Voll. Viele besonders beliebte Touristenziele wie etwa das türkische Kemer, stehen vor dem Kollaps. Foto: imago/ITAR-TASS
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Reisemarkt wächst 1,8 Milliarden Touristen im Jahr 2030

Der Tourismus boomt weltweit, offenbart aber auch seine Schattenseiten. Nun warnt die Reisebranche selbst vor dem Kollaps besonders beliebter Ziele.

Es sind gute Zeiten für die Reisebranche. Rund um den Globus soll die Touristenzahl bis 2030 um 500 Millionen auf dann 1,8 Milliarden Gäste pro Jahr wachsen. Allein im ersten Halbjahr gab es einen weiteren starken Zuwachs um sechs Prozent. Der Tourismus ist weltweit eine der bedeutendsten Wirtschaftsbranchen und sorgt auch in unterentwickelten Regionen der Erde für dringend benötigte Jobs und Investitionen.

Doch die Schattenseiten des Reisebooms sind unverkennbar und werden auch von der Branche nicht mehr verdrängt. Nötig seien „Lösungen und Strategien, wie man die Touristenströme steuern kann“, sagt Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der Tourismuswirtschaft (BTW). Der frühere TUI-Konzernchef forderte auf dem Tourismusgipfel in Berlin mit eindringlichen Worten mehr Achtsamkeit und zum Handeln auf: „Wir riskieren sonst den Kollaps besonders begehrter Ziele und damit die Grundlage unserer Geschäftsmodelle.“

Die Branche werde der „Verantwortung für den Schutz und Erhalt unserer natürlichen Ressourcen nicht gerecht“, kritisiert Frenzel. Sein Appell: „Lassen Sie uns gemeinsam an Lösungen arbeiten, wie wir auch künftig Reiselust statt Reisefrust garantieren können.“ Ein Thema auch auf der Tagung: der „Overtourism“, das Problem zunehmend überlaufener Destinationen, darunter die Urlaubsinsel Mallorca oder Kreuzfahrtziele wie Dubrovnik, Venedig oder Barcelona. Dort nehmen Proteste und Widerstände gegen die Touristenflut zu.

Mehr Chinesen können sich Auslandsreisen leisten

Mit dem erfreulich wachsenden Wohlstand können sich vor allem immer mehr Chinesen auch Auslandsreisen leisten. Die Gäste aus dem Riesenreich in Fernost mit 1,5 Milliarden Einwohnern sind oft ausgabefreudig und gehen zunehmend auch in Europa auf Rundreise. „Für viele ist Reisen ein Grundbedürfnis und das wird auch gelebt“, betont Frenzel.

Das gilt ebenso für die Bundesbürger, die auch 2018 den Veranstaltern ein Rekordjahr bescheren. Die Umsätze mit Pauschal- und anderen organisierten Reisen könnten im Touristikjahr 2018/19, das mit der Wintersaison am 30. April endet, um weitere zwei Milliarden Euro auf fast 36 Milliarden Euro klettern. Die Buchungen legten jedenfalls bisher teils enorm zu, auch für wegen Terrorschlägen lange gemiedene Ziele wie die Türkei, Ägypten und Tunesien. In diesem Winter erwarten die Veranstalter zudem einen weiteren Fernreiseboom, die Karibik, Südostasien und das südliche Afrika sind als Sonnenziele besonders beliebt.

Neun Rekordjahre für deutsche Reiseziele

Auch die heimischen Ferienziele zwischen Rügen, Ostfriesland, dem Schwarzwald und Oberbayern profitieren und erwarten das neunte Rekordjahr in Folge. Der lange und heiße Sommer ließ die Geschäfte an Ost- und Nordsee-Stränden und den deutschen Badeseen brummen, zudem stehen vor allem Städtereisen nach Berlin, Heidelberg oder zum Oktoberfest nach München auch im Ausland hoch im Kurs. Bis August zählten die hiesigen Gastgeber bereits 326 Millionen Übernachtungen, ein Plus von vier Prozent.

Zu den Schattenseiten des Reisebooms zählen auch die Umweltbelastungen, besonders durch die stark zunehmenden Flugreisen, die viele schädliche Emissionen und gesundheitsgefährdenden Lärm verursachen. Bis September zählten allein die deutschen Flughäfen 185 Millionen Passagiere, fast drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und vielerorts wird ausgebaut.

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