Ein Mädchen hält ihr Smartphone in den Händen, auf dem sie ein Foto der Kurzvideo-App Tiktok geöffnet hat. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
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Nach Drohung des US-Präsidenten Microsoft will Social-Media-App Tiktok kaufen

Trump will die erfolgreiche chinesische App Tiktok in den USA eigentlich verbieten. Nun erklärt Microsoft, dass es das soziale Netzwerk übernehmen will.

Ein Übernahmemanöver des Software-Giganten Microsoft könnte das von US-Präsident Donald Trump angedrohte Verbot der Videoplattform Tiktok womöglich doch noch verhindern. Microsoft bestätigte am Sonntag (Ortszeit) erstmals, den Zukauf des US-Geschäfts von Tiktok anzustreben.

Konzernchef Satya Nadella und Trump hätten sich darüber ausgetauscht, nun wolle Microsoft weitere Gespräche mit dem chinesischen Tiktok-Eigentümer ByteDance führen. Ziel sei es, bis zum 15. September einen Deal zu vereinbaren. Trump räume dem chinesischen Internetgiganten ByteDance eine 45-tägige Frist ein, um einen Verkauf der App an Microsoft auszuhandeln, erklärten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Sonntag, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

ByteDance steht unter hohem Druck, Tiktoks US-Geschäft zu verkaufen, da Trump wegen Sicherheitsbedenken ein Verbot der beliebten App in den Vereinigten Staaten angekündigt hat. Die US-Regierung fürchtet, dass über Tiktok Daten von US-Bürgern in die Hände der chinesischen Kommunistischen Partei geraten.

Trump will Pekings Einfluss in den USA mit aller Macht zurückdrängen, auch andere chinesische Konzerne wie die Telekom-Riesen Huawei und ZTE bekamen dies schon zu spüren.

Microsoft will Trumps Einwände ernst nehmen

Sollte jedoch ein US-Unternehmen Tiktoks Geschäft in den Vereinigten Staaten übernehmen, so könnte die App dort weiter eine Zukunft haben. ByteDance bemüht sich deshalb schon länger, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen.

Über ein Interesse von Microsoft hatten US-Medien bereits am Freitag berichtet, danach äußerte sich Trump jedoch zunächst ablehnend und bekräftigte seine Verbotsabsicht. Nun meldete sich Microsoft erstmals offiziell zu Wort.

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Der Konzern erklärte, die Einwände Trumps ernstzunehmen, den Übernahmeplan aber nach dem Gespräch zwischen Vorstandschef Nadella und dem Präsidenten weiter zu verfolgen. Das deutet auf ein Entgegenkommen Trumps und eine mögliche Einigung hin.

Tiktok ist auch eine politische Plattform. Hier zu sehen ein Video der ägyptischen Influencerin Mowada al-Adham, die zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil sie angeblich gegen die öffentliche Moral verstoße. Foto: Khaled DESOUKI / AFP Vergrößern
Tiktok ist auch eine politische Plattform. Hier zu sehen ein Video der ägyptischen Influencerin Mowada al-Adham, die zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil sie angeblich gegen die öffentliche Moral verstoße. © Khaled DESOUKI / AFP

Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ noch unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Verhandlungen zwischen Microsoft und ByteDance wegen des Widerstands aus dem Weißen Haus vorerst gestoppt worden seien.

Trump selbst reagierte zunächst nicht auf die Microsoft-Mitteilung. Sein Finanzminister Steven Mnuchin hatte zuvor lediglich gesagt, es herrsche überparteilich Einigkeit darüber, dass Tiktok nicht in der jetzigen Form in den USA bestehen bleiben könne.

In China läuft nur die zensierte Version

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag dem Sender Fox News, Trump werde „in den kommenden Tagen Maßnahmen in Bezug auf ein breites Spektrum nationaler Sicherheitsrisiken ergreifen, die durch Software in Verbindung mit der chinesischen Kommunistischen Partei entstehen“.

Microsoft betonte, dass eine Übernahme nur im Einvernehmen mit der Regierung und im Zuge einer Sicherheitsprüfung sowie klarer Belege für einen Nutzen der US-Wirtschaft infrage käme. Der Dialog mit der Trump-Regierung solle während der weiteren Gespräche mit ByteDance in den kommenden Wochen fortgeführt werden.

Microsoft will der Mitteilung nach allerdings nicht nur das US-Geschäft von Tiktok übernehmen, sondern auch das in Kanada, Australien und Neuseeland.

[Mehr zum Thema: TikTok App – „Staatlicher Zugriff nicht ausgeschlossen“]

Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Damit könnte sich eine Tür für eine Reihe bestehender amerikanischer Anteilseigner von ByteDance um den Wagniskapitalgeber Sequoia Capital öffnen, die wegen des drohenden Verbots der US-Regierung angeblich ebenfalls schon seit längerem eine Übernahme auf eigene Faust anstreben.

Microsoft betonte aber, dass die Verhandlungen in einem vorläufigen Stadium seien und es keine Sicherheit gebe, ob letztlich eine Einigung erzielt werde.

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform, die in 65 Sprachen auf 175 Märkten angeboten wird. Nutzer können dort selbsterstellte Kurzclips hochladen oder die von anderen ansehen. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin.

100 Millionen Tiktok-Nutzer in den USA

US-Behörden hatten wiederholt Bedenken geäußert, dass das weltweit von fast einer Milliarde Menschen genutzte Netzwerk Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergibt. Unter anderem das Committee on Foreign Investment (CFIUS), das Geschäfte untersucht, die die nationale Sicherheit der USA betreffen, äußerte derartige Sorgen. Tiktok wies bislang alle Vorwürfe über die Weitergabe von Nutzerdaten zurück.

Tiktok versichert, es gehe der Plattform um kreative Inhalte, bei der „Privatsphäre und Sicherheit“ geschützt würden. Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Nutzerdaten würden in den USA gespeichert und verarbeitet.

[Mehr zum Thema: Wird TikTok das neue Huawei? Warum Politiker die Nutzung der Videoapp überdenken (T+)]

In den USA hat Tiktok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer und ist damit ein äußerst attraktives Übernahmeziel. Microsoft könnte aus dem politischen Gerangel um die App somit als lachender Dritter hervorgehen - der Softwarekonzern hat bislang kein eigenes Social-Media-Geschäft.

Tiktok verzeichnet rasantes Wachstum und gilt schon länger als angesagteste große Plattform bei jüngeren Leuten. Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen. (Reuters, AFP, dpa)

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