Jennifer Trosper, Nasa-Projektingenieurin der Mars 2020 Rover Mission, mit einer Nachbildung von „Opportunity“. Foto: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa
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Abschied von Mars-Rover "Opportunity" Ende einer langen Dienstfahrt

Nach 15 Jahren ist die Mission des Marsrovers „Opportunity“ zuende. Ein Nachruf – und ein Ausblick auf Möglichkeiten in der Zukunft auf dem Nachbarplanten.

Es war hoffnungslos, das wurde von Woche zu Woche deutlicher. „Opportunity“, Star der Marsforschung, war Jahr um Jahr auf dem Roten Planeten umhergekurvt, hatte Fotos und Gesteinsanalysen gemacht und viele Erkenntnisse geliefert. Doch den Staubsturm im Juni 2018 sollte er nicht überleben.

Pflichtgemäß hatte sich der 185 Kilo schwere Roboter noch in einen Ruhezustand versetzt, aber die Akkus leerten sich, ohne dass „Oppy“, wie er mitunter von den Planetenforschern genannt wurde, wieder erwachte. Am Mittwochabend deutscher Zeit erklärte die Nasa die Mission offiziell für beendet – in einer Art und Weise, die man bei anderen Raumfahrtnationen nicht kennt.

Vorbote von Astronauten auf dem Mars

„Dank bahnbrechender Missionen wie Opportunity werden eines Tages unsere mutigen Astronauten auf der Marsoberfläche laufen“, lässt sich der Nasa-Chef Jim Bridenstine in einer Mitteilung zitieren. „Und wenn dieser Tag kommt, wird ein Teil dieses ersten Fußabdrucks den Männern und Frauen von Opportunity gehören.“ Und eben jenem kleinen Rover selbst, der den geringen Chancen, die ihm anfangs zugerechnet wurden, widersprochen und so viel für die Erkundung des Planeten getan habe.

Vor einem Jahr: eins der späten Bilder Opportunity's im "Tal der Ausdauer" Foto: Nasa Vergrößern
Vor einem Jahr: eins der späten Bilder Opportunity's im "Tal der Ausdauer" © Nasa

Tanya Harrison, eine Mitarbeiterin des Teams, schreibt auf Twitter über den Abschied: „Da war Stille. Da waren Tränen. Da waren Umarmungen.“ Auch etliche Prominente schickten tröstende Worte, etwa Ex-Präsident Barack Obama. Man solle nicht traurig sein, sondern stolz auf das, was man gelernt habe und sehen, dass Opportunity eine neue Generation von Amerikanern inspiriert habe.

Mancher mag solches Pathos, nötig hat es die Mission nicht. Auch bei nüchterner Betrachtung war sie sehr erfolgreich. Im Januar 2004 war „Opportunity“ (auf deutsch: Chance, Gelegenheit) heil auf dem Mars im in der Meridiani-Ebene gelandet, wenige Tage nach ihrer Schwestersonde „Spirit“. Schon das ist nicht selbstverständlich, etliche Landeversuche anderer Sonden scheiterten. Geplant war eine Missionsdauer von drei Monaten, 1000 Meter sollten gefahren werden. „Spirit“ hielt sechs Jahre durch, „Opportunity“ kam auf gut 14 Jahre und hatte am Ende 45 Kilometer zurückgelegt - die mit Abstand weiteste Strecke, die je ein Roboter auf einem fremden Himmelskörper gefahren ist.

Hinweise auf Wasser entdeckt

Unterwegs hat er Dutzende Gesteinsproben analysiert und beispielsweise gezeigt, dass es an der Landestelle vor Urzeiten einmal flüssiges Wasser gegeben haben muss. Die Sedimente werden als ehemalige Küstenlinie interpretiert und sind damit ein lohnendes Ziel für weitere Missionen, die etwa nach erhaltenen Mikrofossilien suchen könnten, um der Frage aller Fragen nachzugehen: Gab es auf dem Mars einst Lebewesen, und haben sich diese womöglich bis heute in strahlungsgeschützten Nischen erhalten?

Es ist das Erbe der Opportunity-Mission: der Ansporn und Auftrag, ausgehend von ihren Befunden, unseren Nachbarplaneten weiter zu erforschen.

Dabei muss sich aber manches ändern. Sicher, die Oberfläche ist faszinierend, aber Fotos haben wir jetzt genug. Allein Opportunity hat mehr als 217.000 Bilder gemacht. Jetzt geht es darum, einerseits konkret nach Hinweisen auf Leben zu suchen, auch wenn das ungleich aufwendiger und damit teurer ist als die bisher praktizierte Roboter-Mineralogie. Andererseits sollte der Untergrund erforscht werden, um die Geschichte des Mars und damit die Evolution erdähnlicher Planeten besser zu verstehen.

Jetzt forscht "Insight" auf dem Mars

Die aktuelle Mission „Insight“ ist dafür gut geeignet. Sie soll Marsbeben erfassen, die Hinweise auf die innere Struktur geben, und die Temperatur sowie den Wärmefluss bis in fünf Meter Tiefe messen. „Auf diese Weise können wir feststellen, wie viel Wärme der Kern des Mars bis heute abgibt und ob er noch flüssig oder schon fest ist“, sagt Ulrich Köhler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das die Wärmeflusssonde entwickelt hat. Am Dienstag wurde das Instrument auf den Marsboden gesetzt, Ende nächster Woche soll es beginnen, sich schrittweise in die Tiefe zu hämmern und Temperaturunterschiede bis auf ein Tausendstel Grad genau zu bestimmen.

Hier zeigt sich ein weiterer Unterschied gegenüber „Opportunity“. Die Mission wurde stets als reines Nasa-Projekt wahrgenommen. Wer wusste schon, dass auch ein Spektrometer von der Universität Mainz und eines des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz an Bord waren? Jetzt bei „Insight“, ebenfalls von der Nasa geleitet, sind die Beiträge anderer Länder sichtbarer.

Die Thermalsonde kommt aus Deutschland, das Seismometer aus Frankreich. Damit wird deutlich: Weltraumforschung ist international. Gerade bei einem so fernen und teuren Explorationsziel wie dem Mars, ist es nur sinnvoll, zusammenzuarbeiten. Um ihn weiter zu erforschen - auch mit dem Ziel, eines Tages dort Menschen landen zu lassen.

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