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Viele der deutschen Einhörner kommen aus Berlin. B. Pedersen/dpa
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Von Gorillas bis N26 Diese deutschen Start-ups sind derzeit mehr als eine Milliarde Dollar wert

Start-ups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind, werden als Einhörner bezeichnet. Wer kann das von sich behaupten? Eine aktuelle Übersicht.

Das Berliner Start-up Gorillas hat es in Rekordzeit geschafft. In einer Finanzierungsrunde im März sammelte das Unternehmen 245 Millionen Euro ein und wurde damit nur neun Monate nach der Gründung insgesamt mit einer Milliarde Euro bewertet – so schnell hat das noch kein Unternehmen in Deutschland geschafft. Damit zählt Gorillas nun zum Kreis der Einhörner, Unicorn im Englischen.

Das Geschäftsmodell der Berliner ist die Lieferung von Supermarkt-Ware innerhalb von zehn Minuten per Fahrradkurier. Dafür unterhält Gorillas diverse Lagerhäuser in den Innenstädten, von wo aus die Fahrer ihre Routen beginnen. Das Unternehmen wächst extrem schnell und will im nächsten Schritt in die USA expandieren.

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Eine engere Definition schließt zudem börsennotierte Firmen aus. Die Berliner Unternehmen Delivery Hero oder Auto1 sind damit dieser Kategorie entwachsen. Und auch Investmentgesellschaften, deren Wert sich im Wachstum ihrer Beteiligungen misst, wie etwa Rocket Internet oder die NuCom Group, werden meist nicht zu den Einhörnern gezählt. Das Marktanalyseunternehmen CB Insights führt abgesehen von Gorillas derzeit 14 Firmen aus Deutschland in seiner weltweiten Unicorn-Liste, die den genannten Kriterien entsprechen. Eine Übersicht.

Das Berliner Start-up N26 wurde von Valentin Stalf gegründet. K.U. Heinrich/TSP Vergrößern
Das Berliner Start-up N26 wurde von Valentin Stalf gegründet. © K.U. Heinrich/TSP

Otto Bock Healthcare

Das laut CB Insights wertvollste deutsche Unicorn ist ein ungewöhnliches. Denn Otto Bock Healthcare ist kein junges Start-up, sondern ein 1919 gegründetes Familienunternehmen. Auf der Liste findet sich das mit 3,52 Milliarden US-Dollar bewertete Unternehmen wohl wieder, weil seit 2017 20 Prozent dem Risikokapitalgeber EQT gehören, der weiter Wachstumspotenzial bei dem Prothesenhersteller sieht. Auch rechtfertigt die Entwicklung der vergangenen Jahre die Bezeichnung als Unicorn, da Otto Bock seine Position am Markt unter dem aktuellen Geschäftsführer Hans Georg Näder deutlich ausbauen konnte.

N26

Mit 3,5 Milliarden Dollar ist die Berliner Smartphone-Bank N26 bewertet. Sie wurde 2013 gegründet und ermöglicht Bankgeschäfte per App. Das Unternehmen sieht sich als Disrupter des Bankensektors und hat keine kleinen Ziele. „In weniger als zehn Jahren sind wir die wertvollste deutsche Bank“, sagte Deutschlandchef Georg Hauer 2019 im Tagesspiegel-Interview. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank beträgt aktuell rund 21 Milliarden Euro.

Otto-Bock-Geschäftsführer Hans Georg Näder bei einer Tagesspiegel-Veranstaltung mit Chefredakteur Lorenz Maroldt. D. Spiekermann-Klaas/TSP Vergrößern
Otto-Bock-Geschäftsführer Hans Georg Näder bei einer Tagesspiegel-Veranstaltung mit Chefredakteur Lorenz Maroldt. © D. Spiekermann-Klaas/TSP

Celonis

Das Geschäftsmodell von Celonis verbirgt sich hinter dem Begriff „Process Mining“. Damit ist gemeint, dass Firmen in Echtzeit analysieren können, wie ihre Prozesse ablaufen. Das 2011 von drei Kommilitonen gegründete Start-up bietet die Software dafür. Mittlerweile ist die Firma mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet und kann Konzerne wie Siemens, Bayer oder UBS seine Kunden nennen.

Flixbus

Deutlich bekannter dürfte das viertwertvollste deutsche Unicorn sein. Flixbus ging 2012 an den Start und verleibte sich mit der Zeit diverse Konkurrenten wie Megabus, MeinFernbus oder Postbus ein. Konkurrenten sprechen mittlerweile schon davon, dass Flixbus seinerseits ein Monopol auf dem Fernbusmarkt aufgebaut hat. Inzwischen betreibt das Unternehmen auch Bahnverbindungen unter der Marke Flixtrain. Laut CB Insights ist Flixbus insgesamt 2,25 Milliarden US- Dollar wert.

Andre Schwämmlein will den Verkehrsmarkt mit seinem Unternehmen Flixbus aufmischen. In Teilen ist ihm das bereits gelungen. Christian Charisius/dpa Vergrößern
Andre Schwämmlein will den Verkehrsmarkt mit seinem Unternehmen Flixbus aufmischen. In Teilen ist ihm das bereits gelungen. © Christian Charisius/dpa

Mambu

Das Softwareunternehmen Mambu ist erst seit Anfang dieses Jahres ein Einhorn. Eine Finanzierungsrunde über 110 Millionen Euro im Januar brachte dem Berliner Start-up eine Bewertung von 1,7 Milliarden Euro ein. Mambu gilt schon länger als Geheimtipp in der Fintech-Szene, baute es doch die Banking-Software für andere Wachstumsfirmen wie N26, Check24 oder auch etablierte Banken wie Santander.

ATAI Life Sciences

Auch ATAI Life Sciences hat seinen Sitz in Berlin. Das mit zwei Milliarden Dollar bewertete Bio-Tech-Unternehmen hat sich der Behandlung mentaler Krankheiten wie Depressionen oder Angstzuständen verschrieben, unter anderem mit- hilfe psychedelischer Wirkstoffe auf Basis von Pilzen. 2020 wurden vier Finanzierungsrunden abgeschlossen.

Personio

Anfang 2020 sagte Personio-Gründer Hanno Renner noch, eine Milliardenbewertung sei ihm „nicht so wichtig“. Inzwischen sieht es das wohl anders. „Es gibt keinen Grund, warum wir nicht eines Tages mit 20 oder auch 40 Milliarden bewertet werden sollten“, sagte Renner im Januar dem „Handelsblatt“. Der Sinneswandel kommt nicht von ungefähr; das 2015 gegründete Münchner Start-up ist inzwischen mit 1,7 Milliarden US-Dollar bewertet. Es bietet HR-Software für Firmen zur Personalplanung.

Wefox Group

Wefox ist ein sogenanntes Insuretech – ein Versicherungs-Start-up. Und zwar mit einer Bewertung von 1,6 Milliarden Dollar das größte in Deutschland. Ähnlich wie N26 in der Bankenwelt versucht Wefox etablierte Versicherungen auf der digitalen Schiene zu überholen. Gründer Julian Teicke will in diesem Jahr endlich in die schwarzen Zahlen kommen – was für wachsende Start-ups nicht selbstverständlich ist. „Wir sind kein geldvernichtendes Ungeheuer“, sagte er dem Magazin Gründerszene im Januar dazu.

Deposit Solutions

Bei dem Hamburger Start-up steht ein in diesen Zeiten rares Gut im Mittelpunkt: Zinsen. Deposit Solutions hat eine offene Plattform aufgebaut, auf der Zinsprodukte verschiedener Banken angeboten werden. Derzeit listen hier Banken aus 20 europäischen Ländern ihre Zinsprodukte. Gleichzeitig können andere Geldhäuser die Plattform in ihre eigene IT integrieren – und damit auch fremde Produkte vertreiben. Ein Konzept, das viele Banken überzeugt und mit 1,1 Milliarden US-Dollar bewertet ist.

GetYourGuide

Ebenso viel ist die Plattform GetYourGuide wert – oder war es zumindest vor der Coronakrise. Bislang wurde keine Neubewertung vorgenommen, doch dem Tourismus-Start-up setzten die weltweiten Reisebeschränkungen stark zu. Eigentlich können Touristen auf der Plattform von GetYourGuide Aktivitäten wie Führungen und Ausflüge buchen und Eintrittskarten für Sehenswürdigkeiten buchen. Doch in der Coronakrise fiel der Umsatz auf null. Große Teile der Belegschaft wurden entlassen. Wie das Berliner Unternehmen aus der Krise kommt, ist noch nicht klar.

About You

Ein Krisengewinner hingegen ist About You. Der Online-Modehändler knackte im Coronajahr die Grenze von einer Milliarden Euro beim Umsatz – 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Nun strebt das Start-up an die Börse; die bisherige Holding-Gesellschaft wurde bereits in eine Aktiengesellschaft umfirmiert. Der aktuelle Wert von einer Milliarden Dollar dürfte sich dann noch mal erhöhen.

Omio

Auch Omio machte die Pandemie zu schaffen. Das Start-up verkauft Fahrkarten – und zwar für Verkehrsmittel weltweit. Dass mitten in der Krise im September eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen werden konnte, spricht für die Wachstumsaussichten von Omio. Sobald die Beschränkungen fallen, kommt ein Boom, glaubt Gründer Naren Shaam.

Lilium Aviation

Das Flugtaxi-Unternehmen dürfte sich bald aus dieser Liste verabschieden. Denn wie im März bekannt wurde, geht Lilium über einen Spac (siehe Text rechts) an die Börse. Das Unternehmen sieht sich selbst als Marktführer im allerdings noch in den Anfängen steckenden Markt der Flugtaxen.

Sennder

Seit Januar ist auch das Logistik-Unternehmen Sennder ein Einhorn. Kern des Geschäfts ist eine Technologie, die optimale Routenplanung für Gütertransporte berechnen und Leerfahrten vermeiden soll. Der Lkw-Hersteller Scania und Siemens unterstützen Sennder. Durch eine Kooperation mit Uber will das Berliner Start-up auch den Straßenfrachtverkehr in Nordamerika effizienter machen.

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