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Nachhaltiger Finanzsektor NGOs fordern neue Finanzierungsmaßstäbe für Immobilien

Thomas Wendel

WWF und die Denkfabrik Finanzwende legen Reformvorschläge für einen grünen Bankensektor vor. Die Rolle der Sparkassen müsse neu gedacht werden.

WWF Deutschland und Finanzwende fordern umfassende Gesetzesreformen, um den deutschen Finanzsektor auf eine nachhaltige Investitionspolitik auszurichten. Dafür legen die beiden Nichtregierungsorganisationen am Dienstag ein Rechtsgutachten vor, dessen Umsetzung die Transparenz grüner Geldanlagen erhöhen soll. Zudem könnten damit den NGOs zufolge Finanzströme im Immobiliensektor sowie von öffentlichen Banken in Richtung Klimafreundlichkeit umgelenkt werden.

Mit dem Vorstoß reagieren WWF und die Finanz-Initiative Finanzwende auf die ihrer Meinung nach unzureichende Reaktion der Bundesregierung auf die Empfehlungen des 2019 von ihr selbst eingesetzten Sustainable-Finance-Beirats: Dieser hatte für umfassende Reformen in 31 ersten konkreten Schritten geworben, um die Finanzströme in Deutschland auf die Erreichung des UN-Klimaziels von einer Erderwärmung von möglichst unter 1,5 Grad Celsius und anderer nachhaltiger Entwicklungsziele auszurichten. Doch in der im vergangenen Mai vorgestellten Sustainable-Finance-Strategie der Bundesregierung fehlten die meisten Vorschläge des Beirats.

Um das Manko zu beheben, haben WWF und Finanzwende die Berliner Kanzlei Becker Büttner Held mit einem „Gutachterlichen Eckpunktepapier“ zu Umsetzungsoptionen zentraler Beiratsempfehlungen beauftragt. „Der bisherigen Sustainable-Finance-Strategie der Bundesregierung fehlt es an Detailgrad und Konkretisierung“, erklärte Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland. „Das Rechtsgutachten gibt der Bundesregierung einen klaren Kompass in die Hand.“

Das dem Tagesspiegel vorliegende 62-seitige Papier zeige, wie die Umsetzung in zentralen Bereichen sehr konkret funktionieren könne, so Kopp.

Immobilien als "zentraler Bereich der Dekarbonisierung"

Als vordringliche Handlungsfelder sehen die NGOs vor allem mehr Transparenz und Offenlegung in der Geschäftsberichterstattung von Unternehmen. Weiter sehen fordern sie Neuerungen in der Rolle der öffentlichen Hand als Finanzmarktakteur inklusive jener von Sparkassen und der Bundesförderbank KfW. Auch im Gebäudesektor sehen sie einen „zentralen Bereich der Dekarbonisierung“.

So schlagen die Autoren des Gutachtens mehrere Änderungen im Handelsgesetzbuch vor, die unter anderem dazu führen sollen, dass Unternehmen klar ihren Beitrag dazu benennen, das Pariser Klimaziel zu erreichen. Welche internen Ziele sie dazu ansteuern, soll damit ebenso transparent werden wie die dafür ergriffenen Maßnahmen.

Zukunftsgerichtete Informationen zu Klimazielen, Maßnahmenplänen und Nachhaltigkeitsindikatoren sollen nicht nur dem eigenen Management und den Eigentümern Hinweise auf nötige Änderungen geben, sondern Kredit- und Kapitalgebern wichtige Hinweise bei ihren Entscheidungen geben. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung soll zudem zu einem festen Bestandteil der Geschäftsberichterstattung werden.

Die Rolle der Sparkassen

Massive Änderungen wünschen sich WWF und Finanzwende auch beim Umgang des Staates mit ihren eigenen Förderbanken und öffentlichen Finanzeinrichtungen. Der Bund solle seine Anlageentscheidungen nicht nur künftig im „Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen“ treffen, fordert der Finanzwende-Geschäftsführer und ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick. Vielmehr gehe es auch darum, den „Gemeinwohlauftrag der Sparkassen konkreter“ zu fassen. Dazu zeige das Gutachten anhand des Beispiels des baden-württembergischen Sparkassengesetzes, wie „die Leerformel der Gemeinwohlorientierung der Sparkassen in einen klaren Handlungsauftrag in Richtung Nachhaltigkeit“ umgestaltet werden könne, so Schick.

Einen weiteren großen Hebel für den Umbau Deutschlands haben die NGO im Gebäudesektor ausgemacht, der direkt und indirekt für rund ein Drittel der emittierten Klimagase in Deutschland verantwortlich ist. Mit Änderungen im Bereich des Gebäudeenergiegesetzes, des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der Datenschutz-Grundverordnung und der Wertermittlungsverordnung sollen öffentliche Förderprogramme konsequent auf das Erreichen von Klimazielen ausgerichtet werden.

Auch die Bewertung von Immobilien soll zudem anhand von Nachhaltigkeitsindikatoren vorgeschrieben und neue Finanzierungsformen zur Gebäudeinstandsetzung und -renovierung entwickelt werden.  „Finanzmarktakteuren fehlen Informationen über Investitions- oder Finanzierungsbedarfe“, erklärte dazu WWF-Experte Kopp. Um das Informationsdefizit zu beheben, wollen die NGO alle klima- und Energiedaten von Gebäuden in einer „zentralen Datenbank“ erfassen und dem Finanzsystem etwa für Kreditentscheidungen verfügbar machen.

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