In allen Ehren. Wer den Nobelpreis erhält, wird damit meist für das Lebenswerk geehrt. Der Karriere nützt der Preis selten. Foto: dervish15 - stock.adobe.com
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Karriere als Wissenschaftler Ausgezeichnet

Das Emmy Noether-Programm, EU-Forschungsstipendien oder der Berliner Wissenschaftspreis: Förderungen schieben die Karriere von Wissenschaftlern an – wenn es die richtigen sind.

Es war im Jahr 2013. Die Stadt- und Regionalsoziologin Christiane Hentschel war damals Post-Doc-Fellow am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach ihrer Dissertation zu Sicherheitspolitiken im südafrikanischen Durban (2010) forschte sie zu gegenwärtigen sozialen Veränderungsprozessen in Berlin-Neukölln. Sie leitete eine von der Einstein Stiftung Berlin unterstützte Gruppe von Nachwuchsforschern zum Thema materielle, soziale und politische Infrastrukturen von Städten, die sie mit postkolonialen Konzepten aus dem globalen Süden in Verbindung brachte. Für ihre Arbeit wurde sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet. Der Preis brachte ihr 20 000 Euro – und hat sich nicht nur finanziell ausgezahlt.

„Die Auszeichnung war für mich eine Ermutigung, auch weiterhin unkonventionelle Perspektiven in meiner Forschung einzunehmen“, sagt Christine Hentschel heute. Als Trägerin des Preises habe sie für ihre Arbeit viel Anerkennung aus der Fachgemeinschaft erhalten und sei auch dazu aufgefordert worden, sich auf Professuren zu bewerben. Seit April 2016 ist Hentschel nun Professorin für Kriminologie mit dem Schwerpunkt Sicherheit und Resilienz an der Universität Hamburg.

Professorenstellen sind rar

Karrieren in der Wissenschaft sind begehrt, die raren Professuren umkämpft. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, muss man ein eigenes Forschungsprofil entwickeln – und dabei können Stipendien, wissenschaftliche Preise oder Förderprogramme helfen. „Damit sie für die weitere Karriere aber wirklich nützlich sind, müssen sie für ein gutes Wissenschaftsprofil stehen“, sagt der Karrierecoach für Wissenschaftler, Matthias Schwarzkopf. Und sie sollten von renommierten Organisationen, Stiftungen oder Einrichtungen kommen, die bekannt sind für die Förderung qualitativ hochwertiger Wissenschaft und Forschung. Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis und die DFG gehören für Schwarzkopf dazu. Die DFG fördert Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher unter anderem mit Stipendien für Auslandsaufenthalte oder ermöglicht ihnen mit dem Emmy Noether-Programm die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe. Besonders renommiert sind in seinen Augen auch Stipendien außeruniversitärer Forschungseinrichtungen wie der Max-Planck-Institute.

„Stipendien und Preise fungieren als eine Art Gütesiegel im Wissenschaftsbetrieb und entwickeln eine Art Eigenleben“, sagt Christine Hentschel. Ihre Auszeichnung habe neue Kontakte und Projekte ermöglicht. Und habe man erst einmal einen Preis oder ein Stipendium bekommen, sei es meist leichter, weitere Förderungen und Auszeichnungen zu erhalten.

Mit Stipendien kann man sich wissenschaftlich ausprobieren

Christine Hentschel rät deshalb allen Studierenden mit Ambitionen für eine wissenschaftliche Karriere, sich möglichst früh für Stipendien, Förderprogramme oder Preise zu bewerben. Sie selbst war zunächst Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und erhielt dann mehrere Fellowships als Post-Doc, unter anderem von der Einstein Stiftung Berlin. „Die Post-Doc-Fellowships haben es mir ermöglicht, mich wissenschaftlich auszuprobieren und mich in ganz neue Themen einzuarbeiten“, sagt Hentschel.

Einen Überblick über die verschiedenen Fördermöglichkeiten zu gewinnen, ist gerade für Post-Docs nicht immer einfach. Nicht jedes Stipendium eignet sich für jede Bewerberin oder jeden Bewerber. „Hinzu kommt, dass bestimmte Fördermöglichkeiten an bestimmte Karrierephasen gebunden sind“, sagt Schwarzkopf. Für manche Förderungen dürfe die Promotion nicht länger als vier Jahre abgeschlossen sein, wie etwa beim Emmy Noether-Programm. Um das passende Stipendium oder die richtige Förderung nicht zu verpassen, rät Schwarzkopf Post-Docs deshalb, Seminare zu besuchen, die über aktuelle Fördermöglichkeiten informieren und häufig von Universitäten und Forschungseinrichtungen selbst für ihre Nachwuchsforscherinnen und -forscher angeboten werden.

Entscheidend ist für Schwarzkopf, dass ein potenzielles Förderprogramm oder Stipendium zum Forschungsinteresse und zur generellen Karrierestrategie eines Forschers oder einer Forscherin passen muss. „Man sollte sich darüber im Klaren sein, was und wie man etwas untersuchen und erreichen möchte.“ Im nächsten Schritt könne man nach geeigneten Förderungen suchen. Was aber auch klar sein sollte: „Man kann nicht darauf bauen, einen Preis zu gewinnen“, sagt der Karrierecoach. Es sei eher unwahrscheinlich eine der großen Auszeichnungen wie den Maier-Leibnitz-Preis zu erhalten. Aber auch ohne könne man den Weg zur Professur schaffen.

Preise öffnen Türen

Von 2007 bis 2012 war Schwarzkopf Beauftragter für Berufungsverfahren der Friedrich-Schiller-Universität Jena und begleitete etwa 200 Verfahren und Verhandlungen. Seiner Erfahrung nach haben dabei die bisherigen Publikationen eines Kandidaten Priorität. „Auch die eingeworbenen Drittmittel spielen in der Regel eine wesentlich größere Rolle als Auszeichnungen“, sagt Schwarzkopf. Gerade in den Naturwissenschaften seien Drittmittel ein entscheidendes Kriterium.

Die Forscherin Hentschel sagt: Durch die verschiedenen Förderungen habe sie wissenschaftliche Netzwerke aufbauen können, die äußerst hilfreich für ihre weitere Karriere gewesen seien, die ihr möglich gemacht hätten, ihr Forschungsprofil immer weiter zu schärfen und ihre wissenschaftliche Methode zu verfeinern. „Die Auszeichnungen haben mir Türen geöffnet – und den Weg zur Professur geebnet.“

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