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Hoffen auf Wachstum. Von allen befragten Chefs rechnen 77 Prozent mit einer anziehenden Wirtschaftsleistung – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. imago images/Shotshop
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Umfrage unter 4500 CEOs Wie die Unternehmenschefs auf die Aussichten 2022 blicken

Wie bewerten Chefs die Lage? Eine weltweite Umfrage weckt Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft. Firmen sind wieder mehr auf sich selbst gestellt.

Um 2,7 Prozent ist die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr gewachsen. Das hatte das Statistische Bundesamt in der vergangenen Woche bekanntgegeben. Wenn man die Chefs der Unternehmen in Deutschland fragt, geht es auch im laufenden Jahr so weiter. Wie eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC unter 4500 CEOs weltweit zeigt, rechnen 76 Prozent der deutschen Führungskräfte im kommenden Jahr mit einem Anstieg des Weltwirtschaftswachstums. Nur jeder fünfte geht von einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt aus. Im Vorjahr – die Umfrage findet jährlich statt – lag die Zahl der Optimisten mit 80 Prozent allerdings noch höher.

„Die Pandemie ist noch nicht vorüber – und gleichzeitig stellen die Digitalisierung oder der demographische Wandel Unternehmen vor neue Aufgaben“, beschreibt Ulrich Störk, Sprecher der Geschäftsführung von PwC Deutschland die Situation der Chefs. „Sie müssen sich nun noch schneller und umfassender transformieren.“

Auch beim Blick auf das eigene Unternehmen bleiben die CEOs in Deutschland mehrheitlich optimistisch. 59 Prozent sind sehr zuversichtlich, dass ihre Organisation in den nächsten zwölf Monaten wächst. Doch auch hier lag der Wert mit 81 Prozent im Vorjahr deutlich höher.

Klimaschutz in den Chefetagen

Weltweit ist der Optimismus hingegen ungebrochen. Von allen befragten Chefs rechnen 77 Prozent mit einer anziehenden Wirtschaftsleistung – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Die größten Sorgen bereiten den Unternehmenslenkern der Umfrage zufolge derzeit Cyberkriminalität, der Klimawandel und geopolitische Konflikte – in dieser Reihenfolge.

Fast ein Drittel der deutschen Unternehmen verfolgt dabei das Ziel, CO2-neutral zu werden. Darunter fällt auch auch, kurzfristig unvermeidbare CO2-Emissionen durch den Kauf von Zertifikaten aus globalen Klimaschutzprojekten zu kompensieren. 17 Prozent der Befragten gaben aber an, dass ihr Unternehmen sich verpflichtet habe, die Emissionen auf oder nahe null zu reduzieren. „Grün ist für viele CEOs längst kein Trend mehr, sondern ein echter Erfolgsfaktor“, sagt Störk.

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Der zuversichtliche Blick auf 2022 deckt sich mit Einschätzungen von Ökonomen. „Ab dem Frühjahr ist aber zu erwarten, dass nach und nach die durch Lieferprobleme ausgefallene Produktion nachgeholt wird und außerdem die Deutschen einen Teil jener fast 200 Milliarden Euro ausgeben, die sie während der Pandemie zusätzlich gespart haben“, meint etwa Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Auch das IfW rechnet mit einer kräftigeren Erholung in diesem Jahr; das BIP dürfte demnach um rund vier Prozent zulegen.

Was braucht es für mehr Wachstum?

Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr im vergangenen Oktober von 3,6 auf 4,1 Prozent angehoben. Wie abhängig die Konjunktur aber von dem Verlauf der Coronakrise ist, zeigt die Tatsache, dass die Wirtschaft im letzten Quartal 2021 wohl sogar wieder geschrumpft ist.

Für nachhaltiges Wachstum braucht es ohnehin bessere Standortbedingungen, wie Interessensvertreter meinen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, forderte von der neuen Regierung angesichts der Konjunkturdaten, private Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland müssten sich wieder lohnen. Die Steuer- und Finanzpolitik könne einen wichtigen Beitrag leisten. Angesichts einer hohen Steuerbelastung für die Betriebe und hoher Energiepreise brauche die Wirtschaft jetzt dringend einen beschleunigten Netzausbau.

Auf direkte Hilfe vom Staat können Unternehmen in den nächsten Monaten aber wohl weniger hoffen. „Wir haben uns während der Pandemie an hohe Staatsleistungen gewöhnt. Diese Phase muss enden“, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner der „Welt am Sonntag“. „Deshalb sehe ich das Ausloben neuer Boni, Subventionen und Programme kritisch.“

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