General view of the Natural Gas Liquids (NGL) facility in Saudi Aramco's Shaybah oilfield at the Empty Quarter in Saudi Arabia May 22, 2018 Foto: Ahmed Jadallah
© Ahmed Jadallah

Staatkonzern Aramco Warum viele Anleger skeptisch auf den Börsengang von Saudi-Arabiens Ölkonzern reagieren

Das reichste Unternehmen der Welt, fast so wertvoll wie Apple und Microsoft zusammen, geht an die Börse. Doch nicht alle Investoren sind begeistert.

Auf den ersten Blick sieht alles nach einem Traum für Investoren aus. Das profitabelste Unternehmen der Welt, das im Alleingang zehn Prozent der weltweiten Ölproduktion stemmt und mit einem Gewinn von 111 Milliarden Dollar im Jahr selbst Technologie-Riesen wie Apple in den Schatten stellt, verkauft erstmals Anteile an private Anleger: Saudi-Arabien schickt seinen staatlichen Ölkonzern Aramco an die Börse. Der Plan ist ein Kernstück des wirtschaftlichen Reformprogramms von Thronfolger Mohammed bin Salman. Der Prinz will die Erlöse aus der Teilprivatisierung verwenden, um das Königreich auf eine Zukunft ohne Öl vorzubereiten. Doch es gibt Vorbehalte. Der brutale Umgang des Thronfolgers mit Kritikern, geopolitische Risiken und klimapolitische Einwände bremsen die Begeisterung.

Alles an Aramco ist gigantisch. Der Konzern ist nach Einschätzung von Analysten bis zu 1,7 Billionen Dollar wert, Saudi-Arabien selbst spricht sogar von zwei Billionen – Apple und Microsoft kommen jeweils auf etwa eine Billion. Aramco fördert jeden Tag etwa zehn Millionen Barrel Öl (ein Barrel sind 159 Liter), wobei die Produktionskosten wegen der gut erreichbaren Lagerstätten bei nur etwa drei Dollar pro Barrel liegen und damit niedriger als bei anderen Ölmultis. Insgesamt sitzt Aramco auf Vorräten von fast 230 Milliarden Barrel Öl.

 Immer wieder Verzögerungen beim Börsengang

Nach dem offiziellen Startschuss für die Teilprivatisierung am Sonntag sollen ein bis zwei Prozent der Anteile für saudische Privatleute und internationale institutionelle Anleger zugänglich gemacht werden. Damit könnte der Börsengang bis zu 40 Milliarden Dollar einbringen, weit über dem bisherigen Weltrekord von 25 Milliarden, der vom chinesischen Internetunternehmen Alibaba gehalten wird. In den kommenden Wochen soll ein Preis für die Aktien festgesetzt werden. Der Handel könnte laut dem saudischen Satellitensender Al Arabiya am 11. Dezember beginnen.

Aramco spricht von einem historischen Meilenstein, doch die Superlative sind nicht die ganze Wahrheit. Der Börsengang hat sich in den vergangenen drei Jahren immer wieder verzögert. Ursprünglich wollte Thronfolger Mohammed bin Salman, der de-facto-Herrscher in Saudi-Arabien, weitere drei Prozent der Aramco-Anteile an internationalen Börsen platzieren, doch daraus wird erst einmal nichts. Medienberichten zufolge befürchtet die Regierung in Riad, dass internationale Investoren weniger enthusiastisch reagieren würden als erhofft.

Saudische Politik schreckt Investoren ab

Der Prinz ist daran nicht unschuldig. Er will Saudi-Arabien in die Moderne führen, duldet aber keinen Widerspruch. Mohammed bin Salman wird von westlichen Regierungen und Geheimdiensten für die brutale Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi im vergangenen Jahr verantwortlich gemacht. Auch sonst ist die Menschenrechtslage unter seiner Herrschaft verheerend. Im Königreich wurden laut Amnesty International im vergangenen Jahr 149 Menschen hingerichtet; nur in China und dem Iran waren es mehr. Der Krieg des Thronfolgers im Jemen hat die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt ausgelöst.

Auch die mangelnde Transparenz des Königshauses lässt manche Investoren zögern. Selbst nach der Privatisierung gehören die allermeisten Aramco-Anteile dem saudischen Staat, dessen Entscheidungen für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar sind. Aramco veröffentlicht erst seit kurzem Unternehmenszahlen.

 Umweltschädlichster Ölproduzent

Zudem macht den Saudis der gesunkene Ölpreis zu schaffen: Die Einnahmeverluste reißen große Löcher in den Staatshaushalt. Die Drohnen-Angriffe auf saudische Ölanlagen im September demonstrierten außerdem die Risiken für Aramco angesichts der vielen politischen Spannungen im Nahen Osten. Internationale Ratingagenturen stuften damals die Verlässlichkeit des Unternehmens als Anlageziel ab.

Grundsätzlichere Probleme kommen hinzu. Kritiker sehen Aramco als Energie-Dinosaurier, der nicht zum Zeitalter des Klimawandels passt. Nach einer Studie für die britische Zeitung „Guardian“ ist der saudische Konzern für mehr als vier Prozent aller weltweiten CO2-Emmissionen seit 1965 verantwortlich und damit der schlimmste Klimasünder aller Öl- und Gas-Unternehmen auf dem Globus.

Aramco betont, das Unternehmen bemühe sich um eine Reduzierung von Klimagasen und engagiere sich in Initiativen wie einem Projekt zur unterirdischen Speicherung von C02. Dennoch verzichten manche Investoren auf einen Einstieg bei Aramco. Der staatliche Investmentfonds Temasek in Singapur und der norwegische Staatsfonds zum Beispiel erklärten, sie wollten sich fernhalten. 

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