Falsche Witwe (Steatoda nobilis) Foto: Rainer Breitling/PENSOFT PUBLISHERS/dpa
© Rainer Breitling/PENSOFT PUBLISHERS/dpa

Arachno-Mobilität Spinn'der Passagier: Falsche Witwe verbreitet sich durch Zierpflanzenhandel

Bananenkisten? Eher nicht. Eine Spinnenart aus warmen Gefilden nutzt Blumentöpfe, um in der Welt herumzukommen. In deutschen Gartencentern wohnt sie auch schon.

Über Falsches freut man sich nicht so oft. Hier allerdings schon - nachdem man sich vom Schreck erholt hat. Denn zunächst ist der Aufschrei meist groß: Die «Falsche Witwe» (Steatoda nobilis) sieht der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich. Ein Biss der Spinnenart, die sich seit einigen Jahrzehnten in etlichen Ländern der Welt ausbreitet, kann ziemlich schmerzen. Wirklich gefährlich wird die zu den Fettspinnen gehörende Art dem Menschen aber nicht. Über die Auswertung von Museumsdaten und verfügbarer wissenschaftlicher Literatur haben Wissenschaftler aus Deutschland und Großbritannien nun herausgefunden, dass die Falsche Witwe wohl nicht wie bisher angenommen in Bananenkisten um die Welt reiste, sondern mit dem Pflanzenhandel verbreitet wurde, vor allem mit Kakteen. Sie berichten von ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift «NeoBiota».

Lebensraum Gartencenter

Die Falsche Witwe ist ursprünglich auf der portugiesischen Insel Madeira sowie auf den Kanarischen Inseln heimisch, hat ihren Lebensraum in den vergangenen 100 Jahren allerdings extrem vergrößert, schreiben die Wissenschaftler. So habe sie sich schon vor längerer Zeit in einigen Regionen Westeuropas und des Mittelmeeres angesiedelt. In jüngerer Vergangenheit gelangte sie auch nach Mitteleuropa, Kalifornien und Südamerika.

In Deutschland hätten sich zwei Populationen der falschen Witwe in Gartencentern niedergelassen, berichtet Tobias Bauer vom Naturkundemuseum in Karlsruhe. «Die Tiere finden es einfach dort angenehm», sagt er. Das liege daran, dass in den Gartencentern ein ähnliches Klima herrscht wie in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Spinne. Mit einer weiteren Ausbreitung der Art rechnet der Forscher hierzulande nicht.

Dort, wo sie geeignete Umweltbedingungen vorfindet, dürfte sich die Art in den kommenden Jahren hingegen rasch ausbreiten, schreiben die Forscher. Am größten sei die Wahrscheinlichkeit auf den westlichen Mittelmeerinseln, in Teilen Südafrikas, im südlichen Australien und in Neuseeland.

Schulschließungen

Obwohl sie dem Menschen nicht gefährlich werden kann, sorgt die Falsche Witwe immer wieder für viel Aufregung: In London schlossen im vergangenen Jahr zeitweise vier Schulen, als dort mehrere Exemplare auftauchten. Bauer kann solche Vorsichtsmaßnahmen zwar nachvollziehen, betont aber. Ihm sei wichtig, dass man keine Panikmache betreibe. "Dass ein Biss weh tut, will ich gar nicht unter den Tisch kehren, aber es ist ein großer Unterschied zum Biss einer Schwarzen Witwe, der unter Umständen lebensbedrohlich sein kann.»

Auch viele andere Spinnen, vor allem aus der Gattung der Kugelspinnen, haben sich über große Teile der Welt ausgebreitet. «Das liegt am internationalen Handel», erklärt Bauer. Aber auch der Klimawandel spielt bei der Ausbreitung eingeschleppter Arten eine Rolle. «In Europa werden wir in Zukunft immer mehr Arten aus anderen Teilen der Welt entdecken.» Bei den meisten werde man die Ankunft jedoch gar nicht bemerken, weil sie sich nicht dauerhaft ansiedeln.

Touristen vom Mittelmeer

Insgesamt sind viele eingeschleppte Arten weltweit problematisch. Ihre Mobilität verdanken sie nicht selten dem globalen Handel. Zu den Spinnen, die sich so verbreitet haben, gehört auch die giftige, aus Südamerika stammende und nun von Japan über Zypern bis Madagaskar heimische Braune Witwe Latrodectus geometricus, deren Stich schmerzhaft und gewebezerstörend ist. In Deutschland inzwischen heimisch sind verschiedene Spinnen aus dem Mittelmeerraum. Wie viele eingeschleppte Arten werden aber etwa die zu den Kräuseljagdspinnen gehörende Zoropsis spinimana und die Zitterspinne Holocnemus pluchei nicht als „invasiv“ bezeichnet. Denn sie vermehren sich bislang nicht massenhaft und stören damit auch das ökologische Gleichgewicht – soweit bekannt – nicht besonders. rif/dpa (rif/dpa)

Zur Startseite