US-Präsident Donald Trump. Foto: imago
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Umfrage nach den US-Wahlen Was sich Unternehmen von Trump und dem US-Kongress wünschen

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Wie bewerten Unternehmen mit starkem US-Geschäft das Ergebnis der Kongresswahlen? Die AmCham Germany hat für den Tagesspiegel ihre Mitglieder befragt.

Unternehmer stimmt die Aussicht auf politische Blockaden selten positiv. Doch angesichts der immer neuen Handelskonflikte, die US-Präsident Donald Trump in den vergangenen zwei Jahren angezettelt hat, muss Stillstand ja nicht das Schlechteste sein. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, warum man in vielen Unternehmen, die enge Beziehungen zu den USA pflegen, die Lage nach den Zwischenwahlen am vergangenen Dienstag verhalten positiv einschätzt.

Jedenfalls rechnet immerhin fast die Hälfte (47 Prozent) der Mitglieder der deutsch-amerikanischen Handelskammer damit, dass die jüngsten Wahlergebnisse einen positiven oder gar sehr positiven Effekt auf die transatlantischen Beziehungen haben werden. Insgesamt 38 Prozent erwarten dies für das Klima in der Weltwirtschaft insgesamt. Nur eine Minderheit von insgesamt acht beziehungsweise zwölf Prozent erwartet negative oder sehr negative Auswirkungen wegen der Wahlen zum Kongress und Senat in den USA.

Eine Mehrheit erwartet keinen Kurswechsel

Auf Bitten des Tagesspiegels hatte die American Chamber of Commerce in Germany (AmCham Germany) einen Fragebogen an ihre mehr als 3000 Mitglieder verschickt. Das sind vor allem US-Unternehmen mit starker Präsenz in Deutschland und deutsche Unternehmen, die stark in den USA engagiert sind. Insgesamt beteiligten sich 182 Unternehmensvertreter an der Blitzumfrage, davon 126 Personen von deutschen Unternehmen, 43 von US-Unternehmen und 13 von weiteren internationalen Firmen.

Eine knappe Mehrheit (51 Prozent) von ihnen erwartet keine konkreten politischen Veränderungen in Folge der Wahlen. Ein gutes Drittel (36 Prozent) rechnet sehr wohl damit – und 13 Prozent der Teilnehmer sind sich nicht sicher.

Auf Anregung des Tagesspiegels schickte die AmCham am Mittwoch nach den Kongresswahlen 2018 einen Fragebogen an ihre Mitglieder. Hier zwei Ergebnisse. Grafik: Nils Klöpfel
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Wäre das Leben ein Wunschkonzert, würden sich 52 Prozent vom neuen US-Kongress Investitionen in Infrastruktur wünschen (Mehrfachnennungen möglich). 46 Prozent hoffen auf eine Reform des Gesundheitssystems – und immerhin 41 Prozent der AmCham-Mitglieder wünschen sich einen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien.

Hoffen auf "konstruktive Zusammenarbeit" von Trump und Kongress

Unabhängig von den Wünschen fürs eigene Unternehmen hält eine knappe Mehrheit (53 Prozent) eine Entspannung der Handelsbeziehungen für wahrscheinlich. Nur 35 Prozent der AmCham-Mitglieder erwarten ein Zurückfahren der von den USA verhängten Sanktionen – zum Beispiel gegen Iran und Russland. Und etwas weniger als ein Drittel (32 Prozent) rechnet damit, dass sich die USA unter der leicht veränderten politischen Konstellation sich doch wieder zu einem internationalen Klimaschutzabkommen bekennt. 30 Prozent rechnen mit einem Ausbau des Gesundheitssystems. Und nur eines von fünf Mitgliedern der AmCham erwartet das die Trump-Administration die Einreisebestimmungen lockert.

„Unsere Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Befragten keine direkten Veränderungen jetzt nach den US-Zwischenwahlen erwartet. Trotzdem geben uns die Ergebnisse Anlass zu einer vorsichtig positiven Bewertung“, sagte AmCham-Präsident Frank Sportolari – im Hauptberuf Deutschlandchef des Logistikers UPS – dem Tagesspiegel. (Lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit ihm). Er hoffe auf eine konstruktive Zusammenarbeit Trumps mit dem Kongress. „Aus unserer Sicht ist es notwendig, dass beide Parteien an einem Strang ziehen und sich kompromissbereit zeigen“, sagte Sportolari weiter.

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