In Berlin ist die Gruppe mit Immobilienscout24 vertreten. Foto: imago/Schöning
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Kleinanzeigen-Portale Investoren bieten Milliarden für Scout24

5,7 Milliarden Euro wollen zwei Beteiligungsfirmen für Scout24 zahlen. So viel haben Investoren noch nie für eine deutsche Firma ausgegeben.

Sie vermitteln Verbrauchern Wohnungen und Gebrauchtwagen. Auch wer Versicherungen und Kredite sucht, wird bei ihnen fündig. Gleich mehrere Onlineportale für Kleinanzeigen betreibt Scout24, darunter auch die Plattform Immobilienscout24 mit 550 Mitarbeitern in Berlin. Jetzt wird die Firmengruppe selbst zum Kaufobjekt. 5,7 Milliarden Euro wollen zwei Finanzinvestoren für Scout24 zahlen. Gelingt ihnen die Übernahme, wäre das ein Rekord: So viel haben Beteiligungsfirmen bislang noch für kein deutsches Unternehmen ausgegeben. Der bis dato größte Deal war vor zwei Jahren der Kauf des Arzneimittelhersteller Stada, für den Großinvestoren 5,3 Milliarden Euro zahlten.

Ob Scout24 diesen Rekord knacken wird, hängt von den Aktionären ab. Ihnen machen die Beteiligungsfirmen Hellman & Friedman und Blackstone nun ein Angebot. 46 Euro wollen sie pro Aktie zahlen. Die Unternehmensgruppe selbst unterstützt die Offerte. Aufsichtsratschef Hans-Holger Albrecht sprach am Freitag von einem „attraktiven Angebot“. Bereits im Januar hatten sich die beiden Investoren an einer Übernahme von Scout24 versucht, damals aber noch zwei Euro weniger pro Aktie geboten – was die Unternehmensgruppe als zu wenig zurückwies.

Scout24 hat den beiden Investoren schon einmal gehört

Dass die beiden Bieter nun doch zum Zug kommen, ist kein Zufall. Hellman & Friedman und Blackstone waren nämlich schon einmal Eigentümer von Scout24. Bei beiden handelt es sich um Private-Equity-Firmen aus den USA, die Gelder bei Anlegern einsammeln und anschließend mit diesem Kapital bei Unternehmen einsteigen – mit dem Ziel, ihre Anteile nach ein paar Jahren gewinnbringend wieder zu verkaufen. Blackstone gehört aktuell zum Beispiel die Hotelkette Hilton. Hellman & Friedman waren in der Vergangenheit unter anderem an den Medienkonzernen Axel Springer und ProSiebenSat1 beteiligt.

Derzeit stehen Private-Equity-Firmen wie sie vor dem Problem, dass Anleger ihnen sehr viel mehr Geld anvertrauen, als sie in Unternehmen investieren können. Auch das ist eine Folge der Niedrigzinsphase: Weil andere Anlagen nicht mehr so viel Rendite abwerfen, investieren institutionelle Anleger wie Versicherungskonzerne, Pensionskassen oder reiche Familien verstärkt große Summen in die Fonds der Private-Equity-Firmen. Gleichzeitig stehen aber längst nicht genug Unternehmen zum Verkauf, so dass die Private-Equity-Firmen auf Unsummen sitzen, die sie an sich gerne investieren würden. Allein Blackstone hat nach eigenen Angaben 44,4 Milliarden Dollar für Zukäufe auf der Seite liegen.

2015 ist der Portalbetreiber an die Börse gegangen

So kommt es dann auch, dass Hellman & Friedman und Blackstone nun bei Scout24 einsteigen wollen: einem Unternehmen, von dem sie sich zuvor sukzessive getrennt haben. Bereits 2013/2014 hatten sie sich nacheinander bei dem Anbieter von Online-Marktplätzen eingekauft, der bis dahin eine Tochter der Deutschen Telekom war. 2015 brachten die Investoren Scout24 dann gemeinsam an die Börse. Erst vor einem Jahr hat Hellman & Friedman sich von seinen letzten Anteilen getrennt.

Bei dem Unternehmen mit Hauptsitz in München hat man nichts gegen den erneuten Einstieg der US-Investoren. Sie würden „als vertrauenswürdige und langfristige Partner“ geschätzt, sagte Scout24Chef Tobias Hartmann. Gemeinsam wolle man die Gruppe zu „einem führenden europäischen Digitalunternehmen“ weiterentwickeln.

Noch ist aber nicht klar, ob den beiden US-Investoren die Übernahme tatsächlich glückt. Sie wollen mindestens 50 Prozent plus eine Aktie übernehmen. Gelingt ihnen das nicht, etwa weil zu viele Aktionäre das Kaufangebot ablehnen, scheitert der Deal. An der Börse kam die Nachricht am Freitag aber erstmal gut an: Die Aktie legte kräftig zu.

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