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Anleger sehen die Inflation inzwischen als großes Risiko. Richard Drew/AP/dpa
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Reaktion auf EZB und Fed Die Börse will kein billiges Geld mehr

Seit Jahren profitieren die Börsen von der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken. Nun wird klar, dass inzwischen etwas anderes wichtiger für die Kurse ist.

Der zweite Boost blieb aus. Nachdem die Entscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwochabend an Börsen weltweit Kurssprünge verursacht hatte, konnte die EZB am Donnerstag keine neue Euphorie wecken. Und das obwohl die Fed das Ende der lockeren Geldpolitik einleitete und in Frankfurt weiter Geld in die Märkte gepumpt wird.

„Die Risiken einer spürbaren Zunahme der Inflation nehmen weiter zu“, erklärte Jörg Angele vom Bankhaus Bantleon nach der EZB-Ratssitzung die veränderte Wahrnehmung aus Börsensicht. „Es fällt der EZB zunehmend schwer, ihre ultraexpansive Geldpolitik noch zu rechtfertigen.“

Börsen von EZB-Entscheidung unbeeindruckt

Der deutsche Leitindex Dax hatte am Mittwoch nach Börsenschluss einen Satz von über 200 Punkten gemacht, nachdem in Amerika die Erhöhung der Leitzinsen und damit die Hoffnung auf eine Eindämmung der Inflation in Aussicht gestellt worden war. Auch der Dow Jones schloss gut ein Prozent fester und sogar der technologielastige Nasdaq – obwohl Tech-Aktien immer von lockerer Geldpolitik profitiert hatten, landete er mit 2,35 Prozent im Plus.

Am Donnerstag entwickelten sich Indizes dann eher seitwärts. Der Dax verlor im Laufe des Nachmittags nach Bekanntwerden des weiteren EZB-Kurses sogar leicht. An den Märkten in Übersee war kaum eine Reaktion auf die Entscheidungen in Europa abzulesen.

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Die Entscheidung der EZB rief bei vielen Börsianern sogar Kritik hervor. „Es wird weiter zu viel Geld in Umlauf kommen“, sagt etwa Jörg Kramer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Mehr denn je bestünden im Euroraum beträchtliche Inflationsrisiken, auch wenn die Inflation nach der Jahreswende vorübergehend sinken werde. „Leider geht die EZB das Inflationsproblem anders als die US-Notenbank nicht entschieden an.“

Der Euro verliert gegenüber dem Pfund

Insgesamt hieß es am Markt, die Währungshüter in den USA erfüllten die Erwartungen und sorgten für mehr Klarheit, ohne das die Gefahr bestünde, das Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Von der EZB vermisste man ein solches Signal.

Am Devisenmarkt war die kritische Reaktion auf den zögerlichen Kurs der EZB sogar noch deutlicher. Nachdem die britische Notenbank in London den Leitzins sogar erhöht hatte, gab der Euro gegenüber dem britischen Pfund in der Spitze um 0,7 Prozent nach. Er konnte die Verluste im weiteren Tagesverlauf aber wieder relativieren.

Anleger können aus den Reaktionen der Märkte aber die beruhigende Nachricht lesen: Auch ohne die ultralockere Geldpolitik dürften die Börsen relativ stabil bleiben. Thorsten Mumme

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