In der Nähe dieses Geländes in der Grafschaft Lancashire wurden Erdstöße registriert. Foto: Oli Scarff/AFP
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Update Wegen Erdbeben-Gefahr Großbritannien stoppt Fracking

Bislang hatte die Regierung von Premier Johnson Unterstützung für Fracking signalisiert. Nach Erdstößen in der Nähe eines Fördergeländes reagierte London nun.

Wegen der Gefahr von Erdbeben setzt die britische Regierung das sogenannte Fracking zur Gewinnung von Schiefergas aus der Erde aus. Energieministerin Andrea Leadsom erklärte am Samstag, sie habe auf Grundlage eines Berichts der für die Öl- und Gasförderung zuständigen Aufsichtsbehörde OGA ein Fracking-Moratorium für England verfügt. Die OGA hatte die seismischen Aktivitäten in der Nähe eines Fracking-Gebiets in Preston New Road in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire untersucht.

Methode stößt auf Widerstand von Klimaaktivisten und Umweltschützer

"Nach der Prüfung des OGA-Berichts (...) ist klar, dass wir weitere inakzeptable Konsequenzen für die örtliche Bevölkerung nicht ausschließen können", erläuterte Leadsom. Das Fracking-Moratorium gelte mit sofortiger Wirkung. Solange es "keine neuen überzeugenden Beweise" für die Unbedenklichkeit von Fracking gebe, werde die britische Regierung keine neuen Fracking-Projekte bewilligen.

Beim Fracking wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien unter Druck in Gesteinsschichten gepresst, die sehr fein verteiltes Gas oder Öl enthalten, das nicht frei fließen kann. Die Schichten werden auf diese Weise "aufgebrochen", um die Rohstoffe herauszudrücken. Die Methode stößt auf erbitterten Widerstand von Klimaaktivisten und Umweltschützern.

Dementsprechend positiv fielen die Reaktionen aus. Umweltschützer und die Opposition in Großbritannien begrüßten das Aus für die umstrittene Fracking-Technik. „Dieser Sieg ist einer der größten, den die Klimabewegung je gesehen hat“, teilte die Klimaschutzorganisation 350.org am Samstag mit. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte, den Ausbau erneuerbarer Energie aus Wind und Sonne zu beschleunigen. Die oppositionelle Labour-Partei forderte, Fracking dauerhaft zu verbieten.

Bislang hatte die Regierung von Premierminister Boris Johnson Unterstützung für die Schiefergasindustrie signalisiert. Das Land will seine Abhängigkeit von Erdgasimporten insbesondere aus Norwegen und Katar verringern. Die konservative Regierung plante 2016, dass es bis Mitte 2020 insgesamt 20 Förderorte geben könne. Bislang gab es allerdings nur drei Grabungen und mit der Gasförderung wurde noch nicht begonnen.

Die relativ neue Fördermethode stößt nicht nur bei Umweltschützern, sondern auch bei den Bewohnern in der Umgebung von Fördergebieten auf Kritik. In einem Bericht zu den Staatsausgaben wurde jüngst bemängelt, dass Fracking-Projekte hohe Kosten für die örtlichen Behörden verursachen, weil sie eine Reihe von Protesten mitsamt Verkehrsblockaden nach sich zögen und die Bohrungsstätten von der Polizei geschützt werden müssten. In Großbritannien hat gerade der Wahlkampf begonnen. Am 12. Dezember wird ein neues Parlament gewählt. (AFP, dpa)

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