-Studie fachdidaktisch weitergebildet – im Durchschnitt aller Schulen in Deutschland sind das nur 31 Prozent. 

„Der direkte Bezug der Weiterbildung zum (Fach-)Unterricht ist hier ein wichtiger Erfolgsfaktor“, heißt es in der Untersuchung.  „Die digitalen Optimalschulen zeigen, dass es auch nicht-gymnasialen Schulen gelingen kann, im innerdeutschen und auch im internationalen Vergleich mitzuhalten“, sagte Birgit Eickelmann zu den Ergebnissen der Studie.

Bemerkenswert ist zudem, dass den Ergebnissen nach an digitalen Optimalschulen die seit langem im deutschen Bildungssystem festzumachenden Ungleichheiten kein Thema ist. Der Studie nach gibt es an diesen Schulen keine signifikanten Leistungsunterschiede in den digitalen Kompetenzen nach Geschlecht, Migrationshintergrund oder der sozialen Lage der Schülerinnen und Schüler.

„Besonders erfreulich ist, dass digitale Optimalschulen bei allen Schülerinnen und Schülern die digitalen Kompetenzen gezielt fördern und sie gleichzeitig chancengerecht sind und Bildungsungleichheiten überwunden werden“, sagte Eickelmann dazu. Damit könnten diese Schulen in doppelter Hinsicht beispielgebend für andere Schulen im Land sein.

Empfehlungen für die Schulen

Als Empfehlungen nennen die Pädagogik-Forscherinnen dann neben der passenden IT-Ausstattung und einer pädagogischen Unterstützung dafür vor allem auch Punkte, die auf eine Unterstützung und Gestaltung von Schule und Unterricht abzielen. So sollten Angebote zur Unterstützung und Begleitung „digitalisierungsbezogener Professionalisierungsprozesse von Lehrkräften" geschaffen werden. „Vor allem hinsichtlich der Fortbildung zur fächerspezifischen Verwendung digitaler Lehr- und Lernressourcen“, heißt es in der Studie.

Digitale Kompetenzen sind nicht nur eine Frage der Technik. Foto: Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa Vergrößern
Digitale Kompetenzen sind nicht nur eine Frage der Technik. © Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa

Auch die Stärkung der Kompetenzen der Lehrkräfte und Entwicklung von Schul- und Unterrichtskonzepten zur didaktisch-methodischen Nutzung digitaler Medien im Unterricht durch die Lehrkräfte wird von den Autorinnen empfohlen. Das gelte vor allem für den Frontalunterricht aber auch für die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern und die Nutzung digitaler Lernanwendungen für das selbstständige und kooperative Lernen. Auch sollten Konzepte zur Nutzung grundlegender Computeranwendungen im Unterricht entwickelt werden.

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„Der Fokus der aktuellen bildungspolitischen Debatte auf digitale Infrastruktur greift zu kurz“, sagte Inger Paus, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Stiftung. Die Aufstockung der digitalen Ausstattung von Lehrkräften, Schülerschaft und Schulen sei zwar dringend notwendig und überfällig.

„Aber der Corona-bedingte Lockdown hat eindringlich gezeigt: Es kommt vor allem darauf an, wie Technologie pädagogisch sinnvoll genutzt werden kann.“ 

Die Lehrkräfte müssten noch viel gezielter und praxisorientierter darin unterstützt werden, digitale Technologien fächerbezogen im Unterricht und zur Förderung aller Schülerinnen und Schüler einzusetzen.

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