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Wie deutsche Stellen auf Klagen der Studierenden reagierten

Ägypten Deutsche Uni in Kairo wirft Studierende raus

Unzufrieden sind die GUC-Studierenden seit Langem auch mit ihren Studienbedingungen und der Qualität der Lehre. Sie fordern die Standards ein, die ihnen als zahlenden „Kunden“ versprochen werden. Wer nämlich an der German University studieren möchte, muss tief in die Tasche greifen. Pro Jahr werden an der Uni knapp 10 000 Euro Studiengebühren fällig. An der GUC studieren deshalb vor allem junge Ägypter aus gutem Hause. Auch weil es als wahrscheinlich gilt, dass man mit einem Abschluss von der GUC gute Chancen auf einen Studienplatz für ein Aufbaustudium in Deutschland hat.

Deutschland finanzierte die GUC mit 5 Millionen Euro

Mit fünf Millionen Euro hat Deutschland den Aufbau der GUC mitfinanziert, 2003 eröffneten der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder und der damalige ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak die Uni feierlich. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) - der sich seit Jahrzehnten in Ägypten engagiert und Studierendenvertreter seit den Umbruchsjahren unterstützt -, die deutsche Botschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützen die Hochschule. Akademische Partner sind die Universitäten in Ulm und Stuttgart, deren Rektoren auch im Aufsichtsrat der GUC sitzen. Inzwischen hat die GUC auch ein Büro in Berlin.

Die Studierenden sprechen bei deutschen Stellen vor

Die Studenten baten auch bei deutschen Stellen um Unterstützung. Im Büro des DAAD in Kairo hätten sie aber nur einen Rat bekommen: „Entschuldigt euch bei der Universität und beim Präsidenten.“ Nun sind die Studierenden enttäuscht von der „deutschen, akademischen, demokratischen Kultur“, die ihnen eigentlich in der GUC-Werbung versprochen wurde.

Der DAAD widerspricht: Studierende der GUC hätten sich in dieser Sache nicht an die Kolleginnen und Kollegen der Außenstelle Kairo gewandt. Es seien also keine Ratschläge erteilt worden. Aus Diplomatenkreisen heißt es: „Die deutsche Botschaft Kairo hat sich in Gesprächen sowohl mit Studentenvertretern als auch mit der Universitätsleitung für eine Lösung eingesetzt, die die Rechte aller Beteiligten wahrt.“

Der DAAD bedauert die Vorfälle

DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel „bedauert“ die Vorfälle an der GUC. Dem DAAD sei die „Situation der Studierenden nicht gleichgültig, auch wenn wir, wie in dem aktuellen Konflikt, gar nicht beteiligt sind“. Generell würde der DAAD bei internationalen Partnerschaften darauf achten, „dass die Studierenden wie auch die anderen Mitgliedergruppen an den Entscheidungsprozessen beteiligt sind“. Wintermantel verweist auch darauf, dass die GUC de jure eine private ägyptische Uni ist und inzwischen weitgehend durch die Gebühren und ägyptische Investitionen getragen werde. Von der GUC wollen sich dagegen weder Vertreter in Ägypten noch von den deutschen Partnerunis äußern. Das Büro der Uni in Ulm schickt stattdessen einen Verweis auf das Dossier der GUC-Leitung.

Eine Studentin verlässt die GUC freiwillig

In Kairo wurde unterdessen der gefährliche Bus-Parkplatz vor der Uni, auf dem die Busse oft in Unfälle verwickelt werden, zwar renoviert. Doch die Studierenden sind dennoch nicht glücklich. „Es besteht weiterhin die Gefahr, dass wir dort sterben“, sagt Nadine Kassab. Wie könne es sein, dass so viel für eine Uni bezahlt werden muss, die an der Sicherheit seiner Studierenden spart, fragt sich die zukünftige Betriebswirtin: „Sie behandeln uns wie Dreck.“

Bei den Exmatrikulationen ist Kassab nur deswegen glimpflich davon gekommen, weil sie schon eine Zusage für einen Studienplatz in München bekommen hat. Sie kehrt akademisch der GUC freiwillig den Rücken, will sich aber weiterhin für ihre Mitstreiter engagieren. Sie hofft darauf, dass ihre Kommilitonen irgendwie doch ihr Recht einfordern und ihren Abschluss machen können. Doch in Ägypten gibt es in diesen Zeiten nur selten Gerechtigkeit.

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