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Zu viel Bürokratie und Überregulierung macht den deutschen Firmen am meisten Angst. imago/Jochen Tack
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Umfrage unter 5000 Firmenchefs Die größte Bedrohung für das deutsche Wirtschaftswachstum ist hausgemacht

Ökonomen und Unternehmen rechnen mit einer kräftigen Erholung der Weltwirtschaft. Die größte Sorge deutscher Chefs gleich dabei fast einem Klischee.

Wie gut die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist, wird gerne am Ifo-Geschäftsklimaindex festgemacht. Der Graph des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo lag noch vor drei Jahren konstant über 100 Punkten, kann sich aber, seit er aus dem Corona-Tief vor einem Jahr zurückgekommen ist, nicht so recht entscheiden, ob die Geschäftslage besser wird. Zuletzt lag er meist bei gut 90 Punkten. Im Februar stieg der Wert zwar wieder, doch noch im Januar hatte Ifo-Chef Clemens Fuest resümiert: „Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet.“

Eine andere Studie attestiert den Firmenchefs nun allerdings „Rekord-Optimismus“ – und das weltweit. 76 Prozent der Unternehmenschefs meinen, dass sich das globale Wirtschaftswachstum in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird, heißt es in einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Unternehmensberatung PwC. Im Coronajahr 2020 hatte der Wert bei 22 Prozent gelegen. An einen Rückgang des Weltwirtschaftswachstums glauben demnach aktuell nur noch 14 Prozent. „Die CEOs sehen Licht am Ende des Tunnels“, kommentierte PwC-Deutschland-Chef Ulrich Störk. „Dieser positiven Grundhaltung schließe ich mich an.“

Deutschland wird als Wachstumstreiber gesehen

Die Unternehmensberatung hat für die Erhebung 5050 Firmen aus 100 Ländern befragt. Die Antworten aus Deutschland fielen sogar noch positiver aus als im globalen Durchschnitt. Hier rechnen 80 Prozent mit einem Wachstum der Weltwirtschaft. Dass das eigene Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten wachsen wird, glauben sogar 81 Prozent. Und auf Drei-Jahres-Sicht rechnen sogar 92 Prozent der Manager damit, dass ihre eigene Firma besser dasteht als jetzt. Bemerkenswert: Der Studie zufolge wird der deutsche Markt als drittwichtigster Wachstumstreiber hinter China und den USA gesehen.

Ganz im Zeichen der Coronakrise schätzt die Mehrheit der Chefs weltweit Pandemien als größte Bedrohung des Wirtschaftswachstums ein. Auffällig ist jedoch, dass die Firmen in den Westeuropa und Nordamerika der Umfrage zufolge andere Bedrohungen als gefährlicher bewerten. In den USA sagen sogar fast 70 Prozent der Befragten, dass Cyberangriffe ihr Geschäft bedrohen. In Westeuropa ist das ebenfalls die größte Sorge. Auch Überregulierung wird hier häufiger als wachstumsgefährdend gesehen als eine neue Gesundheitskrise.

Geradezu klischeehaft ist diese Angst in Deutschland mit einem Wert von 87 Prozent besonders ausgeprägt und damit die größte Sorge der Manager hierzulande. Im Vorjahr lag der Wert bei 79 Prozent. Die Vorbehalte gegen noch mehr Regulierung hatten sich deutlich bei der Debatte um eine Lieferkettengesetz gezeigt, als Wirtschaftsverbände vor einem "neuen Bürokratiemonster" warnten.

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Auch der Klimawandel wird als Bedrohung gesehen. Hier sehen die Manager Deutschland aber mit einem Standortvorteil, da das Land einerseits vergleichsweise gut auf den Klimawandel vorbereitet und andererseits ohnehin kaum von heftigen Wetterereignissen heimgesucht werde. Ganz im Gegenteil zu China, Indonesien, Indien und Japan – meinen die Firmenchefs. Von diesen drei Ländern wird nur Japan eine gute Vorbereitung auf die Klimawandel attestiert.

Wie stark wird China wachsen?

Mit Blick auf die Wachstumsaussichten in Deutschland kommt das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) zu einem ähnlichen Schluss wie die PwC-Studie. Im laufenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um 3,7 Prozent zulegen, teilte das Institut mit. Die Bundesregierung rechnet mit einem Plus von 3,0 Prozent. Im vergangenen Jahr war das BIP um 4,9 Prozent geschrumpft. Für das erste Quartal 2021 erwartet das IWH noch einen deutlichen Rückgang, mit Fortschreiten der Impfkampagne sei aber damit zu rechnen, dass die Lockdown-Maßnahmen Schritt für Schritt aufgehoben würden. Das würde dem Dienstleistungsbereich zugutekommen.

„Für eine rasche Erholung der Nachfrage spricht, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, auch dank staatlicher Stützungsmaßnahmen, insgesamt stabil geblieben sind“, sagte Oliver Holtemöller, Vizepräsident des IWH. Zudem profitierten die exportorientierten Produzenten von der Erholung der Weltwirtschaft.

Unstrittig ist, dass auch Chinas Wirtschaft in diesem Jahr wachsen wird. Die Regierung peilt ein Plus von sechs Prozent an. Regierungschef Li Keqiang hat sich am Donnerstag gegen Kritik gewehrt, dies sei zu unambitioniert. Es gehe darum, Erwartungen zu steuern. Das Ziel für das Wachstum solle zu der Vorgabe für 2022 passen, um größere Ausschläge zu vermeiden. Auch wenn die Firmenchefs weltweit nicht im Verdacht stehen, Freunde der Planwirtschaft zu sein, dürften sie hoffen, dass dieser Plan aufgeht. Thorsten Mumme

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