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Zuwachs auf dem Parkett. Als sicherster Aufsteiger in den Dax gilt der Flugzeughersteller Airbus. Foto: REUTERS
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Zwei Berliner Firmen steigen auf Wie können Privatanleger von der Dax-Erweiterung profitieren?

40 ist das neue 30 - zumindest im Dax. Am Freitag entscheidet sich, welche Firmen in den Dax aufrücken. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die erste deutsche Börsenliga bekommt Zuwachs. Aus 30 werden 40 Unternehmen im Leitindex. Am heutigen Freitagabend um 22 Uhr gibt die Deutsche Börse bekannt, welche Firmen künftig zusätzlich im Dax gelistet sind. Greifen werden die Neuerungen ab dem 20. September. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist alles neu im Dax?

Die Vergrößerung des Dax hat zur Folge, dass der M-Dax schrumpft. Er wird statt 60 nur noch 50 Unternehmen listen. Zudem gilt im Dax künftig: Wer Mitglied werden will, muss mindestens auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den vorhergehenden beiden Geschäftsjahren profitabel gewesen sein. Wichtigstes Kriterium für die Aufnahme im Dax wird die Marktkapitalisierung; der Börsenumsatz als Maßstab fällt weg und wird durch eine Mindestanforderung an die Liquidität ersetzt.

Für alle Unternehmen der Dax-Familie gelten verschärfte Pflichten zur Finanzberichterstattung. Viele der Regelungen sind eine Reaktion auf den Wirecard-Skandal. Das insolvente Münchener Unternehmen hatte auch nach dem Bekanntwerden des Betrugs über Monate nicht aus dem Index geworfen werden können, weshalb an den Dax gebundene Fonds das abgestürzte Papier weiter halten mussten.

Wer rückt in den Dax auf?

Als sicherer Aufsteiger gilt Airbus. Der deutsch-französische Flugzeughersteller wird unter den zehn Neuaufnahmen das Unternehmen mit dem mit Abstand größten Börsenwert sein und rund fünf Prozent des Index ausmachen. Die anderen Aufsteiger werden zusammen wohl bei rund acht Prozent liegen. Als sicher gelten: der Chemikalienhändler Brenntag, der Kochboxenlieferant Hellofresh, die Holdinggesellschaft Porsche, der Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers, der Duftstoffehersteller Symrise sowie der Modehändler Zalando.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die verbleibenden Plätze liefern sich Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologieunternehmen Qiagen, Kosmetikhersteller Beiersdorf und die Immobiliengesellschaft LEG. Mit Hellofresh und Zalando hätte damit auch Berlin zwei neue Dax-Konzerne.

Ändert sich der Zählerstand des Dax?

Trotz der zehn neuen Unternehmen gibt es keine Auswirkungen auf den Punktestand des Leitindex. Nur das Gewicht der einzelnen Aktien ändert sich. Die bisherigen 30 Mitglieder verlieren zugunsten der Neuaufnahmen einen Teil ihres Gewichts.

Was bedeuten das alles für Anleger?

Für Privatanleger, die etwa per börsengehandelter Indexfonds in den Dax investieren, ändert sich im Großen und Ganzen nicht viel. Diese sogenannten ETFs (Exchange Traded Fund) werden von den Anbietern entsprechend umgebaut: Sie werden Aktien der Dax-Neulinge entsprechend ihres dann errechneten Gewichts kaufen und dafür Anteile an den bisherigen Dax-Werten verkaufen.

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Wer allerdings beispielsweise einen M-Dax-Fonds hat, sollte überlegen, ob er weiter auf die zweite Börsenliga setzen will. Denn der Attraktivitätsgewinn des Dax hat Folgen für den M-Dax, meint Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts. Der M-Dax verliere stark an Gewicht, denn die Abgänge machten rund 45 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Index der mittelgroßen Werte aus. „Diese Lücke wieder zu schließen, ist nicht so einfach“, stellte Bortenlänger fest.

Profitieren die Kurse der Aufsteiger?

Sicher ist das nicht, doch einige Marktmechanismen machen das wahrscheinlich. Denn wenn eine Aktie in den Dax aufrückt, sind diverse Fonds, die den deutschen Leitindex nachbilden oder ihn zumindest in geringer Gewichtung beinhalten, gezwungen, dieses Wertpapier zu kaufen. Die Nachfrage nach den Neulingen könnte also steigen. Ob der Effekt aber so groß ist, dass er eventuelle Kursschwankungen ausgleicht, ist nicht gesagt.

Was wurde nicht durchgesetzt?

Rüstungsgegner und Umweltschützer hatten gefordert, Firmen von der Dax-Mitgliedschaft auszuschließen, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit der Herstellung von Waffen machen.

Dies wäre zum Beispiel für Airbus zum Problem geworden. Die Vorschlag wurde von Banken, Brokern, Verbänden und Profi-Investoren in einem Austausch zu der Reform im vergangenen Jahr mehrheitlich verneint. (mit dpa)

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