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"Am Ende zählt, wer agiler ist"

Junge Unternehmen Wie Berliner Start-ups künstliche Intelligenz entwickeln

Sayeds Unternehmen arbeitet außerdem gemeinsam mit einer Gesundheitseinrichtung an einer App, die das Essverhalten der Patienten analysiert, indem diese ihre Mahlzeiten fotografieren. Auch ein Automobilhersteller zählt zu den Kunden. „Unser Set von Algorithmen verändert sich nicht – es wird nur für jeden Zweck unterschiedlich trainiert werden“, sagt Sayed. Dafür hat das Unternehmen Robotiker, Informatiker, Pharmazeuten, Physiker und Mathematiker an Bord. Die künstliche Intelligenz soll ein Service sein, den jedes Unternehmen von Heuro Labs beziehen kann und in ihre Systeme einbauen können. Investor Westerheide glaubt daran, dass in der Zukunft Geschäftsmodelle wie das Mieten einer KI pro Minute oder Stunde möglich sein werden.

"Wir Menschen sind auch logische Maschinen"

„Es ist in Deutschland aber unfassbar schwierig, KI-Spezialisten zu bekommen. „Die großen Unternehmen aus den USA werben viele Talente ab“, sagt Ronnie Vuine, der bei Micropsi Industries arbeitet. Der Service, den das Unternehmen anbietet, ist besonders für die fertigende Industrie interessant. Die Maschinen in Fabriken sind mit Sensoren ausgestattet, die eine große Menge an Daten übermitteln – angefangen beim Stromverbrauch. Die von Micropsi Industries entwickelte Software erkennt die Regelmäßigkeiten und entwickelt ein Modell von den Prozessen. So soll sie Abweichungen vom Regelverhalten identifizieren und später auch Abläufe optimieren.
Micropsi Industries wendet dafür unter anderem eine verbreitete Methode an, die sich Deep Learning nennt. Dabei werden Berechnungen ausgeführt, die Abstraktionen erlauben, so dass Maschinen wie Menschen Muster erkennen und kombinieren können. „Wir Menschen sind schließlich auch logische Maschinen. Wenn etwas gut funktioniert, machen wir es wieder“, erklärt Vuine. Langfristig träumt er davon, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die Probleme lösen kann, die Ingenieure nicht lösen konnten. Erst einmal trainiert seine Software die Fähigkeiten zur Mustererkennung mithilfe des Computerspiels Mindcraft. Eine anerkannte Methode: Auch das Google-Vorbild Deepmind verbessert mit Computerspielen seine Algorithmen.

Software ist für die Fertigung entscheidend

Vuine findet es wichtig, dass auch hierzulande Expertise zu künstlicher Intelligenz aufgebaut wird – vor allem für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. „Uns läuft die Zeit davon“, sagt er. Software sei auch für die fertigende Industrie in Deutschland die entscheidende Komponente. Die Automobilhersteller hätten beispielsweise den Anschluss bei den Kartendiensten verpasst und dann für 2,5 Milliarden Euro den Dienst von Nokia aufkaufen müssen. Auch wenn ein massiver Jobverlust bei niedrig qualifizierten Berufen drohe: „Der Maschinenbau kann sich vor KI nicht drücken. Im Silicon Valley zeigt sich schon: Softwareunternehmer rücken in die Produktion“, sagt er. Er denkt etwa an Tesla-Gründer Elon Musk, der an der Gründung von Paypal beteiligt war. Schon jetzt heiße das „iPhone unter den Autos“ nicht mehr BMW sondern Tesla. „Gewinnen wird, wer die Softwarekomponente im Griff hat, wenigstens genauso gut wie das Metall“, sagt Vuine.

Investor Westerheide glaubt, dass die hiesigen Start-ups den großen Unternehmen etwas entgegensetzen können. „Junge Gründer haben das Potenzial, radikale Lösungen zu entwickeln und sie sind schnell. Am Ende zählt schließlich, wer agiler ist.“ Auch das Interesse anderer Investoren ist da. Micropsi Industries hat kürzlich 800 000 Euro Anschubfinanzierung erhalten.

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