Wer sich vor der Reise über Gebühren für Kartenzahlung und Abhebung informiert, kann im Urlaub entspannen. Foto: imago/Ikon Images
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Reisekasse Wie Sie im Ausland günstig zahlen

Mit Karte, Bargeld oder App: Je nachdem wo man hinreist, zahlt man am Besten mit Scheinen oder bargeldlos. Ein paar Tipps für die Reisekasse

Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Zu Hause zahlen sie drei Viertel ihrer täglichen Ausgaben in bar – doppelt so oft wie der Rest Europas. Auf Reisen ist dies nicht anders: Umfragen zufolge möchten fast 60 Prozent der Urlauber ihre Ausgaben vor Ort nach Möglichkeit in bar begleichen. Aber wo geht das eigentlich noch problemlos, wo sollte man sich doch darauf einstellen mit Karte oder gar per App zu zahlen? Und wie kommt man unterwegs günstig an Geld? Zeit für einen Finanzcheck für die Reise.

BEI REISEN INNERHALB DER EUROZONE

Beim Urlaub in den deutschen Lieblingsdestinationen – 2017 waren das vor allem Spanien, Italien, Österreich und Frankreich – ist das Zahlen mit Bargeld kein größeres Problem. Euro kann man in der notwendigen Menge mitnehmen oder vor Ort mit der Giro- oder der Kreditkarte abheben. Das Geldziehen am Geldautomat in Barcelona, Wien oder Neapel lassen sich die meisten Banken allerdings bezahlen, wobei die Gebühren vom Kontomodell und der verwendeten Karte abhängen. Erkundigen sollten sich Verbraucher vorab auch, ob und mit welchen Banken im Ausland das eigene Geldinstitut kooperiert: An deren Automaten kann man dann mit seiner EC-Karte günstiger Geld ziehen. Die Deutsche Bank arbeitet zum Beispiel mit der Bank of America in den USA und Barclays in Großbritannien zusammen. Wer bei der Hypovereinsbank ist, kann bei anderen Unicredit-Instituten Geld im Ausland abheben, bei der Bank Austria in Österreich und der Yapi Kredi in der Türkei.

Um die Kosten möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich, im Ausland nicht zu oft kleinere Summen zu holen, sondern lieber eine größere auf einmal. Berücksichtigen müssen Urlauber dabei aber umgekehrt, dass viele Banken nur begrenzte Mengen Bargeld auf einmal ausspucken. Bei 250 Euro ist da meist Schluss. Je nach Kontomodell kann es auch günstiger sein, die Bargeldvorräte im Ausland mit der Kreditkarte aufzufüllen. Einige Banken etwa haben Karten im Angebot, die einen weltweit kostenfreien Bargeldbezug versprechen und dabei notfalls auch etwaige Kosten der Fremdbank übernehmen. Ob man das Abendessen auf Ibiza oder den Bootsausflug auf Kreta dann in cash oder mit der Girocard bezahlt, ist Geschmackssache. Denn – anders als beim Abheben von Barem – fallen beim bargeldlosen Zahlen in der Eurozone im Normalfall keine zusätzlichen Gebühren an.

DER UMGANG MIT FREMDWÄHRUNGEN

Außerhalb der Euro-Zone kann es teuer werden, denn hier addieren sich zu den normalen Bankgebühren die Umtauschkosten in fremde Währungen. Laut Bankenverband ist es in den allermeisten Fällen am günstigsten, direkt nach der Landung am Airport mit einer Karte Geld zu ziehen und die Summe dort keinesfalls in Euro abzurechnen, sondern in der Fremdwährung. Denn dann erhalte man den Umtauschkurs der deutschen Hausbank. Auch der Umtausch von Euro in bar in den Wechselstuben und Tauschbuden, wie sie an Flughäfen häufig zu finden sind, empfiehlt sich selten. Zwar lockt da häufig der Hinweis, es würden keine Gebühren fällig – doch dafür ist meist der Kurs miserabel. Eine schlechte Idee ist es auch, sich bereits zu Hause eine Erstausstattung in ägyptischen Pfund oder thailändischen Baht zu besorgen. Kaum eine Bank hat heute noch Fremdwährungen jenseits von US-Dollar und britischem Pfund in der Filiale und müsste diese kostenpflichtig oder zu schlechtem Kurs erst besorgen.

Einen genauen Blick sollte der Urlauber auch bereits vor der Reise auf sein Plastikgeld werfen. Denn reist er beispielsweise in Länder außerhalb Europas, sind Karten mit dem „V Pay“-Logo nicht lesbar und damit wertlos. Karten mit dem „Maestro“-Logo von Mastercard werden dagegen weltweit anerkannt. Gelegentlich sind Kreditkarten auch vorab im Auslandseinsatz eingeschränkt, so- dass der Automat im Oman oder in Australien dann kein Geld ausspuckt. In vielen Fällen genügt da ein Anruf bei der Bank, oft kann man die Sperre auch selbst online löschen.

WO ES MIT BARGELD SCHWIERIG WIRD

Die Treue der Deutschen zum Bargeld könnte mittlerweile in einigen Ländern problematisch werden. In Schweden beispielsweise ist Bares eher schädlich als nützlich. Das Land ist auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft, die man in wenigen Jahren erreicht haben will. In vielen Geschäften, Hotels, in Bussen und an Tankstellen finden sich Hinweise wie „sorry – no cash“. Selbst der Bäcker bevorzugt Kreditkarten für Kleinstbeträge und akzeptiert Bares mangels Wechselgeld nur, wenn der Kunde es exakt passend hat. Geldautomaten sind deshalb immer schwerer zu finden. Mindestens eine Kreditkarte ist im Schweden-Urlaub deshalb ein Muss. Dies gilt auch für die USA, für Großbritannien, Australien, Norwegen und Finnland, wo das bargeldlose Zahlen inzwischen die Regel ist.

WO BARGELD EIN MUSS IST

Größere Bargeldbeträge, oft in kleinen Stückelungen und je nach Reiseregion aufgeteilt in US-Dollar und Euro, empfehlen sich dagegen vor allem bei Reisen abseits der Massenströme, bei Einreisen über den Landweg und bei längeren Overland-Touren, etwa durch Afrika. Wer zum Beispiel eine Laos-Reise anpeilt, quer durch Ägypten und Tunesien tingeln oder das südamerikanische Inland abseits der großen Städte besuchen möchte, wird um größere Mengen Bargeld nicht herumkommen. Zwar lassen sich auch in der chilenischen Atacama-Wüste oder im botswanischen Maun per EC-Karte Pesos und Pula abheben, doch ist der Service weder gesichert noch verlässlich.

IM URLAUB PER APP ZAHLEN

Völlig anders ist die Situation in Osteuropa, Russland, Japan und China, wo deutsche Urlauber ihre Bargeld-Liebe womöglich einschränken müssen. Dies gilt vor allem für China. Wie in Schweden lehnen Händler, Hoteliers und Geschäftsleute zunehmend die Bezahlung mit Barem ab, auch wenn sie gesetzlich zur Annahme von Renmimbi verpflichtet sind. Der Hintergrund: Generationsübergreifend gibts es inzwischen kaum noch Chinesen, die ihre Einkäufe nicht bargeldlos über eine der beiden Handy-Apps WePay und AliPay der Mega-Konzerne Tencent und AliBaba begleichen – ein Service, den chinesische Touristen inzwischen auch in Deutschland nutzen können.

Doch auch umgekehrt können manche deutsche Touristen in China neuerdings ihr Smartphone zum Portemonnaie machen. Denn Commerzbank, comdirect, der Zahlungsdienstleister Wirecard und die Smartphonebank N26 bieten ihren Kunden seit Kurzem die Möglichkeit, via Google pay kontaktlos zu zahlen – und zwar weltweit. Die Bedingungen: Sie benötigen ein Android-Handy, das technisch entsprechend ausgestattet ist. Zudem muss das Kassenterminal mit der NFC (near field communication)-Technik ausgestattet sein. Der Kunde hält sein Smartphone dann kurz an das Lesegerät, der Betrag wird über eine in der Handy-App eingetragene Karte abgebucht. Bei kleineren Beträgen ist keine PIN notwendig. Besitzer von iPhones sind derzeit ausgenommen, denn Apple hat seinen Service Apple pay bisher nicht für den deutschen Markt geöffnet.

Ab Ende Juli oder August können auch Kunden der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken, sofern sie ein Android-Handy besitzen, weltweit kontaktlos zahlen. Zusätzliche Kosten jenseits der zuvor vereinbarten Gebühren für den Karteneinsatz fielen nicht an, so die Commerzbank. Bei den Sparkassen entscheide jede einzelne Kasse über etwaige Gebühren, heißt es beim deutschen Sparkassen- und Giroverband.

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