Von Emotionen, wie sie Fußball auslöst, können Versicherer nur träumen. Foto: picture alliance / Paul Zinken/d
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Tore bejubeln und Rabatte kassieren Wie Konzerne Fußballfans umwerben

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Mit jedem Tor wird die Versicherung günstiger, steigen die Zinsen. Um Fans als Kunden zu gewinnen, lassen sich Versicherer und Banken einiges einfallen. Was Verbraucherschützer davon halten.

Stellen Sie sich vor, Ihr Lieblingsfußballer schießt ein Tor und Sie sparen damit auch noch Geld. Das klingt zu schön, um wahr zu sein – aber immer mehr Versicherer, Banken und Energieversorger bieten solche Deals an. Unter den Versicherern geht die Signal Iduna jetzt besonders weit: In Kooperation mit dem Berliner Start-up Element hat der Konzern eine Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung für Fans von Borussia Dortmund entwickelt.

Mit jedem Tor, das die Mannschaft schießt, sinkt der Versicherungsbeitrag; landet der BVB mindestens auf Platz drei der Bundesliga, ist ein Extra-Rabatt drin. Außerdem gibt es „eine Frustpauschale“, wenn man es aufgrund eines Unfall nicht ins Stadion schafft. Und behebt man den Hausratsschaden selbst, spendiert die Versicherung, die den BVB sponsert, einen Kasten Bier.

Das klingt fast, als wäre der Versicherungskonzern ein netter Kumpel – und genau das ist das Kalkül. Man würde so erreichen, „dass sich Kunden in regelmäßiger und positiver Interaktion mit ihrer Versicherung befinden“, sagt Torsten Uhlig, Bereichsleiter Marketing bei dem Versicherungskonzern.

Denn von dem, was Fans mit ihrem Club verbindet – Leidenschaft und Emotionen – kann ein Versicherungskonzern nur träumen. Wer jubelt schon beim Anblick seiner Hausratspolice?

Den Fußballclub sponsern, reicht vielen Konzernen nicht mehr

Auch deshalb sponsern schon länger viele Versicherungskonzerne Fußballclubs. Neben der Signal Iduna zahlen die Allianz, Barmenia, DEVK, HDI und die R+V Versicherungen Millionensummen, um auf Trikots und im Stadion mit ihrem Logo präsent zu sein. Weil das aber inzwischen fast alle machen, reicht das vielen nicht mehr. Auch die Allianz hat deshalb bereits mit einer Fan-Versicherung experimentiert.

Für zwei Euro pro Heimspiel konnten Anhänger des FC Bayern München sich bis zum Ende der Saison 2015/2016 gegen Unfälle im Stadion versichern. Auch hierbei gab es eine Entschädigung, wenn man unverschuldet zu spät ins Stadion gekommen ist oder dort seinen Schlüssel verloren hat. Bei Verbraucherschützern kam das aber gar nicht gut an.

Der Bund der Versicherten meinte, man solle die zwei Euro lieber für eine Bratwurst im Stadion ausgeben – und verlieh der Allianz einen Negativpreis. Bei dem Versicherungskonzern heißt es hingegen, das sei nur ein Test gewesen, den man eingestellt habe, weil „noch signifikante Investitionen im IT-Umfeld notwendig gewesen wären“.

Das Angebot der Signal Iduna will sich der Bund der Versicherten erst einmal in Ruhe anschauen. Mit dem Tor-Bonus sollten Fans sich nicht unüberlegt ködern lassen, sagt eine Verbandssprecherin. „Entscheidend sind die Versicherungsbedingungen“, also zum Beispiel die Frage, ob die Police auch im Fall eines Auslandsaufenthalts gilt.

Auch Banken und Versorger wollen Fans anwerben

Dabei kann das Konzept, Fans für Tore zu belohnen, durchaus aufgehen. Die Hypovereinsbank zum Beispiel bietet seit 2003 ein Sparbuch für Fans des FC Bayern München an: Für jedes Heimtor gibt es einen kleinen Zinsbonus, für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft einen größeren.

Aktuell kommen Fans so auf 1,56 Prozent. Wie viele Kunden das Angebot nutzen, will ein Sprecher der Bank nicht verraten. Dass die HVB das Sparbuch schon so lange anbiete, spreche aber für den Erfolg des Konzepts.

Auch im Energiesektor hat sich ein solches Modell durchgesetzt. Diverse Fußballclubs bieten ihren Fans spezielle Stromverträge an, deren Konditionen an den Erfolg auf dem Platz geknüpft sind. Borussia Dortmund und St. Pauli arbeiten dafür mit dem Ökoanbieter Lichtblick zusammen, bei Union Berlin bekommen Fans Strom von M4Energy. Während man beim BVB eine Gutschrift bekommt, die vom Punktestand in der Bundesliga abhängt, fließt bei Union Berlin pro verbrauchter Kilowattstunde ein Cent an den Verein.

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