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Die Beuth-Hochschule - ab Oktober heißt sie Berliner Hochschule für Technik  Foto: imago images/Joko
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Update Antrag auf Abberufungsverfahren erfolgreich Präsident der Beuth-Hochschule steht vor Abwahl

Werner Ullmann, der Präsident der Berliner Beuth-Hochschule, steht vor der Abwahl. Die Akademische Versammlung stimmte für die Einleitung seiner Abberufung.

Werner Ullmann steht nach massiver Kritik an seiner Amtsführung vor der Abwahl als Präsident der Beuth-Hochschule. Die Akademische Versammlung der Hochschule stimmte am Donnerstagnachmittag einem Antrag zu, ein Verfahren zur Abberufung des Präsidenten einzuleiten.

Über die Abwahl muss in einer weiteren Abstimmung entschieden werden, voraussichtlich am 1. Juli. Das Votum jetzt war knapp: Von den 51 Mitgliedern stimmten 27 zu, nötig für eine Annahme des Antrags waren 26 Stimmen. 14 Mitglieder stimmten dagegen, neun enthielten sich. Ullmann ist erst seit zwei Jahren im Amt.

„Das Ergebnis ist so wie es ist“, sagte Ullmann im Anschluss lediglich. Er bedanke sich bei allen für die „konstruktive Beratung“. Über den Antrag war zuvor fast zwei Stunden in der via Zoom abgehaltenen Versammlung debattiert worden: Kontrovers in der Sache, aber sachlich im Ton. Die außerordentliche Sitzung der Versammlung war mit den Stimmen aller Dekane einberufen worden: ein in der jüngeren Berliner Hochschulgeschichte ziemlich einzigartiger Vorgang.

"Das Vertrauen besteht nicht mehr"

Für die Antragsteller bekräftigte Maschinenbau-Professor Ralf Förster die große Kritik am gesamten Präsidium. „Das Vertrauen in die Hochschulleitung besteht nicht mehr.“ Es gebe kein wirksames Problemmanagement und keine Anreize, die enorme Fluktuation beim Personal zu beheben.

„Der Zustand der Hochschule hat sich in den vergangenen zwei Jahren nicht verbessert, und das Leitungsteam hat sich inzwischen auch noch zerlegt“, legte Förster später nach. Auch in anderen Beiträgen war von fehlender Kommunikation, großen Personal- und Ausstattungsproblemen und ausbleibender Digitalisierung die Rede.

So wurden aktuelle Schwierigkeiten beim Lernmanagementsystem erwähnt - "weil niemand mehr das Rechenzentrum hütet", wie ein Gremienmitglied sagte. "Es gibt immer mehr Aufgaben bei weniger Personal", lautete eine andere Kritik.

Ullmann gibt Probleme zu

Präsident Ullmann gab in der Aussprache zu, dass die Hochschule zahlreiche Probleme habe. Das Präsidium habe sich im „Mikromanagement“ verloren, große Linien seien darüber verloren gegangen. Auch habe er das Beharrungsvermögen an verschiedenen Stellen in der Hochschule unterschätzt.

Er stellte einen Aktionsplan für die Bereiche Personal, Hochschulrechenzentrum und Drittmittelverwaltung vor, um die Lage zu verbessern. Auch versprach er den Fachbereichen, künftig stärker auf sie zugehen zu wollen. Das Präsidium habe interne Schwierigkeiten überwunden: „Wir sind eine Hochschulleitung, wir sind ein Team.“

Ein Vizepräsident war bereits zurückgetreten

Die beiden verbliebenen Vizepräsidenten, der Erste Vizepräsident Kai Kummert und die Vizepräsidentin für Forschung, Silke Köhler, stellten sich jetzt zwar letztlich an die Seite Ullmanns und versicherten, als Team die Hochschule gemeinsam wieder auf den richtigen Weg bringen zu wollen.

Insbesondere Kummerts Beschreibung der Zustände war allerdings teilweise schonungslos. "Die Situation frustriert mich unendlich und macht mich wütend", sagte er. Teilweise würden Verwaltungseinheiten Anliegen "im Pingpong hin- und herschieben": "Recht zu haben ist manchen Organisationseinheiten wichtiger als eine Sache zu ermöglichen." Er sei aber weiter überzeugt, das ändern zu können.

Köhler wiederum nannte "massive Diskussionen normal bei den Schwierigkeiten, in denen wir stecken". Das Präsidium habe sich zusammengesetzt und die Probleme "konstruktiv" besprochen.

Zweifel, ob die Änderungen greifen können

Bei den Gremienmitgliedern wurden in der Debatte allerdings Zweifel laut, ob die versprochenen Änderungen wirklich etwas bewirken könnten - wenngleich Ullmann auch Respekt dafür gezollt wurde, sich der Diskussion zu stellen. Wolfgang Kesseler, Dekan des Fachbereichs Informatik und Medien, sagte, die Aussprache habe etwas bewirkt: "Klar, es sind Absichtserklärungen. Aber die Tonlage hat sich verändert." Die Vorschläge würden konkreter.

Der Ärger an der Hochschule war nach Informationen des Tagesspiegel Checkpoint im Vorfeld groß gewesen - was sich jetzt im Abstimmungsergebnis manifestierte. Schon da soll Ullmann massives Missmanagement vorgeworfen worden sein.

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