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Will die Bahn mit KI deutlich pünktlicher machen: Daniela Gerd tom Markotten. Foto: Timm Schamberger/picture alliance/dpa
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Technik-Vorständin im Podcast Fast Lane Künstliche Intelligenz soll Deutsche Bahn pünktlich machen

Dieter Fockenbrock

Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sagt Daniela Gerd tom Markotten. Bahnreisende sollen von schnellem Internet und hoher Zuverlässigkeit profitieren.

Für die neue Technikchefin der Deutschen Bahn (DB), Daniela Gerd tom Markotten steht der Lokführer trotz fortschreitender Digitalisierung des Schienenverkehrs nicht vor der Ablösung. „Bei uns ist das nicht so entscheidend wie bei einem Lkw“, sagte sie im Podcast Fast Lane des Tagesspiegels. Ein Lokomotivführer fahre einen Zug mit bis zu 800 Passagieren oder 52 Güterwagen. Der wirtschaftliche Hebel sei deshalb „nicht so hoch“ wie im Lkw-Verkehr. „Wir haben andere Themen wie etwa das Internet, wo wir für Kunden einen viel größeren Mehrwert schaffen können“, ergänzte die 47-jährige Managerin in dem Podcast für Tagesspiegel Background.

Gerd tom Markotten hat ihr Amt als Vorstand für Digitalisierung und Technik im vergangenen September angetreten und arbeitete zuvor unter anderem für die Nutzfahrzeug-Sparte des Stuttgarter Daimler-Konzerns. Sie will nun die Digitalisierung der Eisenbahn vorantreiben, legt aber Wert darauf, dass die neue Technologie nicht als Selbstzweck installiert wird. „Am Ende muss es für Reisende und Mitarbeitende besser werden.“ Gerd tom Markotten will „Digitalisierung spürbar machen“ im Alltag der Bahn-Nutzerinnen und Nutzer.

Als Beispiel nannte sie die Digitalisierung des S-Bahn-Knotenpunktes Stuttgart. Künstliche Intelligenz helfe hier, Entscheidungen für den Verkehrsfluss auf der Schiene zu optimieren und Taktzeiten zu verbessern. Das Projekt habe gezeigt, dass täglich 17 S-Bahnzüge in allen Richtungen mehr durch das Nadelöhr Stuttgart gefahren werden könnten. Dieses im Südwesten erprobte System werde daher in diesem Jahr auf die Räume München und Rhein-Main ausgerollt, kündigte die Bahn-Managerin an.

Langfristig will Gerd tom Markotten für das gesamte Bahnnetz einen digitalen Zwilling erstellen, in dem der Zugverkehr in Echtzeit abgebildet wird. Mit einer Art Videoclip sollen die Disponenten in den Stellwerken dann in die Zukunft vorspulen können. So sollen Störungen und Zug-Staus erkannt und behoben werden, bevor sie entstehen.

Bei einem deutschlandweiten Einsatz von KI könne die Pünktlichkeit so um mehr als zehn Prozentpunkte erhöht werden, heißt es im DB-Konzern. Wenn eine KI die Züge steuert, würde zudem die Kapazität des Schienennetzes deutlich erhöht. Doch damit das funktioniert, müssen zunächst alle Bahnstrecken, Stellwerke und Züge für einen digitalen Zugbetrieb umgestellt und vorbereitet werden.

Dieses 32-Milliarden-Euro-Großprojekt der Deutschen Bahn, die so genannte „Digitale Schiene“, ist für Gerd tom Markotten ein weiteres zentrales Vorhaben, um den Schienenverkehr kundenfreundlicher und zuverlässiger zu machen. Durch die Einführung der digitalen Zugsicherungstechnik European Train Control System (ECTS) könnten Züge dichter hintereinander fahren, ohne dass Bahnstrecken ausgebaut werden müssten. „Man weiß genauer, wo die Züge sind“ und müsse nicht mehr wie heute mit so großen Sicherheitsabständen fahren, sagt die Managerin. Allein dadurch soll die Kapazität des Schienennetzes um ein Fünftel gesteigert werden.

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Einen Zeitpunkt, an dem die Digitalisierung des Netzes vollständig umgesetzt sein wird, nannte Gerd tom Markotten nicht. Viel wichtiger ist es ihr nach eigenen Worten, „wo spürt der Kunde das zum ersten Mal“. Das Projekt in Stuttgart beispielsweise zeige, dass Digitalisierung „einen echten Effekt für die Kunden hat“.

Profitieren sollen die Kunden auch von „Smart Maintenance“. Sensoren an wichtigen Bauteilen und eine KI-basierte Fahrzeugdiagnose sollen für weniger Pannen bei den Fahrzeugen sorgen und die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bahnbetriebs erhöhen. Dafür werden Züge bei der Wartung zukünftig standardmäßig über so genannte Kamerabrücken fahren, die den Zustand der Waggons an neuralgischen Stellen wie den Radsätzen genau erfassen können.

Gerd tom Markotten war einige Jahre bei Daimler für die Softwareentwicklung und Fahrzeugtelematik verantwortlich, aber auch für den Digitalbereich der Nutzfahrzeugsparte. Zum Schluss leitete sie den Mobilitätsdienstleister Moovel, ein Joint-Venture von Daimler und BMW. Die Bahn-Managerin ist promovierte Wirtschaftsingenieurin und interessiert sich nach eigenen Angaben seit dem Kindesalter für Computer.

Beim Staatskonzern Deutsche Bahn ist sie nicht nur für die Digitalisierung verantwortlich. Gerd tom Markotten leitet auch die so genannte schwere Instandhaltung mit 8000 Beschäftigten und zwölf Werken. Hier müssen Tausende Lokomotiven und Waggons der Bahn überholt und für den laufenden Betrieb fit gemacht werden.

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