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Urlauber reisen ab: Es wird leerer am Strand von El Arenal in Mallorca. Foto: REUTERS
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Mallorca-Urlaube werden abgebrochen „Viele würden gern noch auf Malle bleiben“

Nach der Reisewarnung werden Pauschalreisen auf die Insel abgesagt, Urlauber nach Hause geflogen. Wer muss das bezahlen, und wie geht es jetzt weiter?

Es wird leer auf Deutschlands liebster Sonneninsel Mallorca. Die Briten sind schon länger weg, nun reisen auch die deutschen Urlauber ab. Wegen steigender Covid-19-Infektionen gilt inzwischen ganz Spanien, und damit auch die Balearen, als Corona-Risikogebiet. Das Auswärtige Amt flankiert diese Einschätzung zusätzlich mit einer amtlichen Reisewarnung. Nur die Kanarischen Inseln sind ausgenommen. Auf Mallorca, Ibiza, Formentera und Menorca sind die Ferien dagegen erst einmal vorbei.

„Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“, heißt es im Insel-Schlagerkracher. Für Menschen, die in diesen Tagen anreisen wollten, gilt stattdessen eine neue Corona-Version: Malle ist für sie kein Mal im Jahr. Europas größter Reisekonzern Tui hat als Folge der Reisewarnung alle Pauschalreisen zu den Balearen bis einschließlich Montag nächster Woche abgesagt.

Die Rewe-Touristiktochter DER Touristik hat zunächst nur Reisen bis einschließlich Freitag storniert, könnte das aber noch verlängern.

Alltours geht einen Sonderweg. Während der Veranstalter alle Pauschalreisen zu anderen spanischen Zielen mit Ausnahme der Kanaren jetzt schon bis zum 15. September streicht, können Alltours-Kunden auf eigenen Wunsch trotz der Reisewarnung weiterhin nach Mallorca fliegen.

Das erwartet die Rückkehrer: Coronatests oder Quarantäne. Foto: dpa Vergrößern
Das erwartet die Rückkehrer: Coronatests oder Quarantäne. © dpa

Doch die meisten Touristen treten ihre Reise in die entgegengesetzte Richtung an, heimwärts. Tui bittet all seine Gäste, bis zum Wochenende abzureisen. War der Rückflug ohnedies für diesen Zeitraum vorgesehen, ist das kein Problem. Wer eigentlich länger bleiben wollte, wird auf eine frühere Verbindung umgebucht.

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Die Begeisterung hält sich in Grenzen: „Viele Urlauber würden gern noch bleiben“, sagt ein Tui-Sprecher. In Deutschland wartet ein kühler Empfang auf die Reiserückkehrer. Am Flughafen muss man einen Coronatest machen oder 14 Tage in Quarantäne verbringen.

Zurück dürfte jeder Urlauber kommen

Anders als bei der ersten Coronawelle im März dürfte es aber wohl keine Probleme geben, einen Rückflug zu finden. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, kann die Organisation ohnedies dem Reiseveranstalter überlassen und sollte das auch tun, rät die Chefin der Verbraucherzentrale Bremen, Annabel Oelmann. Wer das Rückreiseangebot des Veranstalters ausschlägt, muss seinen Flug nämlich sonst selbst zahlen.
Einzelreisende, die auf eigene Faust Flug und Unterkunft gebucht haben, können die Insel vorzeitig verlassen, müssen es aber nicht. Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot.

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Allerdings besteht die Gefahr, dass der gebuchte Flug vielleicht nicht mehr stattfindet, warnt Oelmann. Wer seine Zelte daher lieber vorzeitig abbrechen möchte, dürfte wohl ohne große Mühe einen Heimflug finden. Allein der Lufthansa-Konzern bietet derzeit 180 wöchentliche Verbindungen von Deutschland nach Palma de Mallorca an, davon entfallen 150 auf die Tochter Eurowings. „Wir haben genug Kapazitäten für Reiserückkehrer“, betont ein Konzernsprecher.

Schnell zurück: Die österreichische Regierung hat eine Reisewarnung für Kroatien ausgesprochen, das hat eine Rückreisewelle ausgelöst. Foto: imago images/Eibner Europa Vergrößern
Schnell zurück: Die österreichische Regierung hat eine Reisewarnung für Kroatien ausgesprochen, das hat eine Rückreisewelle ausgelöst. © imago images/Eibner Europa

Auf die Euphorie, als im Juni plötzlich trotz der Covid-19-Pandemie Reisen ins Ausland möglich wurden, folgt jetzt Ernüchterung. In vielen Urlaubsländern steigen die Infektionszahlen an, das betrifft etwa Kroatien, die Türkei oder Frankreich. Dort sind vor allem Paris und Marseille betroffen. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen an den Goldstrand Bulgariens. Österreich hat eine Reisewarnung für Kroatien ausgesprochen, die seit diesem Montag gilt, und hat damit eine massive Rückreisewelle ausgelöst.

So wie zuvor die britische Regierung. Sie hatte Ende vergangener Woche eine Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Frankreich verhängt und damit ein Reisechaos an Flughäfen, Bahnhöfen und Fährstationen ausgelöst. Viele Briten hatten auf den letzten Drücker versucht, noch rechtzeitig den Ärmelkanal zu überqueren.

Gibt es weitere Reisewarnungen?

Wie es weitergeht, ist unklar. Das Prinzip: Erkranken innerhalb einer Woche 50 oder mehr von 100.000 Menschen an Covid-19, werden Schutzmaßnahmen ergriffen, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Das können Reisewarnungen für das gesamte Land oder bestimmte Regionen sein. Maßgeblich seien aber „tatsächliche Trends, nicht Momentaufnahmen“, ist dem Ministerium wichtig.

[Urlaub geplant? In unserer interaktiven Tabelle finden Sie alle Informationen zu Reisewarnungen und Risikogebieten.]

Zudem wird gemeinsam mit dem Innen- und dem Gesundheitsministerium die Liste der Risikogebiete, für die eine Test- oder Quarantänepflicht besteht, regelmäßig alle zwei Wochen aktualisiert. Gibt es Anlass für eine schnellere Warnung oder Entwarnung geschieht das auch außerhalb des Turnus – anlassbezogen.

Ägypten: Noch bis Ende August gilt eine Reisewarnung für das Land, die Tui hat auch schon alle Pauschalreisen für September dorthin abgesagt. Foto: picture alliance/dpa Vergrößern
Ägypten: Noch bis Ende August gilt eine Reisewarnung für das Land, die Tui hat auch schon alle Pauschalreisen für September dorthin abgesagt. © picture alliance/dpa

Während für die meisten EU-Länder seit Mitte Juni keine Reisewarnungen mehr bestehen, ist das für Drittstaaten anders. Hier gilt noch bis Ende August eine pauschale Reisewarnung, ausgenommen sind nur vier türkische Urlaubsprovinzen am Meer. Vor Reisen nach Ägypten, Marokko oder Tunesien wird dagegen weiterhin gewarnt.

Für einige dieser Reiseziele schafft die Tui jetzt schon Tatsachen über die gültige Reisewarnung hinaus. Reisen nach Ägypten, Marokko, Tunesien und Israel sowie sämtliche Fernreisen sind schon für September abgesagt.

150 Euro, wenn man einen Gutschein akzeptiert

Für die Reisebranche ist die Covid-19-Pandemie eine existentielle Herausforderung. Der Deutsche Reiseverband schätzt die Umsatzausfälle bis Ende August auf 20 Milliarden Euro. Die Tui musste in der vergangenen Woche bereits zum zweiten Mal mit einem Milliardenkredit des Staats gerettet werden. Reisewarnungen treffen die Veranstalter doppelt: Neue Buchungen bleiben aus, zugleich müssen sie das Geld für abgesagte Reisen zurückzahlen.

Deshalb versuchen die Unternehmen, ihren Kunden Gutscheine schmackhaft zu machen. Die Tui bietet dafür einen 150 Euro Treuebonus, DER Touristik 50 Euro Nachlass auf die nächste Reise.

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