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Fed-Chef Jerome Powell spricht seit Längerem über ein Ende der Niedrigzinspolitik. Doch gemacht hat er es noch nicht. REUTERS/Kevin Lamarque
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Niedrige Zinsen bleiben Der Kurswechsel der Geldpolitik ist erneut verschoben

Auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole kündigt Fed-Chef Powell noch keine Zinserhöhung an. Doch die Anleihekäufe könnten bald zu Ende gehen.

Wenn ein abstraktes Thema wie die Geldpolitik in den großen TV-Talkshow des Landes diskutiert wird, muss eine extreme Lage vorherrschen. In Form der Niedrigzinspolitik besteht diese Ausnahmesituation inzwischen schon sehr lange. Und so musste Grünen-Chef Robert Habeck am Donnerstag bei Maybritt Illner nicht mehr viel erklären, um seinen Finanzierungsplan für den Staatshaushalt zu erläutern: Wenn der Staat sich Geld leiht, muss er weniger zurückzahlen als er aufgenommen hat. „Lässt man dieses Geld nun über Jahre für sich arbeiten, schafft man Wachstum“, führte er aus. Die Schulden zu begleichen werde deshalb dann gleich in doppelter Hinsicht kein Problem sein.

Es könnte jedoch sein, dass Habeck sich sputen muss mit seinem Plan. Denn ein Blick ins Ausland zeigt, dass die Zeit der niedrigen oder sogar negativen Zinsen nicht ewig andauern wird. Schon mehrmals hatte Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, angedeutet, dass ein leichter Anstieg der Zinsen diskutiert werde. Die Europäische Zentralbank EZB dürfte in diesem Fall ebenfalls in absehbarer Zeit aktiv werden.

Mit der Notenbank Südkoreas preschte bereits am Donnerstag die erste große Zentralbank Asiens mit einer Erhöhung ihrer Leitzinsen vor. Hier steigt der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent. Es ist die erste Anhebung seit Beginn der Coronakrise im Jahr 2020.

Keine Zinswende in Jackson Hole

Die ganz große Zinswende bleibt aber wohl auch beim diesjährigen Treffen der US-Notenbanker in Jackson Hole aus, das am Freitag startete. Für eine Zinserhöhung sei noch Zeit, ging aus dem Redemanuskript Powells hervor. Eine Kehrtwende könnte es allerdings bei den Anleihekäufen geben. Die Fed könnte noch in diesem Jahr damit beginnen, ihre Anleihekäufe zurückzufahren, war aus dem Umfeld der Konferenz zu hören.

Powell erklärte weiter, die Geldpolitik sei derzeit gut aufgestellt für den Ausstieg aus dem Krisenmodus und es habe deutliche Fortschritte auf dem Weg zur Vollbeschäftigung gegeben. Doch gehe dies mit der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus einher. „Wir werden die hereinkommenden Daten und die entstehenden Risiken sorgfältig prüfen“, sagte Powell. Zu dem genauen Beginn der Verringerung der Anleihekäufe äußerte er sich indes nicht.

Ausdruck der verschärften Lage ist auch, dass die Jackson-Hole-Konferenz wie bereits 2020 Corona-bedingt nur im Online-Format abgehalten wird. Angesichts der nach der Krise wieder rund laufenden Konjunktur denkt die Fed bereits seit einiger Zeit über ein Zurückfahren ihrer Anleihekäufe nach. Sie kauft derzeit noch Wertpapiere im Volumen von monatlich 120 Milliarden Dollar. Mehrere Währungshüter dringen auf eine baldige Entscheidung zum Abschmelzen der Krisenhilfe, womit der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik eingeleitet würde. Ein Beschluss der Währungshüter dazu wird für die nächsten Zinssitzungen erwartet – womöglich im September.

Immer wieder wird eine Zinserhöhung angedeutet

Schon in den vergangenen Wochen hatten mehrere wichtige Fed-Vertreter ihre Tonlage verändert und deutlichere Hinweise für eine baldige Straffung der Geldpolitik gegeben. So hatte Fed-Vizechef Richard Clarida Anfang August gesagt, dass er überrascht sei über den Rückgang der Anleiherenditen in den USA. Seit ihrem Hoch Ende März sind die nominalen Renditen deutlich gefallen. Aktuell notieren sie bei knapp über 1,3 Prozent. Experten gehen davon aus, dass Clarida eine solche Bemerkung nicht ohne Rücksprache mit Powell gewählt haben dürfte.

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Kurz danach meldeten sich eine Reihe regionaler Fed-Chefs wie Esther George, Mary Daly und Eric Rosengren zu Wort und forderten ebenfalls in unterschiedlichen Variationen ein baldiges Herunterfahren der Käufe. Als Voraussetzung hierfür hatte die Fed in der Vergangenheit genannt, dass es „substanzielle Fortschritte“ auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität geben müsse.

Mit Blick auf die Preisstabilität war dabei lange Zeit eher zu niedrige als zu hohe Inflation das Problem. Doch infolge der wirtschaftlichen Erholung von der Coronakrise ist die Inflation zuletzt kräftig gestiegen und lag deutlich über der angestrebten Preissteigerungsrate der Fed von zwei Prozent. Im Juli notierte sie bei 5,4 Prozent im Jahresvergleich.

In Deutschland liegt die Inflationsrate mit 3,8 Prozent noch niedriger. Doch auch hier ist das für einige Beobachter ein Signal dafür, dass die EZB ebenfalls höhere Zinsen in Betracht ziehen sollte. So auch bei Maybritt Illner. CDU-Mann Friedrich Merz hielt das Habeck bei dessen Ausführungen entgegen. Doch solange die Währungshüter das nicht so sehen, hat Habeck ja noch Zeit.

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