Auf dem Bildschirm eines iPhones wird die Messenger-App Slack angezeigt. Foto: Fabian Sommer
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Statt E-Mail Wie Slack sich für deutsche Büros unverzichtbar machen will

In Start-ups ist der Kommunikationsdienst Slack bereits weit verbreitet. Eine neuer Standort in Deutschland soll helfen, noch mehr Unternehmen zu erschließen.

In vielen Büros gehört Slack bereits zum Alltag, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern läuft in zahlreichen Unternehmen über das verhältnismäßig junge Tool. Bald könnten es hierzulande noch mehr werden. Der Messaging- und Kommunikationsdienstleister Slack will Europa als Wachstumsmarkt noch stärker in den Blick nehmen und besonders in Deutschland wachsen. „Deutschland ist ein perfektes Land für uns“, sagte Slack-Chef und Mitgründer Stewart Butterfield der Deutschen Presse-Agentur in München. „Wir sollten hier zehnmal mehr Kunden haben als heute.“

Dabei will Slack Datenschutz als Verkaufsargument einsetzen. Denn ein entscheidendes Thema für die Kunden in Europa sei, dass ihre Daten auch hier gespeichert würden, sagte der neue Slack-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Oliver Blüher. „Das ist extrem wichtig, keine Frage.“ Das US-Unternehmen hatte kürzlich die Speicherung auch in Deutschland angekündigt. Ziel sei weiterhin, nach der nun bereits mit Kunden laufenden Testphase im Dezember regulär zu starten. Slack baut sein Deutschland-Büro gerade in München auf.

Das Onlinetool bietet Unternehmen eine Teamsoftware zur Kommunikation – vom einfachen Chat bis zur komplexen Zusammenarbeit etwa bei Projekten sind verschiedene Anwendungsfälle möglich. Dies soll auch eine Alternative zu E-Mails sein. „Wir haben nie gesagt, wir seien ein E-Mail-Killer“, betonte Butterfield. Aber Slack sei in vielen Fällen besser. Mittlerweile hat Slack auch eine Verbindung zu E-Mails geschaffen. „Die Möglichkeit einer solchen Brücke ist sehr wichtig.“ Zudem lassen sich in Slack aktuell viele hundert Apps integrieren und damit andere Anwendungen wie Kalender, Auftragsabwicklung und Projektmanagement direkt ansteuern.

Der Kanadier Butterfield hatte Slack 2013 gestartet und ist nach wie vor CEO des Unternehmens. Zur Jahresmitte 2019 ging seine Firma in den USA an die Börse. Mit seiner kostenlosen Basisversion ist Slack besonders bei Start-ups beliebt. Es sei aber keineswegs richtig, dass große Unternehmen weniger Interesse zeigen würden, sagte Butterfield. Im Gegenteil, Slack sei gerade für Konzerne mit vielen Mitarbeitern ideal und erfolgreich.

Konkurrenz von Microsoft- und Facebook-Diensten

Die Zahlen sehen die beiden Manager dabei auf ihrer Seite. Blüher betonte: „60 Prozent der im deutschen Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen sind zahlende Slack-Kunden.“ Doch nicht jeder Kunde bringt sofort Geld ein. Einnahmen erzielt der Anbieter nur mit den Bezahlversionen, die in mehreren Stufen unter anderem mehr Features und Datenspeicherung bieten. Das Feld für Bürokommunikationssoftware hat Slack indes nicht mehr exklusiv. Neben dem Start-up haben unter anderem auch die Konzerne Microsoft („Teams“) und Facebook („Workplace“) später gestartete Konkurrenzprodukte – und es gibt noch weitere kleinere Anbieter. Besonders Microsoft drängt aber massiv in den Markt. „Natürlich spüren wir den Druck“, räumte Butterfield ein. Slack verzeichnete zuletzt nach eigenen Angaben rund zwölf Millionen täglich aktive Nutzer, Microsoft „Teams“ etwa 13 Millionen. Butterfield hält im Prinzip auch eine Brücke zur Kommunikation zwischen den verschiedenen Diensten für denkbar. „Wir wären dafür definitiv offen.“ Zugleich nannte er das aber „sehr komplex“ und schränkte ein: „Das ist technisch schwieriger als es scheinen mag.“

München mehr und mehr ein Schlüsselort der digitalen Landschaft

Größter Markt für Slack ist die USA – gefolgt von Japan. Bereits seit einiger Zeit arbeite rund die Hälfte der Nutzer außerhalb der USA und Kanada. „Europa ist ein enormer Markt.“ Traditionell sei Slack hier besonders in Skandinavien sehr erfolgreich. Vom neuen Deutschland-Standort in München aus sollen neben einem Verkaufsteam auch IT-Mitarbeiter und Kundenberater im Einsatz sein. Beschäftigtenzahlen nannte Bühler nicht. Die bayerische Landeshauptstadt wird damit mehr und mehr zu einem Schlüsselort der digitalen Landschaft. In München hat auch Microsoft seine Deutschland-Zentrale. Und Googles inzwischen größter deutscher Standort ist dort, obwohl die Landeszentrale in Hamburg sitzt.

Slacks Entscheidung für München fiel besonders mit Blick auf das Potenzial großer Unternehmen im Süden. In der Auswahl waren auch Hamburg als Medienstadt und Berlin mit seinen vielen Start-ups. Doch hier, so heißt es, ist Slack ohnehin bereits gut vertreten. Weltweit hat Slack mittlerweile mehr als 1800 Mitarbeiter an einem Dutzend Standorten. Dass Slack aber noch einen langen Weg vor sich hat, wurde nach dem Börsenstart im Juni deutlich. Denn wie viele Technologie-Start-ups war auch Slack enorm hoch bewertet. Der Kurs sank seither um mehr als 30 Prozent. Butterfield relativierte: „Der Kurs ist nicht wirklich schlecht.“ Und schob nach: „Gut ist er aber auch nicht.“ (dpa)

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