„Godfather of Deutsche Bahn“. Amüsiert verfolgt Bahn-Chef Lutz die Schau der Auszubildenden im Cubix-Kino am Alexanderplatz. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Lehrjahre bei der Deutschen Bahn Bahn-Chef Richard Lutz begrüßt Azubis im Kino

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Das Ausbildungsjahr hat begonnen, 3600 junge Leute starten bundesweit bei der Deutschen Bahn. Vorstandschef Richard Lutz empfängt den Berliner Nachwuchs.

Richard Lutz reißt die Arme zur Siegerpose nach oben, Fanfaren dröhnen, zwei Auszubildende folgen dem Chef der Deutschen Bahn auf die Bühne. Sie halten den Gürtel des Champions in die Luft, wie man ihn vom Boxen kennt. Darauf ein DB-Logo. Lutz winkt ausgelassen in den voll besetzten Saal. Die Deutsche Bahn begrüßt zum Auftakt des Lehrjahres ihre neuen Auszubildenden – und die grüßen am Montag zurück, mit einer selbstgemachten Show im Cubix-Kino am Alexanderplatz. Richard Lutz – seit März 2017 Chef des Konzerns – ist zum zweiten Mal dabei, mehr als zwei Stunden hat er sich Zeit genommen. Die Leistungsschau des Bahn-Nachwuchses hat Tradition.

Der „Familienvater und Godfather of Deutsche Bahn“, wie die Azubis Lutz ankündigen, hat gute Nachrichten mitgebracht. Rund 3600 Auszubildende starten 2018 ihre Laufbahn beim bundeseigenen Schienenkonzern, der weltweit mehr als 300 000 Mitarbeiter beschäftigt, 200 000 davon in Deutschland. In sechs Städten – Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig, Mannheim und München – begrüßen Vorstände des Unternehmens am Montag die jungen Leute. Rund 570 wollen Fahrdienstleiter werden, etwa 520 entscheiden sich für den Lokführer, die die Bahn besonders dringend sucht. Rund 480 gehen in die Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik.

"Unser Image hat sich kontinuierlich verbessert"

Probleme, Schulabgänger zu gewinnen hat die Bahn, deren öffentliches Image durch Verspätungen, Preiserhöhungen und Serviceprobleme leidet, Lutz zufolge nicht. „Unser Image als Arbeitgeber hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert“, sagt der Bahn-Chef im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Wir sind ein bunter Laden, bei dem engagierte junge Leute gerne anfangen – vielleicht auch, weil nicht alles perfekt läuft und man noch viel bewegen kann.“ Der Erfolg bei der Rekrutierung – nicht nur bei den Lehrlingen – gibt Lutz recht. 19 000 neue Mitarbeiter will die Bahn 2018 einstellen. Mehr als 13 000 waren Mitte des Jahre geschafft. „Am Ende werden es wohl mehr als die geplanten 19 000 sein“, kündigt Lutz an. Auch bei den IT- und Software-Fachkräften, um die die Bahn mit Technologiefirmen konkurriert, scheint es besser als erwartet zu laufen. „Wir suchen nicht nur viele Digitalisierungsexperten, wir stellen auch mehr ein als andere Konzerne“, sagt Lutz, der selbst vor 24 Jahren im Unternehmen angefangen hat. Wettbewerber bezahlten vielleicht besser als die DB, „aber dort macht das Arbeiten auch nicht so viel Spaß“. Die Tarifstrukturen der Bahn seien wettbewerbsfähig.

Sicherheit zählt für junge Leute

Die größere Herausforderung sieht Lutz darin, die Personalfluktuation, die der Bahn bevorsteht, zu bewältigen. Etwa die Hälfte der 200 000 in Deutschland beschäftigten Bahn-Mitarbeiter gehen in den kommenden Jahren in Rente. „Es geht um den Transfer von Know-how und Wissen von der bestehenden in die nachfolgende Belegschaft“, sagt Lutz. „Damit können wir nicht erst morgen anfangen.“

Auf der Berliner Kino-Bühne wird am Montag deutlich, dass die Bahn nicht nur Vielfalt bieten kann – in 50 verschiedenen Berufen bildet sie aus. Auch die berufliche Sicherheit bei der DB zählt für die Auszubildenden. „Jeder, der seine Ausbildung erfolgreich bei uns abschließt, bekommt ein Übernahmeangebot“, sagt der Bahn-Chef. Voraussetzung sei ein gewisses Maß an Flexibilität. „Diese Sicherheit ist auch vielen jungen Leuten wichtig.“

Im kommenden Rekrutierungsjahr will die DB wie berichtet auch beim Bewerbungsprozedere attraktiver werden. Auf ein Bewerbungsschreiben können Azubis dann verzichten. „Es geht um den Menschen, um die Einstellung und Leidenschaft für das Thema Bahn – und ein bisschen auch um Stressresistenz“, sagt Lutz. „Wir wollen bei der Einstellung mehr auf die Einstellung achten.“ Die Bahn suche Mitarbeiter, die sich einsetzten – keine Olympia-Mannschaft, die nach drei Jahren woanders arbeite.

Mit vollem Einsatz und Lampenfieber sind die Azubis im Cubix-Kino bei der Sache. Es wird live nach Leipzig geschaltet, ein Massen-Selfie gemacht, beim „Zug der Berufe“ überwältigen Lehrlinge der DB Sicherheit einen fingierten Störer auf der Bühne. Richard Lutz verfolgt die professionell gemachte Schau, deren Zeitplan aus dem Ruder läuft, amüsiert. Für die jungen Auszubildenden hat er einen Rat: „Bleibt jung, bleibt hungrig und neugierig.“

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