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Aktuell sieht es mau aus an den Börsen, doch Anleger hoffen auf einen besseren Sommer. Courtney Crow/New York Stock Exchange/AP/dpa
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Trotz aktueller Rückschläge Börsianer so optimistisch wie lange nicht mehr

Der Dax sinkt; Sorge vor steigender Inflation lässt Börsen wackeln, doch mittelfristig rechnen die Anleger mit einer kräftigen Erholung der Konjunktur.

Kurzfristig dominieren die Sorgen, doch mittelfristig überwiegt noch immer der Optimismus. So lässt sich der Dienstag an den Börsen zusammenfassen. Dennoch lag der deutsche Leitindex Dax am frühen Abend rund zwei Prozent und dem Wert um 15.100 Punkten deutlich im Minus. Es war vor allem die Furcht vor einer anziehenden Inflation und damit einhergehenden steigenden Zinsen, die Anleger dazu verleitete, zu verkaufen und Gewinne mitzunehmen.

Hintergrund ist der Anstieg der Inflationserwartungen in den USA auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. „Erfüllen sich diese Prognosen, dürfte die Notenbank Fed eher früher als später gezwungen sein, den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen und auf die Bremse zu treten“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Damit wäre der Hauptgrund für die haussierenden Märkte passé.

Wie in den USA steigen auch in der Euro-Zone die Inflationserwartungen kräftig an. Das Barometer für die langfristigen Inflationserwartungen in der 19- Länder-Gemeinschaft, der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, kletterte am Dienstag auf 1,6075 Prozent. Das ist das erste Mal seit Dezember 2018, dass die Marke von 1,60 Prozent übertroffen wurde. Die Zahl bedeutet, dass Anleger an der Börse zwischen 2026 und 2031 eine Inflationsrate von durchschnittlich etwas mehr als 1,60 Prozent erwarten.

Preise für bestimmte Güter schnellen in die Höhe

Gründe für die Inflationstendenz ist zum einen die Geldflut in Folge der Coronahilfspakete. Zum anderen sind aber auch einige Güter derzeit aufgrund unterbrochener Lieferketten knapp, was die Preise in bestimmten Bereichen in die Höhe schnellen lässt.

Unter 15.000 Punkte sank der Dax am Dienstag allerdings nicht. Der Abwärtstrend an den Märkten könnte von kurzer Dauer sein. Börsianer blicken angesichts sinkender Corona- Neuinfektionen so optimistisch auf die deutsche Konjunktur wie seit mehr als 21 Jahren nicht mehr. Das Barometer ihrer Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten sechs Monaten stieg im Mai um 13,7 auf 84,4 Zähler. Das sei der höchste Wert seit Februar 2000, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 188 Analysten und Anlegern mitteilte.

Das Ende der dritten Welle wecke Hoffnung

Im April hatte es noch einen Rückgang nach zuvor vier Anstiegen gegeben. „Das Bremsen der dritten Covid-19-Welle hat die Finanzmarktexperten noch optimistischer werden lassen“, meinte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Auch der Ausblick für das Eurogebiet und die USA habe sich verbessert. „In Anbetracht gut gefüllter Auftragsbücher wären eigentlichen auch die Weichen für ein kräftiges Anziehen der Industriekonjunktur gestellt“, sagte auch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Besonders die Nachfrage aus dem Ausland sorgt für Optimismus. (mit rtr)

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