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Schöner Arbeiten. Im Homeoffice sind viele Beschäftigte zufriedener - und effektiver. Foto: imago images/Westend61
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Zukunft der Arbeit Was wird aus dem Homeoffice?

Auch nach der Pandemie sollen Beschäftigte mobil arbeiten können, fordern fast alle Parteien. Doch in welcher Form? Ein Wahlprogramm-Check

Auch das könnte das Homeoffice noch bringen: Beim US-Technologiekonzern Google müssen dauerhaft von zu Hause arbeitende Beschäftigte damit rechnen, demnächst weniger zu verdienen – wenn sie etwa lange Pendelzeiten haben und in weniger teuren Wohngegenden leben. Bei Facebook und Twitter wurden die Gehälter bereits an das Kostenniveau des Wohnortes von Mitarbeitern im Homeoffice angepasst.

Soll die Politik das Homeoffice regeln?

Während die großen Techfirmen in den USA an finanziellen Stellschrauben des Homeoffices drehen, wird in Deutschland noch darüber diskutiert, wie viel Homeoffice in Zukunft erlaubt sein soll, wenn das Zuhause arbeiten nicht mehr der Pandemiebekämpfung dient. Und inwieweit die Politik die Entwicklung mitbestimmen soll.

In ihrem Wahlprogramm plädieren fast alle Parteien für mehr Homeoffice als vor Corona. Sie sprechen sich dafür aus, Arbeitnehmer vor einer Entgrenzung der Arbeit zu schützen und ihnen weiterhin die Wahl zu lassen, Zuhause oder im Büro zu arbeiten. „Was die Parteien unterscheidet, sind die Bedingungen und der Weg dorthin“, sagt Philipp Grunau vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Nur im Programm der AfD taucht der Begriff Homeoffice nicht auf.

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Relevant ist das Thema für sehr viele Beschäftigte. Laut einer Erhebung des IAB ist fast jeder zweite Arbeitsplatz (45 bis 48 Prozent) für das Arbeiten von Zuhause grundsätzlich geeignet.
Doch wie lässt sich Homeoffice in Zukunft gestalten? Alle Parteien betonen dabei die Bedeutung der Sozialpartnerschaften, die Zusammenarbeit von Arbeitgebern mit Tarifpartnern, Betriebs- und Personalräten. CDU und CSU setzen auch auf sozialpartnerschaftliche Regelungen der Tarifvertrags- und Betriebsparteien, um mobiles Arbeiten zu ermöglichen und den Arbeitsschutz zu gewährleisten.

Fast jeder zweite Arbeitsplatz lässt sich ins Zuhause verlagern

SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linken fordern ein Recht auf Homeoffice. Die FDP dagegen spricht von einem „Rechtsanspruch auf Erörterung“, nachdem „Arbeitgeber den Antrag von Beschäftigten auf mobiles Arbeiten und Homeoffice prüfen und Gründe für eine Ablehnung erörtern müssen“. „In der Praxis unterscheidet sich das aber kaum vom geplanten Rechtsanspruch der anderen Parteien“, sagt der Arbeitsmarktforscher. In beiden Fällen könnten wichtige betriebliche Gründe, wie etwa eine nicht geeignete Tätigkeit, den Anspruch verwirken.

Bei der Freiwilligkeit sind sich die Parteien weitgehend einig. „Beschäftigte dürfen nicht zum Homeoffice verpflichtet werden“, fordert die Linke. „Bestehende Vereinbarungen müssen anlassbezogen widerrufen werden können“, erklären die Freien Demokraten.

Flexibilität und Ruhepausen lassen sich nicht immer vereinbaren

Strittig ist allerdings, ob Deutschland neue Arbeitszeitgesetze braucht. Die FDP will mehr Flexibilität - und Arbeitszeit nicht mehr täglich messen, sondern wöchentlich. Dabei könnten Errungenschaften zu Ruhezeiten angetastet werden. „Beides zu vereinbaren könnte problematisch werden“, sagt auch Arbeitsmarktforscher Grunau. „Wenn für Arbeitnehmer nicht mehr generell die maximal acht Stunden am Tag gelten, sondern 40 Stunden in der Woche, die sie frei, je nach persönlichem Bedarf oder Arbeitsanfall, leisten, lässt sich die Ruhepause von elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen im Einzelfall nicht einhalten“, erläutert er.

Die SPD schreibt: „Auch im Homeoffice müssen Arbeits- und Ruhezeiten gelten, die Arbeitszeit muss jeden Tag vollständig erfasst werden.“ Die Grünen beziehen sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, nachdem Arbeitszeit künftig dokumentiert werden soll.

Bei der technischen Ausstattung bleiben die Parteien vage

"In vielen Punkten sind sich die Parteien einig, entscheidend ist aber, wie diese ausgestaltet werden", sagt Grunau. Wenn es etwa um die Kostenverteilung, die technische Ausstattung von Homeoffice geht, um Arbeitsschutz, Unfallversicherungsschutz oder eben die Arbeitszeit, blieben die Parteien größtenteils unkonkret, so der Wissenschaftler. Deshalb sei es schwer, zu beurteilen, was für Arbeitnehmer oder Arbeitgeber dabei tatsächlich herauskomme. Er ist sich aber sicher: Homeoffice wird bleiben, viele Betriebe planen bereits den Ausbau.“ Jüngste Studien hätten gezeigt, dass die Mitarbeiter dadurch zufriedener seien und effizienter arbeiteten und dadurch auch Arbeitgeber davon profitierten.

Die Berechnung der Gehälter je nach teurer oder günstiger Wohngegend der Mitarbeiter, die Zuhause arbeiten, ist in der politischen Debatte in Deutschland aber noch kein Thema.

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