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Weide unter Wasser. Nicht nur Menschen, auch viele Tiere mussten aus den Fluten gerettet werden. Foto: dpa
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Wie der Staat Bauern und Winzern helfen will Ernten sind vernichtet, Tiere haben kein Futter

Das Hochwasser hat Landwirten und Weinbauern schwer geschadet. Hilfe soll unbürokratisch und schnell fließen. Aber einige helfen sich schon selbst.

Als Linda Kleber die schlammverschmierten Flaschen aus den überfluteten Weinkellern sah, kam ihr eine Idee. Kleber und andere Mitstreiter der Initiative „Flutwein“ boten Tausende Flaschen Wein aus der Weinbauregion Ahr in Rheinland-Pfalz zum Kauf an. Mit Schlammspritzern und zerrissenen Etiketten waren sie Symbol der Hochwasserkatastrophe, die 65 von 68 Weinbauern an der Ahr schwer getroffen hatte. 2,2 Millionen Euro brachte die Aktion.

"Flutwein" von der Ahr: Mit der Aktion versuchen Winzer, wenigstens etwas zu retten. Foto: AFP Vergrößern
"Flutwein" von der Ahr: Mit der Aktion versuchen Winzer, wenigstens etwas zu retten. © AFP

Für die Winzer in der Region ist das dennoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auf 220 Millionen Euro schätzt Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) die Hochwasserschäden für Landwirte, Wein- und Obstbauern allein in Rheinland-Pfalz. In Nordrhein-Westfalen sind es nach aktuellem Stand 52 Millionen Euro. Hier hat es viele Kartoffel- und Möhrenfelder getroffen. Die Ernte ist vernichtet.

Tierhaltern fehlt Futter für die Tiere

Aber auch Tierhalter stehen vor Problemen. Wegen der Überflutungen fehlt es an Futter für Kühe und Schweine. Milchbauern sind auf Notstromaggregate angewiesen, um Melkmaschinen zu betreiben und die Milch zu kühlen. „Das Ausmaß der Zerstörung ist erschütternd“, sagte Klöckner am Montag in Berlin.

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Wie der Staat helfen will

Um Landwirten zu helfen, soll die Unterstützung schnell, koordiniert und unbürokratisch auf den Weg gebracht werden. Land- und Forstwirtschaft können sowohl Hilfen aus dem 400 Millionen Euro umfassenden Soforthilfeprogramm bekommen als auch Gelder aus dem 30 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds, der am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden soll. Die Landwirtschaftliche Rentenbank vergibt zudem Darlehen zu einem Zins von 0,01 Prozent, das erste Jahr ist tilgungsfrei. Beantragt werden die Kredite über die Hausbank, Bilder und eigene Aufstellungen der Schäden reichen als Nachweis aus.

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Möglichst wenig Bürokratie

Um Engpässe beim Tierfutter zu beseitigen, soll Bauern ausnahmsweise eine stärkere Nutzung von Flächen ermöglicht werden, für die sonst Umweltbeschränkungen gelten. EU-Zahlungen für zerstörte Flächen dürften nicht gestrichen werden. Und: Statt Schadensmeldungen für jeden Einzelfall zu machen, müsse dies in ganzen Regionen mit Schäden auch mit Hochwasserkarten oder Bildern möglich sein, so Klöckner.

Für die Zukunft müsse man aber auch über eine Pflichtversicherung nachdenken, meint die Ministerin, die mehrfach vor Ort war. Dort habe sie eines immer wieder gehört. „Viele Bauernfamilien wollten eine Versicherung abschließen, aber haben keine bekommen.“

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