Ein Bahn-Ingenieur überprüft die Elektronik. W-Lan gibt es bisher nur in ICEs flächendeckend. Foto: ddp
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Surfen beim Zugfahren So will die Bahn WLAN in allen Zügen bereitstellen

Ende 2021 sollen auch alle ICs mit kabellosem Internet ausgestattet sein. Doch bis man auf allen Strecken telefonieren kann, wird es noch dauern.

Die Deutsche Bahn will im Laufe des Jahres ihr WLAN-Angebot für Reisende erheblich verbessern. Kunden sollen im Zug und am Bahnsteig künftig das gleiche WLAN-Netz nutzen können, ohne sich jedes Mal wieder neu anmelden zu müssen.

„Wir wollen unseren Kunden nahtloses Surfen ermöglichen – in den Zügen und an den Bahnhöfen“, bestätigt DB-Digitalvorständin Sabina Jeschke entsprechende Berichte.

2020 sollen die ersten Bahnhöfe mit der Technik ausgestattet werden. Bis alle rund 5700 Bahnhöfe und alle Züge über die Technik verfügen, dürfte es jedoch noch dauern. Zunächst nehme man die Orte ins Visier, an denen besonders viele Reisende ein- und aussteigen.

Das Vorhaben ist eines der zentralen Digitalisierungsvorhaben der Deutschen Bahn. Rund zwei Milliarden Euro hat die Bahn in den nächsten vier Jahren für den „Masterplan Connectivity“ veranschlagt. Bisher bietet die Bahn einen kostenlosen WLAN-Zugang nur in ihren ICEs an. Bis Ende 2021 sollen auch alle ICs mit kabellosem Internet ausgestattet werden.

Bis 2024 Mobilfunk auf allen Strecken

Die Versorgung ist während der Fahrt allerdings nach wie vor häufig unterbrochen, wie viele Kunden beklagen. Auch das Mobilfunknetz weist immer noch weiße Flecken auf. Das soll besser werden, verspricht Jeschke, die seit Anfang des Jahres auch die Fahrzeuginstandhaltung mit insgesamt 7500 Mitarbeitern bei der Bahn verantwortet.

Dabei komme es auch auf die Infrastruktur entlang der Strecke an. Für die Installation von Funkmasten seien die Mobilfunkanbieter zuständig. In der Frequenzauktion 2019 wurden entsprechende Auflagen festgelegt. Die Bahn geht davon aus, dass sich die Anbieter daran halten. Ziel sei es, bis Ende 2022 die Strecken mit täglich mehr als 2000 Fahrgästen mit mindestens 100 Mbit/s und zwei Jahre später dann alle Strecken mit Mobilfunk zu versorgen.

Ungenutzte Teile der DB-Kabel-Infrastruktur sollen Mobilfunkanbieter demnach nutzen können, um weitere Regionen an das Glasfasernetz anzuschließen. Vertrieben wird es durch die neu gegründete DB Broadband. Außerdem soll die neue Gesellschaft Flächen und eigene Gebäude vermieten, auf denen die Mobilfunkanbieter Funkmasten installieren und an das Glasfasernetz anschließen können. Das würde den Ausbau von 4G und 5G unterstützen – und könnte helfen, ein flächendeckendes mobiles Internet im Zug zu installieren.

Neues Bahn-Werk in Cottbus geplant

Verzögerungen bei der Instandhaltung und der Bereitstellung von Ersatzteilen hält die Züge häufig länger als nötig in der Werkstatt. Das geschmälerte Zugangebot sorgt für Zugausfälle und Verspätungen. 3D-Druck soll Abhilfe schaffen. Im vergangenen Jahr hat die DB rund 5000 Teile gedruckt, bis 2021 soll sich die Anzahl verdoppeln.

Der 3D-Druck ist Teil einer neuen Technikstrategie, die die Bahn in diesem Jahr vorstellen will. Darin dürfte auch von sogenannten digitalen Zwillingen die Rede sein, mit denen die Bahner bei der Instandhaltung und Wartung der Züge künftig arbeiten sollen. So nennen Techniker virtuelle Abbildungen von Maschinen oder Fahrzeugen, mithilfe derer sich beispielsweise mögliche Verschleiße vorhersagen und damit Ersatzteile frühzeitig bestellen lassen.

Eines der modernsten Werke Europas für die Wartung und Instandhaltung von Zügen soll in Cottbus entstehen, wie Vorständin Jeschke durchblicken ließ. Laut Medienberichten sind Millioneninvestitionen an dem Standort geplant. Unter anderem soll dort ein neues Technikzentrum errichtet werden.

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