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Corona-Warn-App: Die Bewertung und Anzeige der Risikokontakte ändert sich. Foto: Michael Kappeler/dpa
© Michael Kappeler/dpa

Update Update der Corona-Warn-App Neue Version bringt deutliche Veränderungen

Bei der Corona-Warn-App ändert sich grundsätzlich, wie Risikokontakte bewertet und angezeigt werden. Ein oft geäußerter Wunsch wird dabei teils erfüllt.

Die Corona-Warn-App hat ein neues Update bekommen, mit dem sich einiges ändert. Seit Dienstag ist die Version 1.9.1 verfügbar, zunächst für Apple-Nutzer, Android soll bis spätestens morgen auch folgen.

Durch die Version ändert sich vor allem die Aufzeichnung und Anzeige der Risikokontakte. „Nutzer*innen werden nun die Anzahl an Tagen angezeigt, an denen Risikobegegnungen stattgefunden haben, dafür aber nicht mehr die Anzahl an Begegnungen“, erklären die Entwickler.

Bei Begegnungen mit erhöhtem Risiko (rot) wird nun zumindest auch das Datum angezeigt, wann der letzte Kontakt stattgefunden hat. Weitergehende Informationen über die Kontakte waren seit langem gefordert worden. Zuletzt hatten zahlreiche Politiker außerdem eine Lockerung des Datenschutzes gefordert, um noch viel weitreichendere Informationsflüsse zu ermöglichen.

Doch die Entwickler der App bleiben dabei zurückhaltend, selbst die Uhrzeit eines Kontaktes wird weiter nicht angezeigt. Ortsdaten, wie sie verschiedene Politiker sich wünschen, lassen sich bei Nutzung der Schnittstelle von Apple und Google rein technisch ohnehin nicht speichern.

Auch die Art der Risikobewertung wird umgestellt

Bei dieser Schnittstelle, dem so genannten Exposure Notification Framework (ENF), gibt es auch eine neue Version, die mit der aktuellsten App-Version nun genutzt wird. Dadurch stünden nun genauere pseudonyme Informationen über Begegnungen zur Verfügung.

Auch die Art der Risikobewertung wird umgestellt. Bisher galt, dass Kontakte mit positiv getesteten Nutzern, die vergleichsweise kurz (etwa unter 15 Minuten) oder in einem größeren Abstand (mehr als 1,5 – 2 Meter) in grün als „Begegnung mit niedrigem Risiko“ angezeigt wurden.

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„Nun können mehrere – einzeln betrachtete – Begegnungen mit niedrigem Risiko (grün) zu einem erhöhten Risiko (rot) führen: je nach Infektiösität werden 15-30 Minuten an Begegnungen mit niedrigem Risiko (grün) zu einer Begegnung mit erhöhtem Risiko (rot)“, heißt es.

Durch die Umstellung ist nicht mehr eine einzige Begegnung ausschlaggebend, sondern „die Summe der Risikominuten pro Tag“. So können auch mehrere, kurzzeitige Risikobegegnungen zu einem erhöhten Risiko führen.

Nutzer beklagen verschwundene Kontakte

Manche Nutzer, die schon die neue Version installiert haben, wundern sich, dass vorher angezeigte Risikobegegnungen nicht mehr auftauchen. Das liegt nach Angaben der Entwickler daran, dass die Kontakte mit geringem Risiko nun nochmal stärker unterschieden werden. Bislang wurden auch Begegnungen mit sehr kurze Kontaktdauer gezählt und angezeigt. Dabei genügten wenige Sekunden, also beispielsweise an einem Infizierten vorbei zu laufen. „Diese sind aus virologischer Sicht nicht relevant und werden von der Corona-Warn-App herausgefiltert“, heißt es. Mit der neuen Version der Schnittstelle könne so präziser gesteuert werden, welche Begegnungen gezählt werden sollen.

So werden Kontakte nun genau gezählt 

Konkret werden nur noch Begegnungen die mindestens 10 Minuten gedauert haben berücksichtigt. Betrug dabei die anhand des Funksignals geschätzte Entfernung 1,5 Meter oder weniger, wird die entsprechende Dauer des Kontaktes komplett berücksichtigt. Lag der Abstand jedoch zwischen 1,5 Meter und 3 Meter, wird er gewichtet und nur zu 50 Prozent berücksichtigt. Als weiterer Faktor kommt das Übertragungsrisiko hinzu, es hängt davon ab, welche Zeit zwischen Begegnung und Positivmeldung des Kontaktes lag. Die so ermittelten Begegnungszeiten werden addiert. Wenn dabei insgesamt über den Tag die gewichteten Risikobegegnungen zusammen 15 Minuten oder mehr betragen, wird eine rote Warnmeldung, also ein „erhöhtes Risiko“ angezeigt.

Wie genau misst die App eigentlich?

Ob sich damit auch die Genauigkeit der Abstandsmessung verbessert, ist unklar. Um zu schätzen, wie weit zwei Personen voneinander entfernt sind, wird die Stärke des Bluetooth-Funksignals genutzt. Allerdings kann dies durch Glaswände, andere Gegenstände oder Menschen beeinflusst werden.

Immer wieder berichten Nutzer, die zwei unterschiedliche Smartphones parallel benutzen und auf beiden die App installiert haben, dass ihnen unterschiedliche Zahlen von Risikobegegnungen angezeigt werden. Und im Sommer hatte eine irische Studie gezeigt, dass es in Bahnen zu großen Fehlern bei der Abstandsmessung kommen kann. Daher weiß man auch nicht, ob die App eher zu viele oder zu wenige Warnungen verschickt.  

Die FDP wollte in einer Kleinen Anfrage wissen, zu welchen Ungenauigkeiten es bei der Messung von Abständen durch die CWA mittels Bluetooth kommen kann und inwieweit diese bei der Risikoermittlung berücksichtigt werden. So wurde konkret nach dem Befund gefragt, „dass bereits das Drehen und Kippen eines Smartphones zu Abweichungen der Signalstärke führen und damit die Abstandmessung beeinflussen kann“.

Außerdem wollten die Abgeordneten wissen: „Welche Erfahrungen wurden bei der Erprobung der CWA bezüglich Trennscheiben gesammelt bzw. gibt es Objekte oder ein Umfeld, das sich besonders negativ auf die Genauigkeit einer Messung auswirkt?“

Das Bundesgesundheitsministerium verweist in seiner Antwort auf die generellen Ergebnisse von Tests im Rahmen der App-Entwicklung.  „Ziel der Tests war die Überprüfung, mit welcher Genauigkeit die Schnittstelle in verschiedenen Szenarien (z.B. Zugverkehr, Schlange im Supermarkt, Restaurant, Party) die Begegnungsdauer und den Begegnungsabstand von Smartphones nach entsprechenden Vorgaben des RKI einschätzen kann“, heißt es.

Weitere Tests geplant, aber verspätet

Dabei sei eine Einstellung gewählt worden, die eine hohe Sensitivität der Messergebnisse gewährleistet, um möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer warnen zu können. „Durch die Einstellungen wird damit die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass tatsächliche Risikobegegnungen nicht als solche erkannt werden.“

Auf die konkreten Fragen nach möglichen Ungenauigkeiten durch Trennscheiben oder die Positionierung wird allerdings nicht eingegangen. „Dass die Bundesregierung Fragen zur Messgenauigkeit nur ausweichend beantwortet, wirkt nicht vertrauensbildend“, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Karsten Klein.

Weitere Tests dazu sind eigentlich seit September geplant. Durchgeführt werden sollen sie von Fraunhofer IIS im Raum Nürnberg, das Institut hatte bereits die früheren Simulationen gemacht. Doch die Planungen und Vorbereitungen zogen sich dann länger hin als gedacht. Der Feldversuch mit einem realen Bus soll nun aber demnächst stattfinden, geplant ist das laut Fraunhofer sogar noch vor Weihnachten.

Auch ein weiteres Update der App soll, wenn alles klappt, noch bis Jahresende kommen. Damit soll dann auch ein Kontakttagebuch eingeführt werden.  

Update: Details zur Berechnung der Risikokontakte wurden später ergänzt. Eine ausführliche aber sehr technische Erläuterung dazu gibt es hier

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